Kirchenasyl: St. Georgener Pfarrer stellt afghanische Familie unter Schutz
GEORGEN/GUSEN. Seit Jänner 2015 lebt die afghanische Familie Karimi in einem Asylquartier in St. Georgen. Nun hängt das Damokles-Schwert der Abschiebung nach Ungarn über den Eltern und den drei Kindern. Pfarrer Franz Wöckinger ergreift nun die letztmögliche Schutzmaßnahme und gewährt der bereits in der Gemeinde integrierten Familie Kirchenasyl.

Die Karimis sind vor den Taliban geflohen. Auf der Flucht haben die Eltern mit den fünf, sieben und elf Jahre alten Kindern einen Tag in Ungarn verbracht und wurde dort mittels Fingerprint registriert. Herr Karimi schilderte, er wurde in Ungarn mit anderen Flüchtlingen von den Behörden mit Pfefferspray attackiert und vor den Augen seiner Kinder geschlagen. Daher seien die Karimis auf dem schnellsten Wege weiter nach Österreich gereist. Seit der Ankunft in St. Georgen an der Gusen hat sich die Familie bereits gut eingelebt. Alle sprechen bereits ganz gut Deutsch, der Vater verrichtet seit Monaten eine gemeinnützige Arbeit für die Gemeinde. Am 30. März hat Ungarn nach dem Dublin-Abkommen einer Rückführung ins Erstaufnahmeland zugestimmt. Die sechsmonatige Frist läuft am 30. September ab. Bis dahin kann Österreich die Familie abschieben, könnte die Karimis aber auch selbst zum Asylverfahren zulassen. Familie soll durch Kirchenasyl vor Unrecht geschützt werden „Wir haben alles probiert und viele Briefe an Verantwortungs- und Entscheidungsträger geschrieben, um auf das drohende Schicksal aufmerksam zu machen“, so Pfarrer Franz Wöckinger. Weil diese Einwendungen nicht gehört werden, will der Seelsorger der Pfarre den Karimis nun Kirchenasyl gewähren. „Es geht nicht darum, ein Gesetz zu unterwandern, sondern es zu überspringen, damit es weiterentwickelt wird. In so einem Fall muss Kirche auch einmal Politik machen. Ich versuche nur, die Familie vor Unrecht zu schützen und auch die Behörden“, so der Priester.
Unterstützung von Pfarre und Gemeinde Die Familie ist nun ins Pfarrheim gezogen und dort auch gemeldet. „Mir ist bewusst, dass ich Polizisten nicht aufhalten kann, wenn sie kommen, ich kann aber an die Behörden appellieren, dieses Unrecht nicht zuzulassen“, ist Wöckinger überzeugt. Rückendeckung erhält der Pfarrer auch von der Gemeinde. „Wir wollen die Familie nicht weiterem Unrecht aussetzen. Sie haben unter lebensgefährlichen Umständen ihre Heimat verlassen müssen. Jetzt haben sie endlich wieder ein Stück Vertrauen gewonnen, da können wir sie nicht wieder wegschicken“, betont Bürgermeister Erich Wahl.


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