Bio am Vormarsch: Damit das Leben auch für die nächsten Generationen lebenswert bleibt
BEZIRK ROHRBACH. „Unser Haus steht seit dem 14. Jahrhundert - wir drücken ihm gerade mal für 20, 30 Jahre die eigene Handschrift auf. Da muss man schon schauen, dass der kostbare Boden und die Produktionsfähigkeit erhalten bleiben“: Johannes Steinmayr bringt auf den Punkt, worum es in der Landwirtschaft geht und wofür der Biolandbau die beste Methode ist. Mit seiner Einstellung steht er nicht alleine da: Gerade im Bezirk Rohrbach ist ein dichtes Netz an Biopionieren, Biolandwirten und jungen Querdenkern aktiv, um die Landschaft und die Natur auch für die nächsten Generationen lebenswert zu hinterlassen.

Johannes Steinmayr hat vor zwei Jahren gemeinsam mit seiner baldigen Ehefrau Anneliese Maringer den Biobauernhof in Niederwaldkirchen übernommen und diesen zwar weiterentwickelt, aber im Herzen doch gleich gelassen: „Meine Eltern haben schon den mutigen Schritt gesetzt und auf Biolandwirtschaft umgestellt. Sie waren, wie viele Biopioniere, mit viel Idealismus und Wagemut dabei.“ Eine kleine Mutterkuh-Herde tummelt sich neben einer Schar Puten, einigen Schweinen und Haus- und Hofhund Nele auf dem Kleinauerhof. Weil die Familie ja auch von der Landwirtschaft leben will, werden Bio-Rindfleisch und Bio-Putenfleisch direkt ab Hof vermarktet; im Hofladen gibt es dazu Speck von den eigenen Schweinen, selbst gemachte Säfte, Chutneys oder Grammelschmalz. Fleisch gibt es nur gegen Vorbestellung. Die jungen Puten zum Beispiel, die zu Weihnachten in den hofeigenen Verarbeitungsräumen geschlachtet werden, sind schon zum Großteil vergeben. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man weiß, da wartet schon jemand darauf“, meinen die Eltern eines zweijährigen Sohnes, denen die Freude an ihrer Arbeit anzusehen ist.
Wissen, wo's herkommt
Ihre Produkte finden sich aber auch auf der Speisekarte am Hansberg wieder, die Anneliese und Johannes seit 2011 betreiben und die für sie eine wertvolle Kommunikationsplattform geworden ist. 90 Prozent der Zutaten für die Jause oder die Burger, die jeden Donnerstag auf den Tisch kommen, kommen direkt aus der Region - von heimischen Bauern, was auch in der Speisekarte nachzulesen ist. „So können wir kurze Transportwege garantieren und die Wertschöpfung in der Region halten.“ Wenn's geht soll das Ganze auch bio sein, „nur bei Zahnstocher oder Servietten haben wir noch keine Bio-Lieferanten gefunden“, schmunzelt Steinmayr. Er werde oft gefragt, was denn das Geheimnis eines guten Burgers sei, sagt er und gibt gleich die Antwort drauf: „Einen guten Burger macht man, indem man die Tiere gut behandelt. Das schmeckt man halt.“
Bio von der Ähre bis zum Brot
Der Bedeutung der Rohstoffe ist man sich auch am Mauracherhof seit Generationen bewusst. Das beste Brot braucht nunmal das beste Korn. Dieses wächst hoch im Mühlviertel, rund um die Gegend von Sarleinsbach, wo seit dem 17. Jahrhundert der Mauracherhof zu finden ist. Fernab jeglicher Industrialisierung wird hier ganz im Sinne einer ökologisch sinnvollen Landwirtschaft gesät, gepflegt, geerntet, gemahlen und daraus eine Vielfalt an Biobrot und Biogebäck gebacken. „Wir haben wieder alte Sorten entdeckt und weiter entwickelt, die ganz ohne agrochemische Krücke richtig starke Charaktere sind. Früher hat es diese standardmäßig gegeben; jedes Dorf hatte vor 100 Jahren sein eigenes Saatgut - das war eine reiche Gesellschaft. Aber davon sind wir weggekommen. Die Landwirtschaft ist zum Handlanger für einige Interessensgruppen geworden“, bedauert Geschäftsführer und Biopionier Josef Eder.
Gemahlen wird das Getreide, das vom eigenen Hof und von rund 100 Stammlieferanten kommt, übrigens direkt in die Teigschüssel: Die drei Mühlen werden von der Backstube aus gesteuert. „Da sind hochsensible Substanzen, das Lebenselexier des Getreides, drinnen. Diese nehmen wir mit ins Brot und Gebäck und dadurch erhalten wir das Leben in den Lebensmitteln.“
Tradition hat Zukunft
Der Mauracherhof zeigt, dass altes Wissen und über Generationen überlieferte Tradition durchaus zukunftsfähig sind. „Man kann sich in verschiedene Richtungen entwickeln - in Qualität oder Wachstum. Wir wollen in die Qualität gehen, wie schon in den vergangenen Jahren auch“, betont Sohn Andreas Eder, der als stellvertretender Geschäftsführer für die Verkaufsleitung zuständig sowie an der Produktentwicklung und am Einkauf beteiligt ist. Derzeit arbeitet die Familie an einer sanften Übergabe. Andreas Eder dazu: „Wir müssen nicht alles gleich machen. Aber wir können uns gegenseitig bereichern und den anderen Zugang respektieren. Ein langsamer Übergang ist ein gesunder Übergang.“
100 % Mühlviertler Rohstoffe fürs Biobier
Der Bio-Gedanke hält auch in den Brauereien zunehmend Einzug. Gibt man noch den Regionalbezug dazu, erhält man das Mühlviertler Biobier aus der Brauerei Hofstetten, mit dem es 2012 erstmals gelungen ist, ein Bier aus 100 Prozent regionalen Rohstoffen zu brauen. Dafür hat Braumeister Peter Krammer mit Unterstützung durch die Bioschule Schlägl auch den Anbau von Braugerste im Mühlviertel wieder reaktiviert. Heuer wurden auf den mittlerweile 17 landwirtschaftlichen Betrieben 120 Tonnen Gerste geerntet. „Das ist mehr als doppelt soviel wie im Vorjahr“, freut sich Krammer. 8000 Hektoliter Bier werden jährlich in der ältesten Brauerei Österreichs gebraut. Genug für seine kleine Spezialbrauerei, meint der Inhaber. „Wir möchten keine Produktionshalle hinstellen, sondern einfach ehrliches Bier brauen und manchmal spezielle Verrücktheiten machen.“
Alt und neu gut kombiniert
Investiert haben Sabine und Peter Krammer dennoch - und zwar in ein neue Sudhaus, in dem nach moderner Technik gebraut wird. Gleichzeitig ist auch das fast 100 Jahre alte Sudhaus noch in Betrieb, ebenso wie die alte Mühle. „Weil hier beim Brauprozess mehr Sauerstoff aufgenommen wird, schmeckt manches Bier interessanter“, verrät der Braumeister. „Genau diese Mischung aus Alt und Neu macht es uns möglich, Bier sehr traditionell, aber auf höchstem Qualitätsstandard herzustellen.“


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