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Ab Herbst werden 750 Millionen Euro in den Ausbau von ganztägigen Schulformen investiert

Thomas Lettner, 09.01.2017 16:20

ST. PÖLTEN. Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) stellte heute wesentliche Punkte der Bildungsreform vor. Darunter fallen vor allem das Autonomiepaket, der Schwerpunkt digitale Bildung und der Ausbau der Ganztagsschule.

v.l.: Bürgermeister Matthias Stadler, Bundesministerin Sonja Hammerschmid und Michael Kögl Foto: Thomas Lettner

„Wir haben uns für dieses Jahr viel vorgenommen in der Bildungspolitik. Beim Herzstück der Bildungsreform, dem Autonomiepaket, sind wir gerade mitten in den Verhandlungen – noch dieses Jahr sollen die ersten Schulen von den pädagogischen Freiräumen profitieren“, berichtet die 48-Jährige. Das Autonomiepaket soll ein qualitätsvolleres Unterrichten ermöglichen. Pädagogen sollen Unterrichtseinheiten gemeinsam und interdisziplinär gestalten können (z.B. Geografie- und Biologielehrer unterrichten gemeinsam eine Klasse) und der Unterricht neu definiert werden (kein Festhalten an der 50 Minuten-Grenze). Derzeit sei man in intensiven Gesprächen unter anderem mit Schulen, Gewerkschaften oder Eltern. Der Zeitplan für den Entwurf, mit dem in Begutachtung gegangen werden kann, liegt bei Ende Jänner.

Inhalte im Internet hinterfragen

„Die Digitalisierung ist in unseren Lebensbereichen und in unseren Arbeitswelten mit einer großen Geschwindigkeit angekommen. Diesen Herausforderungen müssen wir im schulischen Bereich Rechnung tragen“, so Hammerschmid. Den Kindern müsse ein Rüstzeug im Umgang mit dem Internet mitgegeben werden, um die darin präsentierten Inhalte stets aufs Neue zu hinterfragen. Eine umfassende Gesamtstrategie werde Ende Jänner vorgestellt.

Mehr Ganztagsschulen

Ab dem kommenden Schuljahr werden – zusätzlich zu den bestehenden Maßnahmen (15a-Verträge) – in Österreich 750 Millionen Euro in den Ausbau von ganztägigen Schulformen investiert (500 Millionen Euro vom Bildungsministerium, die restlichen 250 Millionen von den Ländern). Bis 2025 soll so das ganztägige Angebot von derzeit 20 Prozent auf 40 Prozent verdoppelt werden. Jeder Schüler soll bis 2025 im Umkreis von 20 Kilometer zum Wohnort einen Platz in einer Ganztagsschule finden. Jetzt gehe es darum, alle Bildungspartner gut zu informieren und vorzubereiten.

Erst PISA habe uns wieder gezeigt, dass wir eine Systemänderung bräuchten, sagt Hammerschmid: „Wir müssen Problemlösungskompetenz, Teamfähigkeit, queres, fächerübergreifendes Denken vermitteln. Wir brauchen Schulen, die die Neugierde der Kinder weckt, ihre Freude am Lernen unterstützt und individuell mit allen ihren Stärken und Schwächen arbeitet. Wir müssen aber auch für unsere Lehrer Schulen schaffen, in denen sie motiviert an die Arbeit gehen können. Dazu brauchen unsere Schulen Zeit – hier kommt die Ganztagsschule zum Tragen – und Freiheit, die das Autonomiepaket bringen wird.“

 “Ganztagsschulen haben sich international bewährt und viele Vorteile, wie zum Beispiel bessere Bildungschancen, deutliche Reduktion der teuren Nachhilfe sowie bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Außerdem bleibt mehr Zeit für ein Familienleben, Zeit für Spielen und Spaß, weil das Lernen bereits in der Schule stattgefunden hat“, sagt Stadler, dem es wichtig ist, klar zu machen, dass die ganztägige Schulform nicht verpflichtend für alle gilt, aber ein notwendiges Angebot für viele Eltern und Kindern sein soll. Es sei notwendig, neue Wege zu gehen, erklärt Stadler: „Dazu gehört der flächendeckende Ausbau der Ganztagsschulen ebenso wie unser Modell des Bildungscampus, der ebenfalls auf eine optimale Förderung und Unterstützung der Kinder abzielt.“ In vielen NÖ Gemeinden sei die Schaffung eines Bildungscampus oft nicht möglich. Hier plädiere die SPÖ NÖ für die institutionsübergreifende oder auch gemeindeübergreifende Zusammenarbeit von Bildungseinrichtungen.

Michael Kögl absolvierte die Otto-Glöckel-Schule in St. Pölten, die gemeinsam mit der ASO Nord die erste verschränkte Ganztagsschule in Niederösterreich war. „Ich habe die verschränkte Ganztagsschule selbst als Schüler kennengelernt – und würde es jedem empfehlen. Wenn Unterricht in kleinere Portionen zerteilt wird oder projektbezogen auch einmal länger an einem Thema gearbeitet werden kann, Übungen in der Schule statt zu Hause passieren und zudem Kinder auch einfach Kind sein dürfen, während sie in der Schule sind, dann ist das ein großer Wurf“, meint Kögl.


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