Rücktritt: Bürgermeister Franz Weissenböck übergibt das Zepter in neue Hände
ST. AGATHA. Die Gemeinde war sein Leben, das Rednerpult sein Werkzeug. Mit 34 Jahren nahm der Agathenser Franz Weissenböck auf dem Bürgermeisterstuhl Platz und blieb dort - bis heute. Seine jüngste Tochter war damals gerade einmal vier Monate alt. Die bedeutendsten Jahre im Leben eines Menschen seien dies, wie er sagt. Nun, mit 62, sei es für Weissenböck Zeit, das Ruder weiterzugeben. Für Tips blickt der Ortschef auf eine Zeit zurück, die ihn und die Gemeinde prägte.

Sein Traumberuf als Junge war Rennfahrer. Eine der großen Leidenschaften von Franz Weissenböck ist das Rennfahren. Die Geschwindigkeit ist es, die ihn fasziniert - bis heute. Auch auf der Bühne steht er gerne - als Schauspieler bei den Bauernkriegsspielen in St. Agatha, wo der die Hauptrolle spielte und in die Person des berühmten Agathensers Stefan Fadinger schlüpfte. Politiker zu werden stand in den jungen Jahren des heute 62-Jährigen nicht ganz oben auf der Wunschliste und dennoch steckt heute viel Herzblut und sein halbes Leben in diesem Amt.
Tips: Warum treten Sie zurück?
Franz Weissenböck: Es gab verschiedene Gründe aber ausschlaggebend war, dass ich ein Angebot von der Sozialversicherung bekam bei dem ich 30 Monate früher in Pension gehen kann. Nach Rücksprache mit meinen Parteikollegen habe ich mich dafür entschieden. Ich habe lange überlegt. Nun stehen aber auch große Umstellungen von Seiten des Landes, zum Beispiel bei den Gemeindefinanzen, an. Da habe ich mir gedacht, warum übergebe ich es nicht jemand Jüngeren.
Wie blicken Sie auf Ihr Amt zurück?
Mit mehr als 28 Jahren im Amt ist es eine einschneidende Entscheidung für mich. Es war eine schöne Zeit, viele Projekte wurden umgesetzt. Ich sehe es aber trotzdem als Erleichterung. Ich hätte mir nie gedacht, dass ich so lange bleibe, vielleicht maximal 15 Jahre. Aber die Zeit ist schnell vergangen. Wenn ich durch Agatha fahre, entdecke ich viele Spuren, die ich hinterlasse. Das freut mich sehr.
Wie reagierten die Agathenser Bürger auf Ihren Rücktritt?
Viele haben gesagt, dass sie es mir vergönnen, dass es zwar schade ist, aber dass ich es mir verdient hätte. Was mich auch freut: Ich habe in dieser Zeit so bleiben dürfen wie ich als Person war. Die Leute haben manchmal zu mir gesagt: „Du bist ein kleiner Hundling, aber wir mögen dich“. Ich hatte nie Angst abgewählt zu werden aber wenn die Bürger sagen es ist Zeit, dann muss man schon gegangen sein. Jetzt ist für mich ein guter Zeitpunkt. Ich sehe es als gewisse Erleichterung mit leichtem Wehmut.
Worauf sind Sie besonders stolz?
Am meisten stolz bin ich, dass trotz verschiedener Meinungen das politische Klima gut war, ein gutes Gesprächsklima herrschte und das Gemeinsame im Vordergrund stand. St. Agatha ist eine finanzschwache Gemeinde wir haben unseren Haushalt aber immer ausgleichen können. Wir waren nie Abgangsgemeinde. Das ist auch ein Markenzeichen.
Wie geht man als Bürgermeister mit Kritik aus der Bevölkerung um?
Der größte Lernfaktor ist, nicht daran zu zerbrechen und nicht alles persönlich zu nehmen. Kritik darf man aber auch nicht überhören, man sollte sich ihr stellen und es auseinanderhalten können. Es gibt Berufkritiker im Unterschied zu jenen, die konstruktiv Kritik üben. Man muss die Leute kennen lernen.
Was werden Sie aus Ihrem Amt vermissen, und was weniger?
Als Bürgermeister hat man einen Wissensvorsprung, man ist mittendrin. Vermissen werde ich auch das Rednerpult, es war mein Werkzeug. Mit zehn Jahren habe ich schon eine politische Ansprache gehalten. Damals war Bundespräsidentenwahl und das Mikrophon war nicht ausgeschalten. Ich habe einfach das Mikrophon genommen und habe weitergeredet. Weniger vermissen werde ich den strengen Terminkalender. Man hat ein eingeschränktes Privatleben. Es wird also auch eine Befreiung, wenn man wieder mehr Privatmensch sein kann. Es gibt aber auch viel Positives, gut geschlagene Wahlen bei denen man sieht, dass die Bevölkerung hinter einem steht, haben mich bestärkt.
Was sind die größten Herausforderungen als Bürgermeister?
Man sollte die Zusammengehörigkeit stark in den Mittelpunkt stellen und nicht die Eigeninteressen in den Vordergrund rücken. Meine Körpergröße hat auch einen Vorteil, ich bin unter den Leuten und rage nicht heraus. So ist man nicht ständig dabei sich zu überschätzen. Die Herausforderung schlechthin ist aber die Umsetzung der vielen Projekte.
Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus?
Ich werde ein altersgerechtes Domizil in Ortsnähe schaffen. Ich werde also nicht von Agatha fliehen, im Gegenteil, ich komme dem Zentrum näher.
Was werden Sie am ersten Tag Ihres Ruhestandes machen?
Ich hoffe, dass ich erleichtert bin.
Neuwahl
Die Bürgermeister-Neuwahl wird eine Volkswahl und ist für 3. Dezember geplant. Es können alle im Gemeinderat vertretenen Fraktionen einen Kandidaten stellen. Erst im fünften und sechsten Funktionsjahr eines Gemeinderates kann dieser direkt eine Nachwahl abwickeln.
Franz Weissenböck war der dienstälteste Bürgermeister des Bezirks.


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