Freiwillige Arbeit in Griechenland: „Es war eine wunderbare Zeit“
SENFTENBACH/GRIECHENLAND. Vor 20 Jahren rief die Europäische Kommission den „Europäischen Freiwilligendienst“ (EFD) als Pilotprojekt ins Leben. Seitdem haben mehr als 100.000 junge Freiwillige, viele auch aus Österreich, daran teilgenommen.

Sie helfen in gemeinnützigen Organisationen und Projekten, z. B. in Kindergärten, Jugendzentren, auf Bauernhöfen, in Naturschutzparks oder Pflegeeinrichtungen.
Eine von ihnen ist Masomah Regl aus Senftenbach. Sie ging im Oktober 2005, kurz nach der Matura am Bundesgymnasium Ried, für sechs Monate nach Griechenland. „Ich wollte unbedingt ins Ausland“, sagt sie. Auf der Suche nach Möglichkeiten dazu, die nicht zu teuer waren, stieß sie auf den EFD: „Das war unkompliziert und kostete fast nichts.“
Den psychologischen Test und das Vorstellungsgespräch nach der Anmeldung bei der Agentur in Linz hat sie positiv in Erinnerung: „Das war in einem netten Rahmen.“ Nachdem sie kurz darauf die Freigabe erhielt, konnte sie sich ein Projekt aus einer sehr umfangreichen Datenbank selbst aussuchen; auch die Bewerbung musste sie selbst erledigen.
Behindertenbetreuung
Weil sie „etwas im sozialen Bereich“ machen wollte, wählte sie eine große Einrichtung für Waisenkinder in Voulas bei Athen.
Zusammen mit etwa 15 anderen Freiwilligen aus ebenso vielen verschiedenen Ländern betreute sie dort, als Unterstützung für die hauptberuflichen Krankenschwestern, rund 120 Kinder, Jugendliche und Babies, von denen ein Großteil schwerbehindert war: „Manche wurden einfach in dem Heim, das in keiner Weise mit den österreichischen Standards vergleichbar ist, abgegeben.“ Die Arbeit umfasste sowohl die Pflege als auch Aktivitäten wie Kochen, Physiotherapie oder Schwimmen mit den Heimbewohnern. Masomah Regl erinnert sich an ein Kind mit Down-Syndrom, dem sie das Gehen und einfache Spiele beizubringen versuchte. Als sie ein Jahr später das Projekt besuchte, erkannte das Kind sie gleich wieder. Regl kehrte noch vier Mal zu diesem Waisenheim zurück (nächstes Jahr ist ein Revival-Treffen in Griechenland geplant, mit allen Freiwilligen, die sich je für die Kinder dort engagiert haben). Mittlerweile gibt es das Projekt nicht mehr, weil Griechenland keine EU-Förderungen mehr erhält.
„Insgesamt war es eine wunderbare Zeit“, sagt sie: „Ich kann einen Einsatz beim EFD absolut empfehlen. Für mich brachte er eine Horizonterweiterung und half bei meiner Persönlichkeitsfindung, und ich habe meine Begeisterung für Sprachen entdeckt.“
Masomah Regl ist nach wie vor stark sozial engagiert. Sie lebt jetzt in Graz, spricht sieben Sprachen und ist Dolmetscherin und Übersetzerin für Spanisch, Englisch sowie die afghanische Amtssprache Dari; zuletzt arbeitete sie drei Monate im Europäischen Parlament.
Europäischer Freiwilligendienst EFD
- Bewerbungen bei der Regionalstelle von Erasmus+: Jugend in Aktion:
- Verein 4YOUgend OberösterreichHauptstrasse 51-53, 4020 Linz
- Tel: 0732/ 771 030-12 (Fax: -4)
- Mail: office@4yougend.at
- Website: http://www.4yougend.at/
- Kontaktperson: Susanne Rosmann (susanne.rosmann@4yougend.at)
- Erste Info: JugendService, Ried, Roßmarkt 9, Tel: 07752/71515
- Bewerben können sich Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 17 und 30 Jahren; Ausbildung oder Fremdsprachenkenntnisse sind nicht notwendig. Einsätze dauern zwei bis zwölf Monate und sind in allen EU-Mitglieds-, Beitritts- bzw. assoziierten Ländern möglich. Ein EFD ab zehn Monaten wird als Zivildienst anerkannt.
- Die Teilnehmer tragen nur einen Teil der Reisekosten. Unterkunft, Verpflegung, und lokale Transportkosten übernimmt die Aufnahmeorganisation. Zusätzlich finanziert die EU ein monatliches Taschengeld, Versicherung (Kranken-, Unfall- und Haftpflichtversicherung), einen (Online-)Sprachkurs sowie einen Reisekostenzuschuss.
- Die Antragsfrist für einen Projektstart zwischen 1. Jänner und 31. Mai 2017 endet am 4. Oktober 2016, 12 Uhr.


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