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Leserartikel Bianca Padinger, 03.09.2019 08:12

ST. MARIEN. Vergangene Woche mussten der oberösterreichische Traditionsbetrieb Gruber& Kaja GmbH sowie die Mutterfirma HTI AG Insolvenz anmelden. Rund 200 Arbeitnehmer vor allem aus Linz-Land sind von der Pleite betroffen und bangen um ihre Jobs.

Durch die Insolvenz sind rund 200 Arbeitsplätze gefährdet.
Durch die Insolvenz sind rund 200 Arbeitsplätze gefährdet.

Am Landesgericht Linz wurde am Dienstag, 27. August, ein Sanierungsverfahren über das Vermögen von Gruber & Kaja eröffnet. Durch kurzfristige und unerwartete Abrufrückgänge bei einem Großkunden aus der Automobilindustrie habe Gruber & Kaja einen anstehenden Investitionsbedarf nicht mehr decken können. Das Unternehmen sei gezwungen gewesen, Insolvenz anzumelden, heißt es in einer Presseinformation des Gläubigerschutzverbands Creditreform.

Bewegte Geschichte

Das 1950 von Anton Kaja und Heinrich Gruber gegründete Unternehmen stellte zuletzt Druckguss-Teile für die Autoindustrie her, vor allem für BMW, Mercedes oder Porsche. Seit Mitte der Sechzigerjahre war es für die Produktion der Kelomat-Druckkochtöpfe bekannt. Gruber & Kaja gehört seit 2007 zur High Tech Industries-Group HTI. Zu ihrer besten Zeit 2008 zählte die Gruppe 1.704 Mitarbeiter. Neben Gruber & Kaja waren die Unternehmerfamilie Kretz mit ihrer Pro-Regio, Hitzinger und Technoplast an HTI beteiligt.

Dämpfer durch Finanzkrise

Seit der Finanzkrise 2008 hatte Gruber & Kaja mit Umsatzrückgängen zu kämpfen und musste laufend Stellen abbauen. Mehrere Eigentümerwechsel und der Verkauf von Beteiligungen waren die Folge. Von den vier Firmen, die an HTI beteiligt waren, blieb nur Gruber & Kaja übrig.

„Größte Insolvenz 2019“

Die Insolvenz von Gruber & Kaja gefährdet mehr als 200 Arbeitsplätze. „Das Insolvenzverfahren der Gruber & Kaja GmbH mit Verbindlichkeiten von rund 27,1 Millionen Euro und das nunmehr eröffnete Insolvenzverfahren der HTI mit Passiva von rund 20,7 Millionen Euro stellen gemeinsam die bislang größte Insolvenz des Jahres 2019 in Oberösterreich dar“, so Harald Neumüller vom Kreditschutzverband KSV1870.

Nicht vorschnell kündigen

201 Arbeitnehmer und rund 240 Gläubiger sind von der Insolvenz betroffen. Die Gehälter sind seit Juli ausstehend. Am Donnerstag, 29. August, hat die AK Oberösterreich eine Betriebsversammlung am Standort in St. Marien abgehalten. AK-Präsident Johann Kalliauer warnt die Arbeitnehmer davor, das Arbeitsverhältnis zu beenden, bevor die Insolvenz vollständig rechtlich abgewickelt ist. Zur aktuellen Situation in der Firma sagt der Betriebsrat, dass die Mitarbeiter nach wie vor zur Arbeit gehen und ihrer Verpflichtung nachkommen. Bis zu einem offiziellen Schließungsbeschluss gäbe es keinen Auflösungsgrund des Arbeitsverhältnisses, so der Betriebsrat.

Offene Forderungen

Für die Mitarbeiter gab es am 3. September im Betrieb die Möglichkeit eines Einzelgesprächs mit AK-Vertretern. Die AK wickelt die Beantragung offener Ansprüche für die Mitarbeiter ab. Wann die Arbeitnehmer mit der Zahlung durch den Insolvenz-Entgelt-Fonds rechnen können, ist nicht abzuschätzen. „Wir werden alles daran setzen, dass die Betroffenen schnell zu ihrem Geld kommen“, so Kalliauer.

Mutterfirma HTI insolvent

Die Insolvenzanmeldung von Gruber & Kaja machte ein Sanierungsverfahren bei der Mutterfirma HTI unumgänglich. Die insolvente HTI hat keine eigenen Mitarbeiter. Den 31 betroffenen Gläubigern wird wie bei der Tochter Gruber & Kaja eine Quote von 20 Prozent innerhalb von zwei Jahren angeboten. Masseverwalter Gerhard Rothner zufolge werde in den nächsten zwei Wochen überprüft, inwieweit Gruber & Kaja als Tochterunternehmen der HTI fortführungsfähig ist. Die Firma soll verkauft und weitergeführt werden.

Gründe für Insolvenz

„Die Insolvenzursachen liegen darin, dass die Verhandlungen mit möglichen Käufern noch nicht abgeschlossen werden konnten“, heißt es in einer Pressemitteilung von Creditreform über die Pleite von HTI. Genauere Informationen über die Gründe für die Insolvenz von Gruber & Kaja wird Masseverwalter Rothner außerdem Ende Oktober in einem Bericht bekanntgeben. „Wir werden alles versuchen, um den Betrieb fortzuführen“, so Rothner. Bei Verkauf und Fortführung des Unternehmens wird sich auch entscheiden, ob alle Mitarbeiter übernommen oder manche Bereiche stillgelegt werden.

Gemeinde direkt betroffen

Mehrere Arbeitnehmer kommen aus der Standortgemeinde St. Marien. „Uns trifft die Insolvenz hart. Wichtig ist, dass die Arbeitnehmer ihre Löhne bekommen und dass sie bald wissen, wie es weitergeht“, sagt Bürgermeister Helmut Templ. Gruber & Kaja ist der größte Arbeitgeber St. Mariens. Ein Drittel der Kommunalsteuern, die St. Marien einnimmt, kommt von Gruber & Kaja. Seit April sind diese Zahlungen offen. St. Marien ist eine Härteausgleichsgemeinde. „Würde Gruber & Kaja ganz wegfallen, würde uns das sehr weh tun und uns bei Projekten einschränken“, sagt Templ.


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