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ST. PÖLTEN. Auch wenn es bis dato noch nicht danach ausgesehen hat. Aber der Sommer ist da, ab der zweiten Wochenhälfte sollen die Temperaturen auf 30 Grad und mehr klettern. Das Land hat rechtzeitig vor der Hitzewelle ein neues Tool vorgestellt.

Landesrat Maurice Androsch und Michael Staudinger (Direktor ZAMG). Foto: Anton Feilinger
Landesrat Maurice Androsch und Michael Staudinger (Direktor ZAMG). Foto: Anton Feilinger

 “Heute ist Sommerbeginn und die Prognose für die kommenden Tage zeigt wieder einen steilen Anstieg der Temperaturkurve – in der zweiten Wochenhälfte sind in Niederösterreich verbreitet Höchstwerte bei 30 Grad und darüber zu erwarten. Bei Urlaubsreisen freut man sich meist über konstant um die 30 Grad“, so Gesundheits-Landesrat  Maurice Androsch (SPÖ) bei der gestrigen Pressekonferenz. Aus diesem aktuellem Anlass informierte Androsch im Rahmen einer Pressekonferenz zum Thema „Hitze – Unterschätzte Gefahr!?“ gemeinsam mit Michael Staudinger, dem Direktor der ZAMG.

Die Zahl der Hitzetage (30 Grad und mehr) hat sich in Niederösterreich in den letzten Jahrzehnten verdoppelt, in einigen Regionen sogar verdreifacht. So registrierte die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in den 1950er-Jahren in St. Pölten durchschnittlich neun Hitzetage pro Jahr - in den 2010er-Jahren sind es dagegen schon durchschnittlich 19 Hitzetage pro Jahr. In Amstetten stieg die Zahl der Hitzetage im gleichen Zeitraum von sieben auf 19. Berechnungen von Klimamodellen lassen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten einen weiteren Anstieg erwarten. Die besonders gut untersuchte Hitzewelle im Jahr 2003 wird in Europa mit rund 70.000 Todesfällen in Zusammenhang gebracht, in Österreich starben damals rund 600 Menschen an den Folgen der Hitze.  „Daher möchte ich das Thema Hitze mehr ins Bewusstsein der Niederösterreicher rücken und auf vorbeugende Maßnahmen hinweisen, sowie ein neues Tool des Landes NÖ vorstellen, das im Extremfall Hilfe leisten wird“, so Androsch weiter. Besonders belastet - im Hitzefall - seien etwa Personen, die älter als 65 Jahre alt sind, Personen mit Atemwegs-/Herz-Kreislauferkrankungen, Säuglinge, Kleinkinder und chronisch Kranke, bzw. Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Daher hat das Land ein Tool installiert, das vor Hitze warnt und einen Mechanismus in Kraft setzt, der betroffene Institutionen darüber informiert. Dazu gehören etwa Landespflegeheime, Landesjugendheime, Landeskliniken, Kinderbetreuungseinrichtungen aber auch Notruf NÖ und die Rettungsorganisationen sowie die Ärztekammer und die Abteilung für Zivilschutz, um unterstützende Maßnahmen rechtzeitig einleiten und die Vorhaltung von Personal im Extremfall besser planen zu können. „Die Hitzewarnung ist also ein Instrument um präventive Maßnahmen einzuleiten und gleichzeitig für den Extremfall gerüstet zu sein. Wir wollen in dieser Phase die Menschen sensibilisieren, dass Hitze ein gefährdendes Element für die Gesundheit ist und man vorbeugen soll“, so der Landesrat.

Etwa auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr zu achten, leichte und helle Kleidung zu tragen, Kopfbedeckung und Sonnenschutz vor allem für Kinder nicht zu vergessen oder auf die Beschattung der Wohnräume zu achten, empfiehlt Landesrat Androsch und weiter: „Aber auch auf ausgewogene, leichte Ernährung zu achten und sportliche, körperlich anstrengende Aktivitäten in die kühleren Morgen- oder Abendstunden zu verlegen sind Verhaltensregeln, die bereits für „normale“ sommerliche Temperaturen gelten, bei einer Hitzeperiode aber noch einmal verstärkt zu beachten sind.“ Für Personen, die Medikamente einnehmen müssen, empfiehlt es sich, sich mit dem Hausarzt in Verbindung zu setzen, da manche davon Einfluss auf die Hitzeverträglichkeit haben.

Das Hitzetool ist aufgebaut auf Informationen der ZAMG. Sind zumindest zwei Tage mit großer Hitzebelastung zu erwarten, werden Einrichtungen wie Altersheime, Krankenhäuser und Blaulichtorganisationen, vorzeitig gewarnt um rechtzeitig Vorkehrungen treffen zu können. „Als Grundlage für die Hitzewarnungen dienen hochauflösende Wettervorhersagemodelle, die einen speziellen Hitzeindex auf regionaler Basis berechnen“, beschreibt ZAMG-Direktor Staudinger das System, „neben der Temperatur spielen die Luftfeuchtigkeit, der Wind und die Sonneneinstrahlung eine entscheidende Rolle, wie die Hitze empfunden wird und welche negativen Auswirkungen auf den menschlichen Organismus damit verbunden sind. Dabei haben auch die Jahreszeit und vor allem die Dauer einer Hitzewelle einen entscheidenden Einfluss. Einen einzigen Hitzetag übersteht man leichter als eine mehrtägige Hitzeperiode.“

 Zur Information aller Reisenden betont Androsch abschließend: „Für die Urlaubszeit gilt, sich die Empfehlungen für die Urlaubsdestination genau anzusehen und sich über Schutzimpfungen zu informieren.“ So zählen für sozioökonomisch unterentwickelte Länder etwa Typhus, Hepatitis A+B, Diphterie, Tetanus und Kinderlähmung zur Grundausstattung. Auch die neue und destinationsabhängige Zusammenstellung der Reiseapotheke ist alljährlich ein wichtiges Thema, bevor man Flugzeug, Zug oder Auto besteigt. Die MitarbeiterInnen in den Apotheken sowie die Hausärzte würden dabei sehr gerne unterstützen.


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