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Diskussion der Waldviertel Akademie: „Das Waldviertel braucht Zuwanderung“

Thomas Lettner, 19.10.2017 12:58

ST. PÖLTEN. Mit der Diskussion „Fremd am Land. Integration im Waldviertel gestern – heute – morgen“, die vorgestern im neuen Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich und in Kooperation mit dem Niederösterreichischen Institut für Landeskunde stattfand, kehrte die Waldviertel Akademie mit ihrem Programm nach längerer Zeit in die Landeshauptstadt zurück.

Foto: WALDVIERTEL AKADEMIE
Foto: WALDVIERTEL AKADEMIE

Bei der Diskussion ging es um die umfangreiche Thematik Integration und Migration, welche an diesem Abend nicht nur aus aktuellen Gesichtspunkten, sondern auch mit geschichtlichem Hintergrund diskutiert wurde. Elisabeth Loinig, Leiterin des NÖ Institutes für Landeskunde, bezog sich in ihrem Eingangsstatement auf den ersten Weltkrieg und verwies dabei auch auf die Ausstellung „Fern der Front 1914-1918“. „Das größte Flüchtlingslager des Waldviertels befand sich in Gmünd“, so Loinig, „die Unterbringung und die Versorgung waren natürlich eine große Herausforderung.“ Im Barackensystem gab es kaum Kontakte zur „Aussenwelt“, die Behörden waren aufgrund der Flüchtlingsanzahlen überfordert: „Die Integration ist hier gescheitert“, so Loinig.

Integration in NÖ war eine Erfolgsstory

Einen Schritt weiter ging der Historiker Niklas Perzi, der unter anderem für die Österreichische Akademie der Wissenschaften auch am gemeinsamen österreichisch-tschechischen Geschichtsbuch arbeitet. „1945 gab es sechs Millionen autochthone Österreicher und 1,2 Millionen Nicht-Österreicher“, so Perzi, „auch hier waren Essen und Wohnen die Hauptgebiete, die zu lösen waren.“  Die Leute hätten aber probiert, selbst unterzukommen, unter anderem in Scheunen und Bauernhöfen. „Letztendlich war die Integration in Niederösterreich aber eine Erfolgsstory“, so Perzi, „man kann das aber nicht mit heute vergleichen. Die Leute damals hatten eine ähnliche Sprache, Mentalität, Berufe und Religion.“

Sprache ist der Schlüssel zur Integration

Murat Düzel, Fachexperte für Integrationsangelegenheiten beim Land Niederösterreich, ging auf die aktuelle Situation ein. „13,8 Prozent der niederösterreichischen Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund. Für uns sind die soziale Integration und die Identität sehr wichtig. Der Spracherwerb ist aber ganz klar die Eintrittskarte in die Integration“, so Düzel.

Unterstützung durch Ehrenamt

Mit den zusätzlichen Herausforderungen, die Fremdsein in ländlichen Gebieten mit sich bringen, beschäftigte sich die Geschäftsführerin des Zentrums für Migrationsforschung Rita Garstenauer. „Wir haben uns auf die Verbindung von historischer und gegenwärtiger Migrationsforschung spezialisiert, vor allem am Land“, so Garstenauer, die vor allem die größeren Distanzen, die schlechtere Infrastruktur und die Unterstützung durch das Ehrenamt betonte.

Das Waldviertel braucht Zuwanderung

Über die Digitalisierung und Automatisierung für eine bessere Zukunft im ländlichen Raum sprach Migrationsexpertin Gudrun Biffl. Sie sprach in ihrem Statement auch die zunehmende Abwanderung in der Region Waldviertel an, ein Thema, welches von Waldviertel Akademie-Vorsitzenden Ernst Wurz sofort relativiert wurde: „Bezirksmäßig gesehen gibt es im Waldviertel eine positive Zuwanderungsbilanz. Die Trendwende wurde also geschafft, es ist aber noch viel zu tun. Aber: 200 Betriebe suchen über 700 Arbeitskräfte, das Waldviertel braucht also Zuwanderung und Mehrkindfamilien, wenn es weiter zukunftsfähig bleiben will. Wir sollten jetzt entscheiden, welche Arbeitskräfte in der Region benötigt werden.“ Vor allem dieses Thema sorgte in der anschließenden Diskussion noch für einen lebhaften Ausklang eines spannenden Abends.


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