WKNÖ-BildungsKonzil thematisierte den Zusammenhang von Künstlicher Intelligenz und Bildung

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Leserartikel Philipp Hebenstreit, 11.07.2018 09:23 Uhr

ST. PÖLTEN, NÖ. Beim ersten „BildungsKonzil Heldenberg“ kristallisierte sich das Thema Künstliche Intelligenz als ein zentrales Thema heraus. „Das haben wir aufgegriffen und daher das diesjährige BildungsKonzil unter diesen Titel gestellt“, erklärt Sonja Zwazl, Präsidentin der Wirtschaftskammer NÖ, die das zweite „BildungsKonzil Heldenberg“ organisierte.
 

Künstliche Intelligenz und die Verwendung von Algorithmen sind längst keine Zukunftsmusik mehr, sie sind Teil der Gesellschaft und des Wirtschaftslebens. Doch während in den USA bereits 25 Prozent und in China 23 Prozent der Unternehmen bereits auf Künstliche Intelligenz (KI) in der Produktion setzen, sind es in Österreich nur zwölf Prozent. Auch in Deutschland liegt der Wert nur bei 15 Prozent, wie aus einer Untersuchung der Siemens AG hervorgeht.

„Braucht Künstliche Intelligenz Bildung?“

„Wir beschäftigen uns stark mit der fortschreitenden Digitalisierung und verwenden dabei auch oft Schlagworte wie Digitalisierung, Wirtschaft oder Industrie 4.0. Doch welche Chancen, Potenziale, Risiken und Gefahren Künstliche Intelligenz für den Wirtschafts- und Bildungsbereich bietet, wird nur sehr am Rande diskutiert“, so Zwazl. Drei Tage lang hatten sich mehr als 100 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft auf dem Heldenberg mit der Frage „Braucht Künstliche Intelligenz Bildung?“ beschäftigt. In klar abgegrenzten Expertengruppen diskutierten die Teilnehmer die Potenziale von KI. Künstliche Intelligenz werde künftig sämtliche Bereiche der Wirtschaft durchdringen und müsse daher bereits jetzt in die Schulen einziehen, waren sich die Teilnehmer einig.

Projekte für die Praxis entwickelt

Einig waren sich alle Experten, dass Künstliche Intelligenz eine große Chance für Gesellschaft und Menschen ist. Allerdings müssen dafür bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden. So forderte eine Expertengruppe einen klaren rechtlichen Rahmen für die gesamte Themenlandschaft von KI. Im Bildungsbereich werden Reformen gefordert, um in einer dynamisierten Gesellschaft die Jugend entsprechend ausbilden zu können. Der gesamte digitale Bereich und der Umgang mit dem Thema KI müsse ebenso zu den Grundkenntnissen wie Lesen, Schreiben und Rechnen, gehören. Experten, die sich mit der Entwicklung von Projekten aus den Ergebnissen des letztjährigen BildungsKonzils auseinandersetzten, entwickelten eine praxisorientiertere Ausbildung mit Austauschprogrammen für Pädagogen und Lernende.

Ethik-Code für KI

Großes Thema war auch der Bereich der Ethik. Die Konzilsteilnehmer waren sich darin einig, dass ein gesetzlich verankerter Ethik-Code zu entwickeln ist, um die Menschen auf den sinnvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz vorzubereiten, Ängste zu nehmen und Antworten für die Gesellschaft zu geben. „Mit den Ergebnissen dieser drei Tage, die nun intensiv aufbereitet werden, leisten wir einen wesentlichen Beitrag für eine zukunftsgerichtete Bildungspolitik. Von den dabei projektierten Konzepten werden sicherlich einige realisiert. Davon profitiert nicht nur unsere Jugend, sondern letztlich die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft“, so WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl.

„Menschen auf eine Welt mit Künstlicher Intelligenz vorbereiten“

Klaus Mainzer von der Technischen Universität München machte in seiner Keynote auf „die ethische Komponenten und die Folgen des Einsatzes von KI“ aufmerksam. Am Beispiel selbstfahrender Autos stellte er die Frage: „Wieviele Unfälle sind notwendig, um die Künstliche Intelligenz eines Autos soweit trainiert zu haben, um es für den Straßenverkehr zuzulassen.“ Und wer haftet bei einem Unfall, wenn er trotzdem passiert? Es sei daher unbedingt notwendig, nicht nur wissenschaftliche und technische Aspekte in die Diskussion einfließen zu lassen, sondern auch die Human- und Sozialwissenschaft werde in diesem sich permanent ändernden Umfeld immer wichtiger. Mainzer: „Die Menschen müssen auf diese Welt vorbereitet werden, eine entsprechende Bildung ist dafür die zentrale Voraussetzung!“

Auch der KI-Experte Holger Volland strich in seiner Key Note die Wichtigkeit der Bildung hervor, um zu lernen, wie die Gesellschaft in Zukunft mit den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz umgeht: „Um die fortschreitende Komplexität der Welt zu bewältigen, ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz notwendig. Gleichzeitig müssen sich unsere Bildungsinstitutionen auf diesen Wandel vorbereiten. Gefragt sind soziale Kompetenzen und Kritikfähigkeit. Das unterscheidet die Menschen von KI, die automatisierte Antworten liefert.“ Europa soll laut Volland der Künstlichen Intelligenz die ethische Variante geben.

AK-Wieser: „Müssen alle mitnehmen“

Markus Wieser, Präsident der Arbeiterkammer NÖ, betonte bei der abschließenden Podiumsdiskussion des BildungsKonzils, dass bei aller gesellschaftlicher Veränderung durch die fortschreitende Verwendung von Künstlicher Intelligenz, der Mensch im Mittelpunkt stehen muss: „Wir müssen alle auf diesem Weg mitnehmen, denn der Mensch ist ein Mensch und keine Maschine.“ In die gleiche Kerbe schlug der emerierte Bischof von St. Pölten, Klaus Küng: „Wir brauchen auch in Zukunft einen kritischen Geist, um für sich selbst die Freiheit zu bewahren.“



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