Kommandant Osterkorn wünscht sich Polizisten aus der Region
BEZIRK SCHÄRDING/OÖ. Im letzten halben Jahr ist die Zahl der tatsächlich verfügbaren Polizeikräfte in Oberösterreich weiter gesunken. Waren laut Anfragebeantwortung vom März 2018 noch 3.068 Vollzeitkräfte im Einsatz, so sind es laut Anfragebeantwortung vom Oktober 2018 nur mehr 3.024. Im Bezirk Schärding ist die Situation derzeit noch nicht dramatisch. Doch in den kommenden Jahren müssen viele Stellen neu besetzt werden.

„Oberösterreich war schon zuvor das Bundesland mit der geringsten Polizeidichte pro Einwohner. Weil aber die Arbeit auf den Inspektionen nicht weniger wird, sorgen weniger Vollzeitkräfte für immer höheren Arbeitsdruck“, so SPÖ-Sicherheitssprecher Hermann Krenn. Oberösterreich hätte eigentlich 3.455 Polizei-Dienstposten verfügbar. Aufgrund von Karenzierungen, Teilzeitdiensten und PolizeischülerInnen sind aber nur 3.024 Vollzeitkräfte für die Arbeit verfügbar. Das entspricht einer Quote von 87,5 Prozent. „Von acht Polizei-Dienstposten sind in Oberösterreich also nur sieben mit dienstfähigen Kräften besetzt“, macht Krenn klar. SPÖ-Klubvorsitzender Christian Makor tritt ebenfalls für die gerechte Personalausstattung der Polizei ein: „Polizeibeamte haben das Recht auf Familie und Freizeit – so wie andere Berufsgruppen auch. Wenn aber immer weniger auf den Posten vor Ort Dienst machen, dann droht die Überforderung durch immer mehr Wochenend- und Nachtdienste.“
Ausbildungs-Dienstposten
Ein Teil des Personalproblems besteht in der Ausbildungs-Systematik der Polizei. Wenn Polizeischüler ihre zweijährige Ausbildung durchlaufen, benötigen sie für diesen Zeitraum einen regulären Polizei-Dienstposten, können aber mangels abgeschlossener Ausbildung noch keinen Regeldienst machen. Die Folge ist, dass Dienstposten auf den Polizeiinspektionen für diesen Zeitraum wegfallen – ohne dass dort die Arbeit weniger wird. „Für gute Schulungen braucht es auch gute Ausbildner, die in dieser Zeit ebenfalls nicht für den Regeldienst verfügbar sind. Deshalb braucht die Polizei dringend eigene Dienstposten für Polizeischüler und den Schulungsdienst – das würde die Kollegen auf den Inspektionen entlasten und zusätzlich auch bei Personalplanung und Personalentwicklung helfen“, argumentiert Krenn erneut seine Forderung, Ausbildungs-Dienstposten für Polizeischüler zu realisieren.
Neue Polizisten für den Bezirk Schärding
Im Bezirk Schärding ist die derzeitige Situation laut Matthias Osterkorn, Bezirkspolizeikommandant, noch nicht dramatisch. „Wir haben bezirksweit insgesamt sieben Polizeidienststellen mit 105 Mann, wenn alle einsatzfähig sind. Im Durchschnitt fehlen uns rund 15 Prozent“, so Osterkorn. Doch es ist Besserung in Sicht. „Demnächst werden einige Jungpolizisten, welche gerade ihre Ausbildung abgeschlossen haben, zu uns nach Schärding verlegt. Darüber sind wir sehr froh“, berichtet der Bezirkspolizeikommandant.
Große Herausforderung in den kommenden Jahren
Dass es derzeit vielerorts an Personal fehlt, begründet Osterkorn mit der Verabschiedung einiger Kollegen in den Ruhestand. Im Moment kann die Lücke noch geschlossen werden, doch die Prognosen für die kommenden Jahre sind nicht gerade rosig. „Wir benötigen in den kommenden Jahren zahlreiche neue Polizisten. Hier stehen wir vor einer großen Herausforderung. Die Pensionswelle trifft uns voll“, so Osterkorn, der berichtet, dass der Zulauf an Bewerbern – vor allem im ländlichen Raum – vor drei, vier Jahren höher war als heute.
Ballungszentren
„Viele, die Polizist werden wollen, kommen aus den Ballungszentren. Ich würde mir für unseren Bezirk Personal aus der Region wünschen“, meint Osterkorn, für welchen es viele gute Gründe gibt, Polizist zu werden.
„Das Betätigungsfeld eines Polizisten ist breit gefächert. Ob Verkehrs-, Kriminal-, Fremden- oder Präventionsdienst – ich bin mir sicher, dass jeder seinen passenden Bereich findet. Zudem ist es ein krisensicherer Beruf und man hat auch Aufstiegschancen“, berichtet Osterkorn. Und weiter: „Ich würde mir wünschen, dass sich nicht nur Maturanten bewerben, sondern auch jene, die eine Lehre abgeschlossen haben. Diese stehen meiner Meinung nach voll im Leben und wissen, worauf es ankommt.“
Qualität vor Quantität
Die allgemeine Meinung, dass heutzutage jeder Polizist werden kann und dadurch die Qualität der Beamten leidet, weist Osterkorn entschieden zurück. „Es ist ja nicht so, dass jeder bei uns aufgenommen und zur Polizeischule zugelassen wird. Es wird wohl sehr genau auf die Qualität der Bewerber geschaut. Immerhin geht es um die Sicherheit unserer Bürger. Nicht jeder kann Polizist werden“, informiert Osterkorn. Laut dem Innviertler müssen die Bewerber sowohl physisch als auch psychisch belastbar sein: „Ein Polizeibeamter wird oft mit Situationen konfrontiert, welche nicht leicht zu ertragen sind. Sei es Mord oder verletzte Personen bei Autounfällen. Damit muss man schon klarkommen können.“ Darauf angesprochen, dass viele seiner Kollegen – aufgrund der Unterbesetzung – Überstunden leisten müssen, meint Osterkorn: „Bei uns ist es wie in jedem anderen Betrieb auch. Wenn zu wenige Mitarbeiter verfügbar sind, dann müssen die Dienste eben von anderen übernommen werden. Aber es ist nicht so, dass täglich Überstunden geleistet werden müssen.“


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden