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Der St. Pöltner Fahrradkurier düst auf einem alten Drahtesel durch die Straßen der Stadt

Thomas Lettner, 14.06.2017 12:00

ST. PÖLTEN. Andreas Grubner ist St. Pöltens einziger Fahrradkurier. Seit nunmehr zwei Jahren holt er verschiedene Waren bei seinen Auftraggebern ab und verteilt sie an Kunden in der Stadt.

Bevor Andreas Grubner Fahrradkurier wurde, betrieb er so gut wie nie Sport. Foto: Thomas Lettner
Bevor Andreas Grubner Fahrradkurier wurde, betrieb er so gut wie nie Sport. Foto: Thomas Lettner

Dabei schien Grubners beruflicher Lebensweg ursprünglich ganz anders zu verlaufen. Nach der HTL in Mödling und dem Zivildienst arbeitete er dreieinhalb Jahre in einem Büro und machte so gut wie nie Sport. „Ich habe aber dann gemerkt, dass ein klassischer Bürojob nichts für mich ist“, sagt der 27-Jährige.

Alten Job gekündigt

Dass sich ein 40 Stunden-Job nicht mehr ausgeht, wurde ihm spätestens 2015 auf der zweiten England-Tour mit seiner Band „She and the Junkies“ klar, bei der Grubner Sänger und Gitarrist ist. „Ich habe damals kurzerhand gekündigt, und das, obwohl ich eigentlich ein sicherheitsliebender Mensch bin“, sagt der Hofstettner, der seit fünf Jahren in St. Pölten lebt.

Sport schadet nicht

Kaum ein halbes Jahr später ergab sich ein neues Jobangebot, das Grubner für besser geeignet hielt. Ein bekanntes Gastro-Unternehmen in der St. Pöltner Innenstadt suchte nämlich gerade einen zweiten Fahrradkurier. „Ich habe mir gedacht, das ist flexibel von der Zeit her, ich bin in der frischen Luft und Sport schadet sowieso nicht“, erklärt Grubner seine Beweggründe, warum er den Job dankend annahm.

Firma vom Altmeister

Groß aufziehen wollte Grubner seine Karriere als Fahrradkurier anfangs nicht. Außerdem gab es mit Peter Kaiser, der für dasselbe Unternehmen fuhr und sich mit Grubner die Touren teilte, schon seit sechs Jahren einen Fahrradkurier in St. Pölten. Kaiser verfügte nicht nur über ein großes Netzwerk an Kontakten, sondern hatte mit seiner Firma Räderwerk sogar ein eigenes Gewerbe angemeldet. Dennoch kam eines Tages aus heiterem Himmel ein überraschendes Angebot: Kaiser hatte genug vom Fahrradfahren und bot dem Quereinsteiger seine Firma zum Kauf an. „Ich habe kurz überlegt, aber dann dachte ich, was soll“s und habe ihm die Firma abgekauft“, erzählt Grubner.

Mitarbeiter in Aussicht

Seit Kaisers Rückzug aus der Welt der Fahrradkuriere vor zwei Jahren radelt Grubner alleine durch die Straßen der Stadt. Einen geringfügig angemeldeten Mitarbeiter habe er aber schon in Aussicht. Zu seinen größten Auftraggebern gehören auch die Fachhochschule und die Marketing St. Pölten GmbH. Für Letztere verteilt Grubner vor allem Drucksorten wie beispielsweise Flyer und Abonnements für Kunstaufsteller, von denen es rund 80 in St. Pölten gibt. Die Touren werden nach einer fixen Pauschale oder nach geleisteten Stunden verrechnet. Privataufträge seien extrem selten und würden sich nicht rentieren.

Lastwagenbroschüren von der Wirtschaftskammer

Die Wirtschaftskammer teilt Einzelunternehmer Grubner dem Güterbeförderungsgewerbe zu. „Das ist auch der Grund, warum ich dauernd Lastwagenbroschüren zugeschickt bekomme“, lacht er. „Am allerwichtigsten ist, dass man verlässlich ist. Sportlich zu sein ist natürlich auch nicht schlecht“, erklärt Grubner, worauf es als Fahrradkurier ankommt. Von schlechten Witterungsverhältnissen und Materialermüdung dürfe man sich nicht unterkriegen lassen. „Im Winter sind mir wegen dem Salz einmal mitten am Tag hinten und vorne beide Bremsseile gerissen. Ich musste dennoch weiter machen, aber egal, bin ich halt ein bisschen langsamer gefahren“, sagt Grubner mit schwarzem Fahrradkurier-Humor.


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