Älter werden hinter Gittern: Der Alltag im Seniorenvollzug Suben
SUBEN. Auch hinter Gittern hinterlässt das Alter Spuren. In der Justizanstalt Suben bietet eine eigene Seniorenabteilung deshalb einen angepassten Alltag. Eine besondere Herausforderung sind Suchterkrankungen und ihre Folgen, wie Oberst Gerd Katzelberger, der Leiter der Justizanstalt, berichtet.

Arbeiten, gemeinsam Zeit verbringen und die eigenen Fähigkeiten möglichst lange erhalten: Was zum Alltag vieler älterer Menschen gehört, spielt auch hinter Gefängnismauern eine Rolle. In der Justizanstalt Suben gibt es dafür eine eigene Seniorenabteilung. Sie richtet sich an Insassen ab 60 Jahren und umfasst vier Wohngruppen. Aktuell leben dort 25 der insgesamt 300 Insassen.
Pilotprojekt
Der Seniorenvollzug begann 2010 als Pilotprojekt und ging 2012 in den Regelbetrieb über. Seit Anfang 2014 wird die Abteilung in ihrer heutigen Form geführt. Das Konzept berücksichtigt, dass ältere Gefangene andere Bedürfnisse haben als jüngere.
Kommen Suchterkrankungen hinzu, wird die Betreuung besonders anspruchsvoll. Jahrelanger Alkohol- oder Drogenkonsum und der Missbrauch von Medikamenten können die körperliche und psychische Gesundheit dauerhaft beeinträchtigen.
Bei manchen Betroffenen treten altersbedingte Einschränkungen deshalb früher auf. „Die physische und psychische Konstitution vieler suchtstarker Inhaftierter entspricht oft biologisch einem Alter, das zehn bis 15 Jahre über dem tatsächlichen Geburtsdatum liegt“, sagt Katzelberger. Im Strafvollzug werden Häftlinge daher bereits ab 55 oder 60 Jahren zur Gruppe der älteren Insassen gezählt.
Ziel von Übergriffen
Für sie kann der Alltag auf einer regulären Abteilung schwierig sein. Körperliche Schwäche, eingeschränkte Beweglichkeit oder nachlassende geistige Fähigkeiten erschweren das Zusammenleben. Zudem besteht die Gefahr, dass ältere Insassen zum Ziel von Übergriffen werden oder in Konflikte geraten.
Die eigene Abteilung soll daher einen geschützten Rückzugsbereich bieten und Spannungen verhindern. „Wenn die Generationen getrennt sind, läuft der Alltag spürbar entspannter ab, was nicht nur den Insassen, sondern auch der Sicherheit und Entlastung des Dienstbetriebs zugutekommt.“
Mehrere Krankheiten
Besonders herausfordernd ist das Zusammentreffen verschiedener Erkrankungen. Zu möglichen Langzeitfolgen einer Abhängigkeit zählen Organschäden, Herz-Kreislauf-Probleme und neurologische Einschränkungen. Gleichzeitig können Demenz, Seh- und Hörschwächen oder eine eingeschränkte Mobilität hinzukommen.
Entsprechend aufwendig ist die medizinische Betreuung. Manche Insassen erhalten eine Substitutionstherapie oder benötigen starke Schmerzmittel. Zugleich müssen viele wegen internistischer Erkrankung zahlreiche weitere Präparate einnehmen. Somit sind mögliche Wechselwirkungen zu beachten und auch das Sturzrisiko kann steigen.
Für das medizinische Personal und die Justizwache bedeutet das, die notwendige Behandlung sicherzustellen und zugleich einen möglichen Medikamentenmissbrauch im Blick zu behalten. Eine regelmäßige Kontrolle ist deshalb ein wichtiger Teil der Betreuung.
Arbeit nach Tagesverfassung
Im Seniorenvollzug wird der Tagesablauf an die Möglichkeiten der Männer angepasst. Dazu gehören längere Öffnungszeiten und ein eigens gestalteter Aufenthaltsbereich. Eine verlässliche Struktur soll vor allem Menschen mit Suchterkrankungen oder kognitiven Einschränkungen Orientierung geben. „Der Fokus liegt stark auf Strukturierung und Erhalt der verbleibenden Fähigkeiten“, erklärt der Leiter das Konzept.
Auch Arbeit bleibt Bestandteil des Alltags. Die Insassen arbeiten jedoch kürzer, in Teilzeit oder abhängig von ihrer Tagesverfassung. Damit sollen sie einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen können, ohne körperlich oder psychisch überfordert zu werden. Sportgeräte und Lernangebote ergänzen die Beschäftigung und sollen dazu beitragen, vorhandene Fähigkeiten zu erhalten.
Pflege und Gehirntraining
Neben dem Abteilungskommandanten und den geschulten Bediensteten ist eine Pflegeassistenz in die Betreuung eingebunden. Sie hilft bei der Körperpflege und der Reinigung der Räumlichkeiten und übernimmt tägliche gesundheitsbezogene Unterstützungsleistungen. So sollen auch Männer versorgt werden, denen alltägliche Aufgaben zunehmend schwerfallen.
Geschulte Bedienstete setzen zudem Übungen nach dem Selba-Konzept ein. Dazu zählen Gehirntraining, Koordinationsübungen und einfache Beschäftigungstätigkeiten. Ziel ist es, geistige und körperliche Fähigkeiten anzuregen und ihrem Abbau entgegenzuwirken.
Veränderte Anforderungen an Mitarbeiter
Die Seniorenabteilung verändert damit auch die Anforderungen an die Mitarbeiter. Neben Sicherheit und geregelten Abläufen gewinnen Pflege, Aktivierung und die Abstimmung mit der medizinischen Betreuung an Bedeutung. „Es geht nicht mehr nur um reine Verwahrung, sondern um altersadäquate Betreuung und medizinische Logistik im Dienst“, so Katzelberger.








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