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ST. PÖLTEN. 2015 wurde „Gutmensch“ von deutschen Sprachwissenschaftern zum Unwort des Jahres gekürt. Seit Anfang des Jahres gibt es in St. Pölten eine Gruppe, die dieses bewusst in seinem Namen trägt.

  1 / 4   Anlässlich einer angeblichen Massenschlägerei fand am Hauptbahnhof Anfang Mai die erste Aktion der Gutmenschen statt. Foto: St. Pöltner Gutmenschen

Aufgabe der „St. Pöltner Gutmenschen“ ist es laut Eigendefinition, Menschen miteinander zu vernetzen, die für ein solidarisches und weltoffenes St. Pölten stehen, für Toleranz und Menschlichkeit zu werben und ein Zeichen gegen den Rechtsruck zu setzen. Einmal im Monat trifft sich die Gruppe im Vinzenz Pauli, um über aktuelle Themen zu diskutieren und neue Aktionen zu planen. Um ein Zeichen gegen das Massensterben von Menschen im Mittelmeer zu setzen, wurde bei der letzten Aktion Ende Juli der Europaplatz in St. Pölten kurzerhand zur „Festung Europa“ erklärt. Auch bei einer Großdemonstration gegen Rassismus und Faschismus in Wien nahm man vor kurzem teil.

Kampf gegen Fake News

Besonders an die Fahnen geheftet haben sich die Gutmenschen den Kampf gegen Fake News. Im Mai fand am Bahnhofsplatz anlässlich eines am 4. April erschienenen Artikels in der Kronenzeitung, in dem über eine angebliche Massenschlägerei in der Kremsergasse berichtet wurde, die erste Aktion der Gruppe statt. Mithilfe eines aufgebauten Nacktscanners und als Securities verkleideten Mitgliedern wurden Passanten darauf aufmerksam gemacht, auf welch gefährlichem Terrain sie sich bewegen würden. FP-Stadtrat Klaus Otzelberger, der im Krone-Artikel zitiert wird, wurde bei der Aktion vorgeworfen, gezielt Panikmache zu betreiben.

Keine Anzeigen bei Polizei

Besagte Massenschlägerei habe es laut den Gutmenschen nämlich nie gegeben. Angeblich hätten sich zwei Gruppen lediglich lautstark über Fußball unterhalten. Auch die Polizei hat an besagtem Tag nichts Verdächtiges festgestellt. „Wir wurden nicht verständigt und bei uns wurde auch nichts angezeigt“, sagte Stadtpolizeikommandant Franz Bäuchler.

Tumult in Kremsergasse

Hintergrund der Aktion ist dieser: Am Abend des 3. April wurden zwei Frauen auf dem Weg zum Bahnhof Zeuge, wie in der Kremsergasse eine Gruppe von etwa 15 jungen Männern rumgeschrien und sich geschlagen hätte. Diese hätten, wie es in einem von Klaus Otzelberger an die Tips übermittelten Gedächtnisprotokoll heißt, nicht Deutsch gesprochen. Auch nach der Polizei sei gerufen worden. Eine der beiden Frauen wandte sich daraufhin an die Krone. Diese befragte Otzelberger allerdings nicht zum Vorfall selbst, sondern allgemein über seine Meinung zur Sicherheitslage in St. Pölten. Das nächste Treffen der St. Pöltner Gutmenschen findet am 13. September, 18.30 Uhr, im Vinzenz Pauli statt.


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