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Schauspielerin Gabriela Benesch: "Udo Jürgens war für mich ein Friedensbotschafter"

Thomas Lettner, 18.10.2017 12:00

ST. PÖLTEN. Im Kulturhaus Wagram gibt Hannes Rathammer am Mittwoch, 25. Oktober, 20 Uhr, mit seiner Band bei der Show „Udo Jürgens - Sein Leben, seine Liebe, seine Musik!“ Welthits von Udo Jürgens sowie Raritäten aus dem Zyklus „Lieder, die im Schatten stehen“ zum Besten. Schauspielerin und Kabarettistin Gabriela Benesch wird dazwischen Geschichten aus dem Leben des Sängers und Komponisten erzählen, die der Künstler in seinen zahlreichen Büchern und persönlichen Aufzeichnungen niedergeschrieben hat. Tips traf Benesch vorab zum Interview.

  1 / 2   (v.l.) Hubert Koci, Alexander Blach-Marius, Gabriela Benesch und Hannes Rathammer Foto: www.beneschfurrer.com

Tips:Wann haben Sie Udo Jürgens kennen gelernt?

Benesch: Meine erste Begegnung mit Udo Jürgens war, als ich 1993 meine langjährige Freundin Jenny Jürgens kennengelernt habe. Damals haben wir in München in der Komödie im Bayrischen Hof Theater gespielt. Eines Abends kam Udo in die Vorstellung, um seine Tochter zu sehen und mit ihr essen zu gehen. Ich durfte mit, was mich natürlich wahnsinnig gefreut hat. Ich habe ihm so gerne zugehört, er hatte so viel zu sagen. Was er gesagt hat, war authentisch, klug und so wahrhaftig. Ich habe ihn dann auch später noch einige Male getroffen.

Waren Sie schon immer Udo Jürgens-Fan?

Nein, aber woher denn. Ich bin ein Kind der 70er Jahre, für uns waren damals Jethro Tull, Zappa, Birth Control oder Sting interessant. Wir interessierten uns für Musikrichtungen, die Rebellion bedeuteten. Natürlich bin ich auch mit Udo Jürgens aufgewachsen. Meine Mutter war ein wahnsinnig großer Fan. Heute weiß ich auch, warum. Bei Udo Jürgens muss man die Texte anhören. Sein Wunsch war immer, Lieder zu schreiben, die die Menschen singen und auf dem Weg zur Arbeit pfeifen. Ein großer Sänger zu sein war ihm nicht so wichtig, ihm war es wichtig, zu komponieren – Melodien für ein richtig großes Orchester. Er hat mehr als 1000 Lieder komponiert.

Was ist Udo Jürgens für Sie?

Er ist für mich ein Friedensbotschafter. Er hat sich immer gegen Neid, Gier, Größenwahn und Waffengewalt ausgesprochen und sich für eine friedliche, zwischenmenschliche Welt eingesetzt. Das spürt man in jedem seiner Songs. Ich verstehe daher seine riesengroße, weltweite Fangemeinde. Wir bekommen jedes Mal Standing Ovations als Huldigung für Udo Jürgens. Wir tun natürlich auch unser Bestes, um seine Lieder so gut wie möglich rüberzubringen. Udo hat auch immer alle unglaublich liebevoll und gleich behandelt. Er hat nie einen Unterschied gemacht zu den Mächtigen und „den Anderen“ – im Gegenteil.

Wie kamen Sie auf die Idee, die „Udo Jürgens Show - Sein Leben, seine Liebe, seine Musik!“ zu machen?

Einerseits durch die Freundschaft zu seiner Tochter Jenny und zeitgleich durch meine jahrelange Verbindung zu Hannes Rathammer, dem Sänger der Show. Er beschäftigt sich seit 30 Jahren mit dem Werk von Udo Jürgens. Hannes hat sich anfangs sehr dem Zyklus „Lieder, die im Schatten stehen“ gewidmet, dann hat er das ganze restliche Werk dazu genommen. Und schließlich durch meinen Lebensgefährten und Regisseur Erich Furrer, der uns alle kennt und der die Idee hatte, dass wir einmal einen schönen Abend zu Ehren von Udo Jürgens auf die Bühne bringen sollten. Bis es letztendlich dazu kam hat es noch eine Zeit lang gedauert. Am Anfang habe ich überlegt wie man so ein Vorhaben umsetzen könnte, ich bin keine Sängerin und mein Teil an diesem Abend ist ein erzählender. Ich habe entschieden, den Abend zu produzieren, und habe alles von Udos Schriften und Aufzeichnungen durchforstet, habe mich in die Arbeit gestürzt, und es hat mir sehr viel Freude bereitet.

Wie kommen Sie eigentlich zu den Büchern und Mitschriften über Udo Jürgens?

Es gibt in Deutschland zwei großartige Sammler. Sie haben weltweit die größte Video-Sammlung, und mit ihnen habe ich Kontakt aufgenommen. Wenn ich mir nicht sicher war habe ich Jenny gefragt. Auch von Antiquariaten habe ich einiges bestellt. Es werden in der Show nur Dinge erzählt, die Udo Jürgens auch selbst niedergeschrieben hat. Es gibt darin nichts, was über ihn geschrieben wurde, das war mir persönlich sehr wichtig. Ich wollte ihn persönlich zu Wort kommen lassen.

