Schulden machen krank
ST. PÖLTEN. Einen Schwerpunkttag hält die Schuldnerberatung im Landhaus unter dem Motto „Schulden machen krank“ ab. Unter dem Aspekt „Schulden und Gesundheit“ diskutieren und referieren Experten über den Zusammenhang von Finanz- und Gesundheitsproblemen.

Mirsada Zupani, Obfrau des Vereins Schuldnerberatung Niederösterreich meinte zum heutigen Aktionstag: „Die Vernetzung von Gesundheit und Schuldnerberatung muss besser werden. Der heutige Tag ist der erste Schritt.“ Im Zuge der Pressekonferenz meinte SPÖ-Landesrat Maurice Androsch: „Menschen die finanzielle Probleme haben, leiden oftmals unter gesundheitlichen Problemen. Wenn sich diese Spirale zu drehen beginnt, findet man alleine nur sehr schwer heraus.“ Prävention sei daher ein ganz wichtiges Thema. Genügt das nicht, ist es laut Androsch „wichtig, sich professionelle Hilfe zu holen.“ Zupani stimmte zu und meinte weiterführend: „Die Menschen sind mit den Schulden überfordert und wissen nicht was sie tun sollen. Die Folgen sind Verzweiflung, Resignation und die Flucht in Suchtkrankheiten.“ Dem pflichtete auch Gerald Grundschober, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, Oberarzt der Psychiatrischen Tagesklinik Tulln bei und meinte: „Viele trauen sich nicht sich beraten zu lassen, weil sie das als ein Scheitern ansehen.“ Daher sollte laut dem Arzt vermehrt in den Schulen angesetzt und die Kinder besser ans Finanzwesen herangeführt werden. Ähnlich sieht es auch Michael Lackenberger, Geschäftsführer der NÖ Schuldnerberatung: „Wir bieten Präventionsprogramm an Schulen an und wir würden das auch gerne ausbauen.“ Lediglich das Personal dafür fehle. Der Geschäftsführer ging zudem auf die Bilanz aus dem Jahr 2015 ein: „Im vorigen Jahr wurden 4334 Personen von uns betreut und es gab 8603 Beratungsgespräche sowie 18.383 telefonische und schriftliche Interventionen. Die Durchschnittsverschuldung liegt bei 81.733,36 Euro.“
Häufige gesundheitliche Beeinträchtigungen sind infolge von Geldproblemen immer wieder Stress, Depressionen, Schlafstörungen, psychische Probleme, Angstzustände, Rückenschmerzen, Magen-Darmprobleme und viele mehr. Klienten der Schuldnerberatung berichten, dass sie Albträume haben, auf Briefe und Anrufe nicht mehr reagieren oder die Tür aus Angst vor dem Exekutor nicht mehr öffnen. Je länger die Situation der Überschuldung andauert, umso gravierender zeigen sich die Auswirkungen. Umso erfreulicher ist die Lage nach der Schuldnerberatung. Denn nach der Schuldenregulierung verbessert sich auch der Gesundheitszustand der Klienten deutlich.
Krankheit kann zu Überschuldung führen
Aber auch die umgekehrte Wirkungsweise ist möglich, nämlich dass Krankheit zu Überschuldung führt. Unerwartete medizinische Behandlungen mit hohem Selbstbehalt können Betroffene und Familien schnell überfordern. Sind die Kosten für Krankheiten beziehungsweise Gesundheitsmaßnahmen vorhersehbar, empfiehlt sich laut Lackenberger eine rechtzeitgie Budgetberatung unter www.budgetberatung.at.
In einem Fall sind sich aber alle Beteiligten einig: „Wenn jemand Schulden hat, die er sich nicht mehr leisten kann, soll er relativ schnell zur Schuldnerberatung kommen.“


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