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Leserartikel Jakob Weiermair, 08.03.2016 18:50

SCHLIERBACH/WARTBERG/BEZIRK KIRCHDORF. 16 Gemeinden haben sich zusammengetan, um auf die Notwendigkeit einer Gesetzesänderung beim Thema Hausärztliche Apotheken aufmerksam zu machen – mit dabei auch Schlierbach und Inzersdorf. Die Regelung, die die Hausapotheke in vielen Fällen verbietet, ist schon seit Längerem ein Stein des Anstoßes.

  1 / 2   Landeshauptmann Josef Pühringer (vorne, 3. v. l.) mit Bürgermeisterin Katharina Seebacher und Bürgermeister Bernhard Winkler-Ebner sowie den anderen 14 oö. Bürgermeistern beim Treffen der Initiative in Linz Foto: Land OÖ/Kraml

Im Apothekengesetz, das ein Bundesgesetz ist, ist unter anderem festgeschrieben, dass nur mit einem Mindestabstand von sechs Kilometern zur nächsten öffentlichen Apotheke eine andere Apotheke betrieben werden darf. Dies führt in mehreren oberösterreichischen Gemeinden – wie etwa in Schlierbach – dazu, dass manche Hausärzte keine Hausapotheke führen dürfen. Ein Umstand, der sowohl bei den betroffenen Hausärzten als auch den Gemeinden für Unverständnis sorgt.

Versorgung sicherstellen

Bürgermeisterin Katharina Seebacher: „Wir setzen uns dafür ein, dass die medizinische Versorgung und die Versorgung mit Arzneimitteln insbesondere für ältere und kranke Menschen in der Gemeinde gewährleistet ist. Diese Personen haben häufig eine eingeschränkte Mobilität und für sie stellt die Fahrt zur nächsten Apotheke oft eine zusätzliche Belastung dar.“

Härtefälle

Der Fall des Schlierbacher Gemeindearztes Clemens Wimplinger wurde schon öfter thematisiert: Nach einem Einspruch gegen seine Hausapotheke fasst der Arzt einen neuen Standort ins Auge. Die Bezirkshauptmannschaft Kirchdorf beschied den Antrag für den neuen Standort positiv.Für Bürgermeisterin Katharina Seebacher ist das Hin und Her um die ärztliche Hausapotheke im Ort mehr als unerfreulich: „In Zeiten der Ausdünnung des ländlichen Raumes und diverser Benachteiligungen wäre es schlimm, wenn auch die medizinische Versorgung in den Gemeinden nicht mehr entsprechend sichergestellt werden kann“, so Seebacher.

„Ärztemangel“

Für die Hausärzte ist der Betrieb einer eigenen Hausapotheke ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Die Frage, ob eine Hausapotheke betrieben werden kann, spielt auch bei der Ordinationsnachfolge eine Rolle und wirkt sich damit direkt darauf aus, ob und wie viele Hausärzte es in der jeweiligen Gemeinde gibt.

So auch in Wartberg: Die Hausarztstelle von Walter Kimbacher, der in Pension ging, konnte bis jetzt nicht nachbesetzt werden. Dies hängt nicht nur, aber auch mit der fehlenden Möglichkeit für eine Hausapotheke zusammen, wie Bürgermeister Franz Karlhuber im Tips-Gespräch bestätigt.

Situation in Wartberg

Befindet sich eine öffentliche Apotheke im Ort, darf laut Apothekengesetz keine ärztliche Hausapotheke betrieben werden. In Wartberg würde man sich jedenfalls einen zweiten praktischen Arzt wünschen. Die Ärztekammer hat eine solche Stelle erneut ausgeschrieben.

„Eine Hausapotheke ist für Ärzte in kleineren Orten lebenswichtig. Ich bin der Meinung, dass die Bevölkerung mit mehr Ärzten mit Hausapotheken zufriedener wäre als mit weniger Ärzten und einer öffentlichen Apotheke“, erklärt Gerhard Schwarz, der seit der Eröffnung der öffentlichen Wartberger Apotheke keine Hausapotheke mehr betreiben darf.

Mangelnde Attraktivität

Dazu dass der Beruf des Hausarztes am Land immer unattraktiver wird, trägt für Schwarz auch die Hausapotheken-Regelung wesentlich bei. Bliebe die Regelung so, müsse man über die Gehälter ausgleichen. „Die Bezahlung für praktische Ärzte im niedergelassenen Bereich muss deutlich verbessert werden, um den Beruf für junge Mediziner überhaupt wieder interessant zu machen.“Für die neue Initiative der Bürgermeister sieht Schwarz allerdings wenig Chancen.

Wirtschaftliche Gründe

Die Apotheker auf der anderen Seite wollen ihre wirtschaftlichen Interessen genauso gewahrt sehen und pochen auf den Gebietsschutz. „Da hausapothekenführende Ärzte Arzneimittel selbst abgeben und weder Kassen- noch Privatrezepte zur Einlösung in der Apotheke ausstellen, hätte eine öffentliche Apotheke nur eine rudimentäre Umsatzerwartung, wäre nicht lebensfähig und nicht in der Lage, den vom Gesetzgeber auferlegten Pflichten nachzukommen“, erklärt man bei der Österreichischen Apothekenkammer.

Die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung liege vorrangig in der Verantwortung der öffentlichen Apotheken. Durch Anpassungen der Gesetzeslage seien Problemfälle bereits großteils entschärft worden.


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Gastuser
Gastuser
21.03.2016 08:47

Apotheken Standort

Es stellt sich überhaupt die Frage, warum in Wartberg/Kr. zwischen zwei seit langem praktizierenden Ärzten, seit einigen Jahren eine Apotheke "existieren" darf? Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar!