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Online Redaktion, 24.10.2017 21:00

SCHÖNAU. Riesenärger bei Bauern aus der Mühlviertler Alm-Gemeinde: Sie fühlen sich um ihre Leistung aus der Dürreversicherung geprellt.

Familie Gradl aus Hofing gehört zu jenen Schönauer Bauern, die trotz Trockenschäden auf ihren Wiesen bei der Dürreversicherung durch die Finger schauen.

15 bis 25 Prozent der Erntemenge fehlen aufgrund der Trockenheit heuer bei Bauern, die ihre Wiesen in dem geografisch genau zwischen Pierbach und Bad Zell gelegenen Teil Schönaus bewirtschaften. Während in den Nachbargemeinden Pierbach und Bad Zell Dürreentschädigungen für Grünland anstandslos bezahlt werden, wurde in Schönau der Messpunkt für die Berechnung der Wetterdaten verlegt, ohne die Versicherungsnehmer zu informieren. Da es auf diesem nachweislich auch nach Daten der Hagelversicherung deutlich kühler und feuchter ist als beim bisherigen Messpunkt, der im trockensten Gebiet der Gemeinde liegt, soll es für die Bauern keine Dürreentschädigung geben.

361 Hektar betroffen

Ein Vorgehen, das sich diese nicht widerspruchslos gefallen lassen. Ortsbauernobmann Manfred Hinterreiter: „Wenn es für uns heuer keine Dürreentschädigung gibt, dann brauche ich mich gegen Dürre überhaupt nicht mehr versichern zu lassen.“ Dürre im Grünland ist bei der Hagelversicherung erst seit 2015 versicherbar. „Damals haben wir von den Ortsbauernschaften auch noch Werbung dafür gemacht“, ärgert sich Hinterreiter. 361 Hektar Wiesen sind in Schönau betroffen, die Entschädigung müsste laut den Bauern insgesamt zwischen 16.000 und 35.000 Euro liegen.

Messpunkt ins Ortszentrum verlegt

Bei den Informationsveranstaltungen der Hagelversicherung in Schönau war eine Stelle in der Ortschaft Kaining als Messpunkt zur Berechnung des Dürreindex bekannt gegeben worden. „Das ist einer der trockensten Flecken in der Gemeinde, der Punkt hat für uns gut gepasst“, sagt Andreas Brunner, der daraufhin die Dürreversicherung abgeschlossen hat. Im März 2016, nach einer großen Informationsveranstaltung und nach Einzelberatungen, bei denen der Messpunkt Kaining immer genannt wurde, erfolgte offenbar die Verlegung des Messpunktes an den Rand einer Siedlung im Ortszentrum von Schönau.

Kühler und feuchter

„Dieser Punkt liegt um rund 100 Meter höher und ist weit kühler und feuchter als der bisherige“, sagt Hofbesitzer Jakob Gradl aus der Ortschaft Hofing. Hätte der neue Messpunkt bereits 2015 gegolten, hätten die Schönauer Bauern schon damals rund ein Drittel der Leistung aus der Dürreversicherung verloren, ist man in Schönau nach Berechnungen überzeugt. „Wenn ich vom neuen Messpunkt gewusst hätte, wäre ich sicher nicht in die Dürreversicherung eingestiegen“, betont Andreas Brunner.

Landwirtschaftskammer-Präsident am Wort

Warum der Messpunkt verlegt wurde, erklärt Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Reisecker, der auch im Aufsichtsrat der Hagelversicherung sitzt: „Der Messpunkt ist nicht nur in der Gemeinde Schönau verlegt worden, sondern im Frühjahr 2017 in Gemeinden in ganz Österreich. Grund ist, dass es im Vorfeld immer wieder Diskussionen um die Messpunkte gegeben hat. Daher ist man so vorgegangen, in allen Gemeinden den Messpunkt österreichweit einheitlich in die geografische Mitte zu legen, sofern sich dieser nicht schon dort befunden hat. Wenn in Schönau die Verlegung des Messpunktes von Seiten der Hagelversicherung nicht ausreichend kommuniziert worden ist, war das nicht in Ordnung.“ Reisecker ist sich der Problematik bewusst, dass viele Landwirte durch die Messpunkt-Verlegung bei der Auszahlung der Dürreversicherung durch die Finger schauen, und versteht deren Unmut: „Damit es gerechter wird, haben wir in der jüngsten Sitzung des Aufsichtsrates das Thema diskutiert und beschlossen, bis zur nächsten Sitzung im Dezember ein engmaschigeres Modell mit mehreren Messpunkten auszuarbeiten, damit die Dürresituation besser abgebildet wird.“ Es sei jedoch nicht möglich, im Nachhinein Vertragsbedingungen zu ändern.

Bessere Lösung für die Zukunft wird angestrebt

„Leider kann ich für das Jahr 2017 nichts mehr für die betroffenen Landwirte erreichen. Ich habe für die aktuelle Situation keine Lösung, aber eine bessere Lösung für die Zukunft“, sagt Reisecker, bei dem die Schönauer Bauernschaft auch schon vorstellig wurde. „Es wird bei einem System, in dem Grenzwerte eine Rolle spielen, aber immer so sein, dass Gemeinde x knapp darüber liegt und Gemeinde y knapp darunter.“

„Nachjustieren“ bis zur Praxistauglichkeit

Reisecker rät angesichts des Klimawandels allen Landwirten zu einer Dürreversicherung: „Langfristig gesehen ist die Dürreindex-Versicherung ein sehr gutes Produkt, die Prämien sind sehr günstig. Das Versicherungsmodell ist neu und es wird – wie damals bei der Hagelversicherung – fünf bis zehn Jahre dauern, bis es praxistauglich ist“, spricht Reisecker von Anfangsproblemen. „Man kann nicht alles am Schreibtisch entwickeln, sondern muss auch die Praxis berücksichtigen und immer wieder nachjustieren.“


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