Energie und Umwelt sind in den USA kein Thema
SChIEDLBERG. Sebastian Dietachmair hat ein vier Monate dauerndes Auslandssemester in den USA hinter sich. Im Tips-Interview erzählt der 22-Jährige von seinen Eindrücken.

Tips:Sie waren in der Kleinstadt Potsdam nördlich von New York. Warum haben Sie sich für die USA entschieden?
Sebastian Dietachmair: Ich wollte schon immer nach Amerika und habe mich auf das typische Collegeleben gefreut, welches man aus den Filmen kennt. Auch die Möglichkeit, meine Leidenschaft Fußball mit meinem Studium zu verbinden, reizte mich an der Clarkson University. Diese Kombination wird in Europa nur sehr selten angeboten.
Tips: Wo haben Sie gewohnt?
Sebastian Dietachmair: Ich war in einem Apartment direkt am Campus untergebracht, drei Gehminuten von den Hörsälen entfernt. Die Wohnung habe ich mit drei Amerikanern geteilt, was für die Verbesserung meiner Englischkenntnisse von Vorteil war. Als ich ankam, waren lediglich ein Bettgestell und eine Matratze in meinem Zimmer, alles andere musste ich mir selbst zulegen. Die Amerikaner sind von Grund auf offen und hilfsbereit, aber in gewisser Weise sehr oberflächlich. Obwohl ich mich mit allen sehr gut verstanden habe, war es kaum möglich, eine richtig gute Freundschaft aufzubauen.
Tips: Was ist in den USA anders?
Sebastian Dietachmair: Ohne Studium bist du kaum in der Lage, einen gut bezahlten Job zu finden. Deshalb studiert hier beinahe jeder. Aufgrund der hohen Studiengebühren und der teuren Wohnangebote nehmen sich einige bereits im jungen Alter einen Kredit auf. Das Leben an sich ist etwas teurer als in Österreich, für gutes Essen muss man schon mindestens 35 bis 40 Dollar pro Person bezahlen. Was mir besonders aufgefallen ist, ist dass Energie und Umwelt kein Thema sind. Das Licht im Turnsaal brannte 24 Stunden am Tag, ebenso in unserer Wohnung, wenn ich es nicht abschaltete. Autos vor dem Supermarkt laufen weiter, um später ein aufgeheiztes Auto vorzufinden.
Tips: Was aus Österreich haben Sie in Amerika vermisst?
Sebastian Dietachmair: Die Hausmannskost, die Studienkollegen der FH Steyr, Familie, Freunde und meine Fußballmannschaft der Union Schiedlberg. Zurück in Österreich denke ich gerne an das Uni-Team und die Hauspartys mit ihnen zurück sowie allgemein an die Unbekümmertheit der Amerikaner.
Tips: Welche Unterschiede gibt es bezüglich Studium?
Sebastian Dietachmair: Vorlesungen sind wesentlich kürzer und dauern maximal 1,15 Stunden. Die Zeit in den Klassen beläuft sich pro Woche auf ca. 15 Stunden, an der FH Steyr verbringe ich bis zu 35 Wochenstunden – mit vierstündigen Blockeinheiten. Dafür ist der Anteil der Projekte außerhalb der Vorlesungen in den USA wesentlich höher.
Tips: Wie hat sich Ihr Alltag abseits der Uni gestaltet?
Sebastian Dietachmair: Vorwiegend mit Lernen, Fußball und Reisen – in dieser Reihenfolge. Nach einem erfolgreichen Try Out bin ich ins Uni-Fußball-Team aufgenommen worden. Ich musste dafür bestätigen, dass ich noch nie Geld mit dem Sport verdient habe. Wir trainierten fünfmal in der Woche, meistens von 18 bis 20 Uhr. Am Wochenende standen Spiele am Programm, teilweise mussten wir zu den Auswärtsmatches bis zu fünf Stunden in eine Richtung reisen und dort übernachten. Wir sind in unserer Liga mit zehn Teams ins Finale gekommen, wo wir gegen die Hobart University knapp mit 1:2 verloren haben. Trotzdem war es für mich das absolute Highlight meines Auslandssemesters. Vor allem das Finale, wo ich von Beginn an spielen durfte und das wir zum ersten Mal in der Fußballgeschichte der Uni erreichten, wird für mich unvergesslich bleiben.
Tips: Welche Reisen haben Sie unternommen?
Sebastian Dietachmair: Ich war mehrmals in New York, einmal in Washington, in Boston und aufgrund der Nähe zu Kanada bei den Niagarafällen, in Toronto und Ottawa. Als Sport-Fan habe ich auch Baseball-, Basketball-, Football- und Eishockeyspiele besucht.


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