Fußballvereine haben Angst um die Zukunft ihrer Nachwuchsspieler
INNVIERTEL. Alle Meisterschaften im Fußball-Unterhaus wurden annulliert. Diese Entscheidung sorgt bei vielen Funktionären für Kopfschütteln. Sollte die Fußballpause noch länger andauern, dann sehen einige von ihnen die Gefahr, dass die Nachwuchskicker sich ein anderes Hobby suchen könnten.

„Auch wenn die Entscheidung die Saison 2019/2020 zu annullieren für den ÖFB sicher eine schwierige war, hätte es trotzdem Alternativen gegeben. Der Verband hat hier die 'einfachste' Lösung gewählt. Man hätte auch die Meinung der Vereine einholen können, so wie es beispielsweise der bayerische Fußballverband gemacht hat“, meint Christoph Schmidseder, Trainer der Union Suben.
Überzogene Entscheidung
Der gleichen Meinung ist auch Peter Madritsch, Chefcoach des Regionalligisten Union Gurten: „Ich verstehe bis heute nicht, warum die Verantwortlichen nicht noch länger mit der endgültigen Entscheidung abgewartet haben. Hier wurde zu schnell gehandelt. Für mich eine absolut überzogene Entscheidung. Ich kann mich damit nicht anfreunden. Wir hätten die Saison im Herbst oder im Frühjahr 2021 fertig spielen können.“ Unglücklich über den Saisonabbruch ist auch Herwig Drechsel, Rieds Jahrhundertfußballer und Trainer der Jungen Wikinger, die, genauso wie Gurten, in der Regionalliga Mitte am Start sind. „Happy sind wir natürlich nicht. Aber wir können es eh nicht ändern und müssen die Entscheidung akzeptieren.“
Udo Niemetz, Sportlicher Leiter des SV Riedau, hat zwar Verständnis für die Entscheidung des Verbandes, verstehen tut er sie jedoch nicht. „Einfach eine ganze Saison zu streichen ist meiner Meinung nach sehr hart. Man hätte die aktuelle Meisterschaft - egal in welcher Form - werten sollen“, meint Niemetz. Laut dem Riedauer hätte die Saison - wann auch immer - fortgesetzt werden können. „Eine weitere Möglichkeit wäre gewesen, die aktuellen Punkte zu halbieren und diese in die neue Saison mitzunehmen. So wie es in der Bundesliga nach der Zwischenrunde der Fall ist.“
Bitter für Tabellenführer
Bitter ist der Saisonabbruch vor allem für Mannschaften, die um den Aufstieg in die nächst höhere Liga gekämpft haben. „Gerade für die Tabellenführer war diese Entscheidung eine besonders bittere“, meint Schmidseder. Gurten hätte zwar auch im Falle des Meisterschaftsgewinns den Weg in die zweithöchste Spielklasse nicht angetreten, so wurden die Madritsch-Männer jedoch um eine hervorragende Saison gebracht. „Auch wenn die Meisterschaft annulliert wurde. Die Leistungen, die meine Jungs heuer gezeigt haben, kann uns keiner nehmen. Ich bin stolz auf sie, und auch auf die Tatsache, dass sie sich in der trainingsfreien Zeit stets vorbildlich verhalten und all meine Vorgaben umgesetzt haben“, meint Madritsch, dessen Mannschaft vor der Annullierung auf dem starken vierten Rang der Regionalliga Mitte platziert war.
Trainingsstart 15. Mai
Auch wenn der Meisterschaftsstart noch in den Sternen steht, werden die meisten Vereine mit 15. Mai ihren Trainigsbetrieb wieder aufnehmen. „Natürlich wollen wir ehestmöglich mit dem Mannschaftstraining starten. Zwei Monate ohne Ball sind für jeden Fußballer eine Qual. Nur Laufen wird auf Dauer eintönig. Wir werden uns aber natürlich an die Vorgaben der Regierung halten und keine Zweikämpfe führen“ berichtet Madritsch. Laut Niemetz wird auch der Riedau mit 15. Mai mit den Mannschaftstrainings beginnen. Wann die neue Saison angepfiffen wird, darüber sind sich die Funktionäre uneinig. „Ich kann es mir nicht vorstellen, dass heuer noch gespielt wird“, meint Niemetz. Optimistischer sind Madritsch und Schmidseder. „Aufgrund der Tatsache, dass mit 15. Mai der Trainingsbetrieb wieder startet, wäre eventuell auch ein Meisterschaftsstart im Spätherbst möglich“ berichtet Schmidseder. Auch Gurtens Trainer hofft auf eine baldige Entscheidung bezüglich des Meisterschaftsstartes. „Es wäre schon gut zu wissen, wann es endlich wieder losgeht. Ich hoffe natürlich, dass im Herbst wieder gekickt werden kann“, meint Madritsch.
Was macht die Jugend?
Sollte der Meisterschaftsstart erst kommendes Jahr sein, dann befürchten die Funktionäre, dass den Vereinen viele Nachwuchsspieler abhandenkommen könnten. „Wenn die fußballfreie Zeit noch länger andauert, könnte es besonders im Nachwuchsbereich schwierig werden, da hier die Kinder eventuell zu anderen Vereinen oder Sportarten abwandern könnten“, glaubt Schmidseder. Dieses Szenario befürchtet auch Udo Niemetz. „Wir leisten in Riedau seit Jahren eine vorbildliche Jugendarbeit. Ich befürchte jedoch, dass sich viele unserer Jungs für eine andere Sportart entscheiden könnten, sollten sie die kommenden Monate ihrem Hobby nicht nachgehen können. Deswegen muss auch im Nachwuchsbereich bald mit den Trainings begonnen werden“, fordert Niemetz.
Weniger Geld für die Spieler?
Es ist ein offenes Geheimnis, dass in den vergangenen Jahren sogar in den niedrigsten Klassen des Amateurfußballs zum Teil hohe Gagen an Spieler gezahlt wurden. Ob sich dies in den kommenden Monaten und Jahren ändern wird, darüber sind sich die Funktionäre uneinig. „Ich bin mir sicher, dass in einigen Monaten alles wieder so läuft wie vor der Coronakrise auch“, so Gurtens Übungsleiter. Schmidseder glaubt hingegen an eine andere Entwicklung. „Der Fußball könnte sich aber auch positiv entwickeln, besonders was den finanziellen Aspekt anbelangt, da der ein oder andere Verein den Gürtel eventuell enger schnallen muss und nicht mehr ganz so viel Geld in Spielergehälter investiert werden können“. Davon geht auch Herwig Drechsel aus. „Es könnte schon sein, dass die Vereine in Zukunft weniger auf Legionäre, sondern mehr auf Eigenbauspieler setzen“, meint Drechsel.


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