Alles digital: So geht Hopfenbau im 21. Jahrhundert
ST. PETER/WBG. Die digitale Infrastruktur spielt für die Menschen am Land eine immer größere Rolle. Der fortschreitende Breitband-Ausbau schafft beste Wettbewerbsbedingungen für Unternehmen in strukturschwächeren Regionen wie dem Bezirk Rohrbach. Die Digitalisierung kann den Menschen hier aber auch das Leben stark erleichtern. Das zeigt das neueste Projekt, das die Mitglieder der Hopfenbaugenossenschaft Neufelden in Angriff nehmen.

Das Handwerk der Hopfenbauern ist seit Jahrhunderten dasselbe. Doch das heißt noch lange nicht, dass sie deswegen nicht mit der Zeit gehen: „Wir testen heuer erstmals eine App, die uns die Erfassung von Pflanzenschutzmaßnahmen immens erleichtert“, erzählt Genossenschafts-Obmann Josef Reiter, den wir auf seinem Hof in St. Peter besuchen. Bewirtschaftet wird dieser seit dem vergangenen Herbst von seiner Tochter Barbara Bräuer und Schwiegersohn An-dreas.
Digitale Pionierarbeit
Doch erst einmal zurück in die 90er-Jahre: Damals legte Reiter das Fundament für die Digitalisierung im Hopfenbau. Der falsche Mehltau oder Peronospora ist eine im Hopfenbau gefürchtete Pflanzenkrankheit, die Qualitätsminderung oder gar Ernteausfälle zur Folge hat. Reiter: „In Ostdeutschland wurde eine Formel entwickelt, mit der der Sporenflug des falschen Mehltaus sehr exakt vorhergesagt werden kann. Bei einem Besuch dort habe ich diese Formel bekommen. Wichtige Faktoren für die Prognose des Sporenflugs sind Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag und Blattnässe. Wenn diese Faktoren über einen bestimmten Zeitraum in einem gewissen Bereich sind, ist die Gefahr für die Pflanzen besonders hoch. Dann wissen wir: Wir müssen jetzt Pflanzenschutzmittel einsetzen“, erklärt Reiter. Zu diesem Zweck hat er damals schon eine Wetterstation vor seinem Haus installiert und die Daten per Kabel auf seinen PC übertragen. Schüler der BBS Rohrbach haben mit Hilfe der erhaltenen Formel ein Programm geschrieben, von dem Reiter immer eine Warnung bekam, wenn es wieder gefährlich wurde. „Ich habe früher dann alle Bauern per SMS informiert, damit sie auch spritzen konnten“, erinnert sich der Digital-Pionier.
Aufwändige Dokumentation
Als die erste Wetteranlage kaputt wurde, stattete er die neu installierte Station gleich mit einer SIM-Karte aus, die die Daten alle zehn Minuten an einen Server überträgt, der nun zuverlässig alle Hopfenbauern warnt.
Der möglichst sparsame Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wird somit möglich, denn früher wurde eher auf Verdacht gespritzt. Der gezielte Einsatz der Mittel schont nicht nur die Umwelt und Pflanzen, sondern kommt den Hopfenbauern auch finanziell entgegen. Natürlich geht dies mit einem großen bürokratischen Aufwand einher, denn jeder Einsatz von Pflanzenschutzmitteln muss penibel dokumentiert werden.
Maßnahmen noch am Feld erfassen
Und hier setzt das neueste Projekt der Hopfenbaugenossenschaft Neufelden an: Den Bauern soll es künftig möglich sein, Pflanzenschutzmaßnahmen direkt am Feld per App zu dokumentieren. „Bisher mussten wir uns am Abend noch dazusetzen und manchmal vergisst man dann doch mal etwas“, erzählt Barbara Bräuer, die die App bereits auf ihrem Handy hat. Diese wird bereits von Hopfenbauern in Deutschland erfolgreich angewendet. „Das steckt bei uns noch in den Kinderschuhen. Deshalb werden wir und noch ein zweiter Betrieb in der kommenden Hopfenbausaison diese App erproben. Ich erhoffe und erwarte mir dadurch eine deutliche Entlastung bei der Dokumentation unserer Spritzmaßnahmen“, sagt die Tochter des Hopfenbauern-Obmanns.
Mit Professionalität sparen
Die Daten werden von der App automatisch in jene Formulare übertragen, die bisher mühsam mit der Hand ausgefüllt werden mussten. Konkret sind aber noch Anpassungen in der App an die Gegebenheiten des Mühlviertels nötig. Reiter: „In Deutschland gibt es teilweise andere zugelassene Pflanzenschutzmittel und auch andere Hopfensorten. Wenn aber alles einmal läuft, ergänzt sich das wunderbar mit unserem digitalen Sporenwarndienst. Nur mit Professionalität können wir Spritzmittel einsparen, die Umwelt schonen und uns auch Arbeit ersparen“, ist Josef Reiter überzeugt.
Hopfen online bestellen
Auch eine neue Homepage wird in Kürze online gehen. Dort wird es auch für Private erstmals möglich sein, via Online-Shop Hopfen für den Eigenbedarf direkt bei den heimischen Hopfenbauern zu ordern.


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