Verein Immanuel: zehn Jahre erfolgreiche Integration
Schönau. Seit zehn Jahren bemüht sich der Verein Immanuel, Menschen mit psychosozialen Beeinträchtigungen ins Arbeitsleben zu integrieren. Bei der Jubiläumsfeier wurden der Preis „Immanuel“ und der Ehren-Immanuel verliehen.

Die Idee für die Gründung des Vereines kam von Felix Diesenreither. Er hat lange im Sozialbereich gearbeitet und gemerkt, dass Menschen mit psychischen und psychosozialen Problemen mehr brauchen als Betreuung. „Sie wollen arbeiten, etwas tun und suchen Beschäftigung“, sagt Projektleiterin Theodora Eichinger. Für die Gründung des Vereins hat sich Diesenreither Mitstreiter gesucht und diese mit Wirtschaftskammer-Obfrau Gabriele Lackner-Strauss, dem Juristen Bernhard Klein und dem Liebenauer Bürgermeister Erich Punz gefunden. Im Dezember 2005 wurde der Verein mit der Projektumsetzung vom Land Oberösterreich beauftragt und ist nach dem Chancengleichheitsgesetz ein anerkannter Verein.
Auf die individuellen Bedürfnisse eingehen
Viele Klienten haben Ängste und trauen sich selbst nicht viel zu. Durch die lange Arbeitslosigkeit sinkt ihr Selbstwert. „Da müssen wir ansetzen und den Klienten helfen, diesen wieder aufzubauen“, sagt Eichinger. „Sie tragen oft viel mit sich herum, wie Schulden, Wohnprobleme oder Suchterkrankungen. Wir wollen die jeweils individuellen Bedürfnisse herausfinden: wo genau braucht jemand Unterstützung, was kann die Person selbst und was wünscht sich der Klient?“ Nach zehn Jahren kann der Verein eine positive Bilanz ziehen. Insgesamt wurden 324 Personen betreut, 178 davon wurden erfolgreich integriert.
Wohnortnahe Arbeit
Die Klienten werden vom Arbeitsmarktservice, von der Bezirkshauptmannschaft, Angehörigen oder Bekannten an den Verein Immanuel vermittelt. Anschließend werden Gespräche mit den Betroffenen geführt. Danach wird ein passender Arbeitgeber oder Ausbildungsplatz gesucht. „Uns ist es wichtig, dass die Klienten in der Nähe ihres Wohnsitzes arbeiten können. Viele haben kein Auto und sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen.“ Der Verein steht auch im Kontakt mit anderen Einrichtungen und kooperiert mit diesen. Das Besondere am Verein Immanuel ist, dass die Betreuungsdauer nicht befristet ist. „Wir helfen solange, wie es gewünscht wird. Es ist ganz unterschiedlich, wie viel Unterstützung und wie viele Gespräche jemand braucht.“ Eichinger arbeitet seit fünf Jahren für den Verein. „Es ist immer schön zu sehen, wenn eine Integration erfolgreich war. Oft melden sich ehemalige Klienten und erzählen, was sich in ihrem Leben tut. Das sind die kleinen Freuden, die für diese Arbeit motivieren.“
Preise vergeben
Bei der Jubiläumsfeier wurde zum ersten Mal der Preis „Immanuel“ verliehen. Die Firma Buchner Holzbaumeister wurde mit dieser Auszeichnung für ihre soziale Einstellung geehrt. Buchner hat vor zehn Jahren einem Klienten Arbeit gegeben. „Auch psychosozial benachteiligte Menschen haben ein Recht auf einen geregelten Job“, sagt Johannes Etzelsdorfer, Bau- und Personalleiter von Buchner. „Man muss zuerst die wirtschaftlichen Aspekte etwas in den Hintergrund stellen, aber benachteiligte Menschen können durch ihre ehrliche, offene, menschliche Art den Zusammenhalt im gesamten Unternehmen und somit auch den wirtschaftlichen Erfolg fördern. Ich glaube sagen zu können, dass jeder Buchner Mitarbeiter stolz ist, dass Roland bei uns arbeitet“, sagt Etzelsdorfer. Felix Diesenreither wurde mit dem Ehren-Immanuel ausgezeichnet.
Ziele und Visionen
Der Verein hat sich auch für die Zukunft viel vorgenommen. Zum Thema Selbstwert wurde das Projekt „Mut tut gut“ gestartet. Bei regelmäßigen Treffen wird am eigenen Selbstwert gearbeitet. „Die Klienten haben oft Ängste im Umgang mit anderen Personen. Manche trauen sich nicht einmal in kleinen Gruppen von fünf Personen etwas zu sagen“, erklärt Eichinger. „Daran wollen wir gemeinsam arbeiten.“ Der Selbstwert ist für jeden Menschen wichtig, die Klienten brauchen Erfolge, damit sie darauf aufbauen können und wieder in das Arbeitsleben integriert werden können.
Eine weitere Vision des Vereins Immanuel ist die Nachreife- und Entwicklungsmöglichkeit „Spurwechsel“ für Jugendliche und junge Erwachsene auf dem Wurmbauerngut in Gutau. Auf dem Reitbetrieb sollen sich Betriebe ansiedeln, die junge Leute anstellen, um dort eine gute Ausbildungs- und Entwicklungsmöglichkeit zu bekommen. Der Verein wird dabei die Klienten weiter unterstützen.
Infos: Der Verein Immanuel unterstützt Menschen mit psychischen und/oder psychosozialen Beeinträchtigung, die nicht in der Lage sind, den Anforderungen am ersten Arbeitsmarkt ohne Unterstützung gerecht zu werden. Geholfen wird beim Aufbau von gemeinde- nahen Angebotsstrukturen im psychosozialen Bereich und der Arbeitssuche in Wohnortnähe. Der Verein ist auch Ansprechpartner für Angehörige, Betroffene, Sozialeinrichtungen und Gemeinden.
Infos: www.verein-immanuel.at


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