Zwei Zeitzeugen der Heimatgeschichte gehen fremd
ST. OSWALD B. HASLACH/ST. PÖLTEN. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge erleben die Betreuer der Deutsch Reichenauer Heimatstube in St. Oswald, Fritz Bertlwieser und Anton Bauer, die Tatsache, dass zwei wichtige Exponate und zugleich Blickfänge für zwei Jahre nicht mehr zu sehen sind. Sie zogen für eine Weile - bis August 2019- ins „Haus der Geschichte“ im „Museum Niederösterreich“ in St. Pölten um.

Das erste Exponat ist das Ziffernblatt der Turmuhr der gesprengten Pfarrkirche Deutsch Reichenau, dessen verbogenen Eisenteile nach der Wende aus dem Schutthügel geborgen und wieder zusammengeschweißt wurden, um dann in der Heimatstube St. Oswald bei Haslach einen Platz zu finden.
Durchlöcherte Turmkugel
Das zweite Exponat ist die durchlöcherte Turmkugel der ehemaligen Deutsch Reichenauer Filialkirche St. Thoma (diese Kirche blieb nur deshalb vor der Sprengung verschont, weil sie dem tschechischen Militär als Lager für Heu und Stroh für die Militärpferde sowie als Stall dienen musste). Ab den 1960er Jahren wurde dann die Turmkugel von tschechischen Soldaten als Ziel für Schießübungen verwendet. Da die untere wie die obere Hälfte der Turmkugel sowohl unzählige Einschuss- wie Austrittslöcher aufweisen, ist anzunehmen, dass die Soldaten sowohl von unten hinaufgeschossen haben, als auch vom höhergelegenen Radarturm neben der Ruine Wittinghausen auf die Turmkugel hinuntergeschossen haben.
Zerstörte Böhmerwalddörfer bleiben in Erinnerung
Diese beiden Exponate sind wichtige zeitgeschichtliche Zeugnisse für den gottlosen Umgang mit religiösen Symbolen während der kommunistischen Zeit, in der ja in der Pfarre Deutsch Reichenau auch sämtliche Dorfkapellen, Marterl und Wegkreuze zerstört worden waren. Obwohl Fritz Bertlwieser das nunmehrige Fehlen der beiden Exponate als Blickfänge schon etwas schmerzt, so kann man andererseits stolz sein darauf, dass sie nach der Landesausstellung 2013 in Freistadt nun schon zum zweiten Mal für eine große Ausstellung angefordert wurden und damit die Thematik der zerstörten Böhmerwalddörfer ins Bewusstsein der Museumsbesucher dringt, aber auch der Ort St. Oswald bei Haslach einem breiten Publikum bekannt wird.


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