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Bühnenstar: 'Junge lassen sich von einem Yuppie wie Strache beeinflussen'

Leserartikel Werner Pelz, 16.10.2015 16:50

ST. PÖLTEN. Heinz Marecek ist ein Urgestein der heimischen Kabarett- und Theaterszene. Im Interview mit Tips St. Pölten spricht Marecek über Konflikte, die heutige Jugend, den Stimmenfang bei Wahlen, die Verantwortung von EU und USA an den humanitären Katastrophen unserer Tage uvm.

  1 / 2   Kritisch: Heinz Marecek äußert sich im Interview mit Tips zu Politik und anderen gesellschaftlichen Vorgängen. Foto: Pelz

„Ja, ich bin ein politischer Mensch“, sagt Heinz Marecek im Interview, „und Politik spielt in unserer aller Leben eine große Rolle“. Die Politik sollte eigentlich Rahmenbedingungen für ein gelingendes Leben schaffen, wobei es aber ein für alle gültiges „Rezept für das Leben nie geben kann“. Daher habe er auch seinem letzten Buch den Titel „Leben ohne Rezept“ gegeben, erklärt der Künstler, der derzeit in Kitzbühel für ein neues Filmprojekt dreht.

„Kurze Parolen wie „Ausländer raus“ bleiben hängen“

Sorgen mache er sich schon ein bissl über die Jugend. „Sie sind alle in einer relativ konfliktfreien Welt aufgewachsen und können daher Konflikte, wie sie jetzt in unserem Land und in der Welt nicht in allen Umfängen sehen und erkennen“. Daher geraten viele in die Fänge von Hetzern und lassen sich von Yuppies beeinflussen, die ihrem Lebensstil entsprechen. Daher punkte auch ein gewisser Strache bei erstaunlich vielen Jungen: „Der ist halt viel geschickter als die etablierten Politiker“. Wo dieser Weg hinführe, sei für „die Jungen“ nicht erkennbar, da ihnen der Weitblick fehle. Es sei für ruhige, vernunftorientierte und Politiker mit Verantwortungsbewusstsein schwer, die derzeitigen Zustände in der Welt zu erklären. „Das hat dann nicht diese Wirkung wie Parolen wie „Ausländer raus““, so Marecek, „diese Sager bleiben halt leider im Ohr“.

„Keiner will sich von Terroristen umbringen lassen“

Ein Problem ist, dass sich die Welt derzeit nicht einig ist. Alle kochen ihr eigenes Süppchen. „Und das hat dazu geführt, das Millionen Menschen ihre Heimat verlassen müssen, weil sie sich nicht von Terroristen umbringen lassen wollen“.

Überrascht über Angela Merkl

Daher gebe es auch jetzt kein allgemeingültiges Rezept, um etwa die Flüchtlingsproblematik zu entschärfen, sondern eine Reihe von Maßnahmen die zu treffen wären. „Das Wichtigste ist einmal, zu helfen. Und ich bin überrascht, wie viele Menschen mit großem Aufwand und viel Empathie an die Sache herangehen“. Überrascht zeigt sich Marecek auch von Angela Merkl: „Die deutsche Bundeskanzlerin bringt erstaunlich klar ihre Meinung zum Ausdruck“. Und das sogar gegen die harten Strömungen in ihrer eigenen Partei.

„EU und USA sind mitschuldig an Katastrophen“

An der derzeitigen Flüchtlingstragödie und dass es in den Ländern wo die großen Flüchtlingsbewegungen eingesetzt haben, zu Katastrophen kommt, „sind wir – der sogenannte Westen – also die EU und die USA mitschuldig. Vor allem Länder der EU haben etwa den Kontinent Afrika wie Vampire ausgezuzzelt“. Ohne Legitimation. „Alles was wir jetzt tun können, ist einen Teil der Zinsen zurückzugeben, von dem, was Europa den Großvätern der heutigen Menschen in Afrika und anderen Ländern geraubt hat. Und auch die US-Amerikaner sind mehr als gefordert, hier an Lösungen mitzuarbeiten“. Denn immerhin habe den Irak-Krieg die USA geführt und damit zur heutigen Destabilisierung der Regionen beigetragen.

Urwiener Marecek zog nach Niederösterreich und lebt jetzt in Ibiza

Heinz Marecek ist eigentlich ein Urwiener, zog aber irgendwann mit Frau und Kind nach Niederösterreich, und verbrachte 18 Jahre dort, und zwar zuerst in Hautzendorf bei Wolkersdorf und später in Aspersdorf. Heute verbringt er viel Zeit auf Ibiza, da er dort mit seiner Frau eine alte Finka erworben und restauriert hat. Nur zum Arbeiten kommt der heute 70-Jährige zurück nach Österreich.

Lachende Lyrin in Ober-Grafendorf und Altlengbach

In Ober-Grafendorf und Altlengbach tritt er mit seinem neuen Programm „Lauter Lachende Lyrik“ auf. Darin geht er auf bekannte Dichterfürsten wie Goethe, Lessing aber auch Karl Valentin, Loriot, Peter Hammerschlag uvm und deren Werke der letzten 200 Jahre ein: „In dieser Zeitepoche begann die Lyrik erstmals zu lachen“, so Marecek. „Sie haben Moral, Staat und Anstand nicht selten mit Augenzwinkern betrachtet“.

St. Pölten als Westentasche

St. Pölten und sein Umfeld kenne er sehr gut. Immerhin sei er hier schon oft aufgetreten, etwa mit Erwin Steinhauer oder dem mittlerweile verstorbenen Karl-Heinz Hackl.


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