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SCHÖRFLING. Zahlreiche Einsatzerfolge gehen auf das Konto von Polizeidiensthündin „Hexe von Saggautal“ und ihrem Hundeführer Norbert Englbrecht-Dießlbacher. Die Vöcklabrucker Tips bat ihr Herrchen zum Interview über Erziehung, Motivation, Gefahren und Leckerli.

Polizeidiensthündin „Hexe von Saggautal“ und ihrem Hundeführer Norbert Englbrecht-Dießlbacher
Polizeidiensthündin „Hexe von Saggautal“ und ihrem Hundeführer Norbert Englbrecht-Dießlbacher

Norbert Englbrecht-Dießlbacher (51) ist verheiratet und Vater von vier Kindern im Alter zwischen 15 und 22 Jahren. Seit 1987 arbeitet er als Polizist – zunächst in Lenzing, seit der Zusammenlegung der Polizeiinspektionen im Jahr 2005 in Laakirchen. Von dort aus werden insgesamt zehn Hundeführer zu ihren Einsätzen gerufen.

Tips:Wie kommt man zu einem Diensthund?

Englbrecht-Dießlbacher: Man braucht zunächst eine gewisse Zeit lang Außendiensterfahrung. Dann stellt man einen Antrag auf eine Stelle als Hundeführer und muss noch ein Auswahlverfahren absolvieren.

Tips:Wie war das bei Ihnen?

Englbrecht-Dießlbacher: Ich bin schon mit Hunden aufgewachsen. Als Kind habe ich in der Schule eine Diensthunde-Vorführung gesehen und mir gedacht, das wäre genau meines – Gott sei Dank ist mir das gelungen! Vor 21 Jahren habe ich meinen ersten Diensthund bekommen und „Hexe“ ist mittlerweile meine dritte Hündin.

Tips:Wie bringt man einen Hund dazu, zu folgen?

Englbrecht-Dießlbacher: Das beginnt im Fall eines Diensthundes schon bei der Auswahl der Welpen. Da schaut man bereits darauf, dass sie spielfreudig sind, nicht sehr schreckhaft, und es gibt dazu einige Tests, bei denen man sich innerhalb des Wurfs das Verhalten der Hunde anschaut. Dazu kommt noch die Meinung vom Züchter selbst, der sie ja schon acht Wochen angeschaut hat. Der Hund sollte sich durchsetzen können, aber kein wilder Raufer sein.

Tips:Wie schaut die Ausbildung aus?

Englbrecht-Dießlbacher: Zunächst wird der Hund an unsere Familie gewöhnt. Bei uns warten schon vier Katzen und ein Jack Russell Terrier auf ihn, wenn er kommt. Man muss sich nur Zeit nehmen, damit das klappt. Nach ein paar Tagen geht spielerisch die Ausbildung los: Mit Futter lernt der Hund Kommandos. Dann kommt die Gewöhnungsphase mit Rolltreppen oder Lift fahren. Zwischen achter und zwölfter Woche ist die Prägungsphase des Hundes: Alles, was man ihm da zeigt, ist später kein Problem mehr. Später steigern sich die Übungen: Zuerst sucht er mich selbst, später dann andere. Oder wir üben mit Geruchsstoffen, die zu 100 Prozent nach Suchtgift riechen, aber kein Suchtgift sind. Diese Gerüche lernt der Hund kennen – zunächst sucht er im kleinen Bereich, später kann er selbst verunreinigte Gifte herausfiltern. Im Polizeidienst gibt es für die Hunde fünf Module, die er absolvieren muss, dann wird er in den aktiven Dienst geschickt. Da ist er meist zwischen 16 Monate und zwei Jahre alt. „Hexe“ hat eine Dualverwendung, sie ist Schutzfährten/Stöberhund und gleichzeitig Suchtgifthund.

Tips:Hexe hat im April nach einem Mord in Gunskirchen die Tatwaffe gefunden. Sie hat in der Vorwoche eine Frau, die aus einem Seniorenheim in Neukirchen abgängig war, aufgespürt, und sie hat in Vöcklabruck auf dem Fluchtweg eines Verdächtigen Suchtgift gefunden. Wie geht das?

Englbrecht-Dießlbacher: Sie verhält sich situationsbedingt. Sie hat gelernt, wenn sie ihre Stöberdecke umhat, muss sie etwas suchen. Wenn ich ihr ein Stoffband umhänge, muss sie nach Suchtgift schnüffeln. Alle Kommandos müssen mit einer Aufgabe verknüpft sein. Geübt und gelernt wird mit Lob, Spielen und Leckerli. Ich mache gerne verschiedene Sachen mit ihr, auch Vorführungen vor Kindern. Hexe ist halt sehr ausdauernd und sehr verlässlich. Ihre Motivation sind Futter und eine Beißwurst. Und die Motivation geht so weit, dass sie sogar eine Absplitterung von der Kniescheibe weggesteckt hat, weil sie voller Freude bei der Arbeit ist.

Tips:Wie gefährlich ist der Job für einen Diensthund?

Englbrecht-Dießlbacher: Es kommt immer wieder vor, dass Hunde verletzt werden. Der Hund eines Kollegen wurde leider erschossen, ein anderer starb, weil er im Einsatz über eine Außenmauer sprang und sieben Meter in die Tiefe stürzte.

Tips:Wie schauen die Rahmenbedingungen für Diensthunde aus?

Englbrecht-Dießlbacher: Ein Welpe der Rasse Hollandse Herder, wie Hexe eine ist, kostet 800 bis 900 Euro. Bis zur Pensionierung zahlt der Staat sämtliche Kosten, wie Futter oder Tierarzt. Nach seiner Pensionierung wird der Hund dem Hundeführer geschenkt und kommt dann selbst für ihn auf.

Tips: Und wie wird das bei Hexe laufen?

Englbrecht-Dießlbacher: Sie ist derzeit achteinhalb Jahre alt. Voraussichtlich nächstes Frühjahr kommt ein Welpe zu mir, der dann nebenbei ausgebildet wird. Hexe ist noch etwa zwei Jahre aktiv im Dienst. Dann wird sie etwas ruhiger und ich nehme sie weniger mit, weil sie lieber Zuhause sein wird.

Tips:Wie ist Hexe „privat“?

Englbrecht-Dießlbacher: Sie ist voll integriert in unsere Familie. Meine Frau geht mit ihr Laufen, bei meiner Tochter darf sie beim Reiten mitlaufen. Die ganze Sache funktioniert ohnehin nur, wenn auch die Familie dahinter steht. Und ich lege auch viel Wert auf Verantwortung und Fairness dem Hund gegenüber, man muss ihm Aufgaben stellen, die er auch lösen kann.


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Antworten
Veronika Moser
Veronika Moser
15.11.2015 13:17

Hundeausbildung

Bilden sie auch Jagdhunde aus? Z.b. BGS ?