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KRÜGLING. Seit etlichen Jahren bereits arbeitet die Seiringer Umweltservice GmbH auf dem Kaninghof in Krügling (Gemeinde Wieselburg-Land) daran, aus lokalen Bioabfällen grünes Gas zu erzeugen. Nun konnte Firmenchef Hubert Seiringer sein zukunftsweisendes Projekt vor hochkarätigen Gästen präsentieren. Wenn alles gut geht, kann 2023 das erste Biogas ins öffentliche Netz eingespeist werden.

  1 / 2   V. r.: Firmenchef Hubert Seiringer präsentierte sein zukunftsweisendes Projekt direkt am Kaninghof Energie- und Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne), Nationalrat Alois Schroll (SPÖ) und Vizepräsident Lorenz Mayr von der NÖ Landwirtschaftskammer sowie zahlreichen weiteren Gästen (Foto: Brandt)

„Die Natur kennet keinen Abfall, sondern immer nur Nährstoffe für neues Leben“, betont Hubert Seiringer. Diesen Kreislauf will sich der Unternehmer, der seit Jahren als Pionier im Bereich der Kompostierung gilt, zunutze machen, um eine autonome Energieversorgung in der Region zu schaffen. „Wir können und müssen nun unsere Energieabhängigkeit beenden“, erklärt Seiringer mit Blick auf die drohende Versorgungskrise durch fehlende Erdgaslieferungen aus Russland. Biogas ist für den Mostviertler dabei der Schlüsselfaktor.

Methan aus Bioabfällen

Auf seinem Kaninghof in Krügling bei Wieselburg möchte Hubert Seiringer eine Biogasanlage der zweiten Generation errichten. Konkret bedeutet dies, dass er aus Bioabfällen von Firmen aus der Region Methan erzeugen möchte. Seiringer zufolge lassen sich aus einer Tonne Bioabfall 70 Kubikmeter Methan gewinnen – was ungefähr 70 Litern Diesel entspreche. „Das ist schon eine ganze Menge“, erklärt der Unternehmer. Erst recht, wenn man bedenkt, dass die Rohstoffe ohnehin vorhanden sind.

Autonomie bei Energie- und Düngemittelversorgung

Neben dem Methan lassen sich aus den Abfällen außerdem biologischer Flüssigdünger und fruchtbare Komposterde gewinnen. „Wir schaffen somit eine Autonomie bei der Energie- und Düngemittelversorgung“, bringt Seiringer seine Projektidee auf den Punkt. „Wir verwenden Reststoffe der Betriebe, welche diese in Form von Energie und Dünger wieder von uns zurückbekommen“, beschreibt Seiringer den Kreislauf. Das grüne Gas lässt sich Seiringer zufolge speichern, ist vielseitig einsetzbar und kann russisches Erdgas ersetzen.

„Brauchen alle Energieformen“

Sein Biogas will Seiringer ins öffentliche Gasnetz einspeisen. „Wir liegen logistisch perfekt. Nur 750 Meter entfernt befinden sich wichtige Einspeisepunkte der Hauptpipelines“, erklärt der Unternehmer. „Wir brauchen alle Energieformen. Hier wollen wir ein Leuchtturmprojekt schaffen für regenerative Energie“, so der Initiator weiter.

Ambitionierter Zeitplan

Aktuell befindet sich das Projekt laut Seiringer in der Einreichplanung. Im Idealfall sei es bis zum Winter genehmigt, so dass der Start im Jahr 2023 erfolgen könnte. Geht alles gut, so könnte sein Unternehmen bereits übernächsten Winter Biogas ins Netz liefern. Seiringer spricht von einer „gewaltigen Investition“ und einer „sehr großen Herausforderung“. Mehr als 100 Partner seien in das Projekt involviert, darunter Unternehmen aus den Bezirken Scheibbs und Melk, die Gemeindeumweltverbände sowie Landwirte aus der Region.

„Leuchtturmprojekt“

Erfreut über die Wieselburger Initiative zeigt sich Energie- und Klimaschutzministerin Leonore Gewessler. „Die Unabhängigkeit gibt es nur, wenn wir die Energieversorgung selbst in die Hand nehmen. Genau solche Projekte helfen uns heraus aus der Abhängigkeit“, so die Bundespolitikerin. Ihr Dank gilt neben der Firma Seiringer auch den Partnerbetrieben in der Region, die dazu beitragen, dieses „Leuchtturmprojekt“ zu realisieren.

Schroll sagt Unterstützung zu

„Nur durch viele solche Projekte kann die Energiewende gelingen“, ergänzt der Ybbser Nationalrat und Energiesprecher der SPÖ, Alois Schroll. „Wir bekennen uns zu 100 Prozent zum Ausbau der Erneuerbaren Energie“, betont Schroll weiters und sagt für das Wieselburger Projekt seine Unterstützung zu.

Wertvoller Dünger

Von einem „wunderbaren Projekt“ spricht der Vizepräsident der LÖ Landwirtschaftskammer, Lorenz Mayr. Er unterstreicht aber auch die hohe Bedeutung der Düngemittelproduktion. Ohne Dünger gingen die Erträge der Landwirte um vier bis fünf Prozent zurück.


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