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SEEWALCHEN. Ende März waren in Litzlberg bei Grabungsarbeiten für ein Wohnhaus Knoichen, Holzbretter und ein Metallbehältnis gefunden worden. Nun konnten Forscher die Identität der gefundenen Gebeine feststellen.

Restauratorin Susanne Heimel bei der Öffnung der Grabtafel Foto: Andreas Röbl
  1 / 5   Restauratorin Susanne Heimel bei der Öffnung der Grabtafel Foto: Andreas Röbl

In einem Metallsarg war nicht nur ein weibliches Skelett, sondern auch die Kleidung der Toten gefunden worden. Neben dem Sarg war auch eine zusammenklappbare Kupfertafel, eine Grabtafel. Sie war des Rätsels Lösung! Mit computertomographischen Untersuchungen an der FH OÖ Campus Wels konnte die Inschrift entziffert werden, die zweifelsfrei bestätigt, dass es sich bei der Verstorbenen um Anna Engl von Wagrain, geborene Furtin handelt. Sie verstarb am 2. Juli 1620 im Alter von 46 oder 47 Jahren auf Schloss Litzlberg.

Fund ist eine Sensation

Anna Engl war klein, schön und durch ihre Ehe Mitglied einer wohlhabendenden Adelsfamilie. Ihr Portrait, wahrscheinlich ein Jahr vor ihrem Tod entstanden, ist Teil der Sammlung Spiegelfeld. Alleine der Fund ihrer sterblichen Überreste in der Nähe eines protestantischen Gebetshauses, das ihr Ehemann Simon Engl von Wagrain 1615, fünf Jahre vor ihrem Tod erbauen ließ, ist eine Sensation. Doch die anthropologischen Untersuchungen liefern darüber hinaus auch Informationen von unschätzbarem Wert über Lebensbedingungen in der frühen Neuzeit.

Anna Engl war alles andere als gesund

Die nahezu kriminologische Untersuchung der Knochen hat ergeben, dass Anna Engl etwa 155 cm groß war, sehr zierlich gebaut – und alles andere als gesund. Schlechte Zahnpflege und Mundhygiene waren im 17. Jahrhundert in allen Gesellschaftsschichten ein Problem, auch Anna Engl litt an Karies, eitrigen Wurzelabszessen und hatte dunklen Zahnbelag – auf den noch vorhandenen Zähnen, denn die Frontzähne des Oberkiefers hat sie bereits zu Lebzeiten verloren. Wahrscheinlich ist sie viel geritten, denn als Adelige musste sie keine körperliche Arbeit verrichten. Sie litt an Osteoporose, Gelenksarthrose und einem Verschleiß der Wirbelsäule.

Gicht als „Krankheit der Könige“

Ihre Hand- und Fußgelenke sind zudem stark deformiert, ein Hinweis darauf, dass sie auch mit der Gicht zu kämpfen hatte. Diese „Krankheit der Könige“ war dem übermäßigen Verzehr von tierischen Eiweißen geschuldet und hatte sowohl das schmerzhafte Anschwellen der Gelenke zur Folge, als auch eine eingeschränkte Beweglichkeit. Die kräftigen Muskelansätze an ihren Oberarmen weisen darauf hin, dass sie über längere Zeit dazu gezwungen war, an Krücken zu gehen. Gegen Lebensende konnte sie sich nicht mehr selbstständig fortbewegen.

Es bleibt spannend

Die Identität der „geheimnisvollen Litzlbergerin“ ist also geklärt, aber sie wird das Team der OÖ Landes-Kultur GmbH und die zugezogenen Experten noch länger beschäftigen. Ein offenes Rätsel ist noch der goldene Ring, den Anna Engel getragen hat. Dieses hoffen wir in Zusammenarbeit mit dem Kunsthistorischen Museum Wien zu lösen. Für ihre außergewöhnlich gut erhaltenen, prächtigen Gewänder interessieren sich internationale Textilexperten. Und was die DNA-Untersuchungen des zweiten, männlichen Skeletts erzählen werden.

Hintergrundinformationen

Die vollständige Lesung der Grabtafel, weitere Details zu Anna Engl und der zweiten Bestattung von Litzlberg sowie zahlreiche Hintergrundinformationen finden sich im Projekt-Blog „Gräberfund Protestantismus“ https://litzlberg.ooelkg.at/. Dort kann man sich auch an Diskussionen beteiligen.

Container-Ausstellung rund um die „geheimnisvolle Litzlbergerin“

Ab 19. Mai werden in Ausstellungs- und Vermittlungscontainern am Parkplatz des Strandbads in Seewalchen die Zwischenergebnisse der Grabung, des Fundes, der Forschung und Restaurierung auf neuartige und innovative Weise gezeigt.


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