Der Zyklus „Lieder, die im Schatten stehen“ enthält Raritäten des Künstlers, also Lieder, die nicht so bekannt sind, oder?

Es werden in der Show 18 wundervolle Songs gesungen, da sind die größten Hits von Udo Jürgens mit dabei. Wir haben auch drei wundervolle Medleys (Musikstücke, die aus mehreren Teilen verschiedener selbständiger Kompositionen zusammengesetzt sind und bei denen die einzelnen Teile fließend ineinander übergehen) dabei. Dann gibt es das ein oder andere Lied, das man nicht so oft hört, das aber wundervoll, sehr ausdrucksstark und mit einer unglaublich spannenden Geschichte verknüpft ist.

Welche Geschichten stehen hinter den Liedern?

Beim Song „Griechischer Wein“ gab es zum Beispiel zwei Jahre lang nur die Melodie, aber keinen Text. Udo bekam die Inspiration zur Melodie bei einem Griechenlandurlaub. Alle haben gleich gewusst, dass das ein Hit wird. Sein Manager und alle möglichen Leute wollten ihm einen Text aufzwingen, mit dem er nicht einverstanden war. Er wollte kein klassisches Klischee bedienen. Wie es dann zu dem Text kam ist auch eine Geschichte, die ich erzähle. Udo landete mit zwei seiner Songs - beispielsweise mit „Gehet hin und vermehret euch“ – sogar auf dem Index. Die Kirche hat sich auf den Schlips getreten gefühlt, weil sich Udo im Song für Safer Sex ausgesprochen hat. Er hat aber immer seine Meinung vertreten und sich nie vor einen Karren spannen lassen. „Lieb Vaterland“ ist auch auf dem Index gelandet. Die Fans haben sich das aber nicht gefallen lassen und so lange rebelliert, bis das Lied wieder im Radio gelaufen ist. Was ich in seinen Schriften auch ganz interessant finde, ist, wie er über das Älterwerden reflektiert und sich gefragt hat, wie man der Zukunft mit Freude entgegenblicken kann, ohne jeden Tag als Abschied von der Welt zu betrachten. Sein Resumee war, immer nach vorne zu blicken und nicht an einer Vergänglichkeit festzuhalten. Auch wie er zu seinen Kindern stand, wird erzählt. Die Geschichten beginnen, wie er mit zwölf Jahren mit seinen Eltern und seinem Bruder Joe zum allerersten Mal im Konzert gesessen ist in Klagenfurt. Dieses Erlebnis hat ihn nicht mehr losgelassen. Von dem Moment an wusste er, dass er komponieren wollte. Dann wird auch über seine Jugend erzählt, wie er nach Amerika gegangen ist und in großen Bands gespielt hat. Udo hat in den USA unfassbar gute Jazzmusik komponiert, was nicht so bekannt ist. Sein langsamer Aufstieg hat meiner Meinung nach dazu geführt, dass er sein Leben lang so bodenständig geblieben ist. Er hat auch eine gute und liebevolle Erziehung genossen mit einer sehr starken Kinderstube. Er war ein sehr gut erzogener Mensch, ein großes Vorbild.

War Udo Jürgens ein politischer Mensch?

Bestimmt war er ein politischer Mensch, aber nicht politisch im Sinne von Arbeit für eine Partei, sondern im Sinne von Menschlichkeit und Zwischenmenschlichkeit. Seine Fans waren nicht Menschen, die gesagt haben „Schafft die Gesellschaft ab, zerstört den Staat!“, sondern jene die sagten „Schafft mehr Demokratie, baut den Staat menschlicher!“ Im Song „5 Minuten vor 12“  war es ihm wichtig, dass es ein hoffnungsvolles Lied wird trotz allem, ein Lied, das das Negative beim Namen nennt, aber auch das Positive zeigt.

Was haben Sie an Udo Jürgens Todestag empfunden?

Ich habe die Todesnachricht nicht über die Medien erfahren, sondern über Jenny. Der Tod kam so plötzlich beim Spazierengehen. Für ihn selbst war es natürlich großartig, jeder wünscht sich so einen schnellen Tod ohne Leid. Der Schock für die Familie war, dass Udo Jürgens am Abend zuvor noch auf der Bühne stand und am nächsten Tag so plötzlich verstorben ist.

Was würden Sie Udo Jürgens heute am liebsten sagen?

Ich würde mich im Namen aller Menschen, die ihn verehren – und das sind tausende - , bei ihm bedanken und ihm sagen, wie großartig sein Werk ist, das er uns hinterlassen hat. Er hat immer die fünf Worte gesagt „Ich lasse euch alles da“. Wie groß aber das Geschenk ist, begreift man am Anfang gar nicht. Für mich ist er ja ein Friedensbotschafter, und auch wenn er nicht mehr unter uns ist, hat jede seiner Melodien, seiner Philosophien und Gedanken dazu beigetragen, uns jederzeit zu hinterfragen. Es ist eine unglaubliche Chance, die in seinem Werk steckt. Es gibt auch viele Musikprofessoren, die seine Lieder verwenden, um Musik und Komposition zu erklären. So viele profitieren von seiner Arbeit. Ich würde viele Male danke sagen für das, was er uns hinterlassen hat.

Tipp: Mehr zu Gabriela Benesch und ihren Lebensgefährten und Regisseur Erich Furrer gibt es hier.


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