Bürgerplattform Pro Sankt Pölten kämpft gegen den Abriss erhaltenswerter Gebäude

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Thomas Lettner Thomas Lettner, Tips Redaktion, 19.09.2018 09:21 Uhr

ST. PÖLTEN. Die Bürgerplattform Pro Sankt Pölten veranstaltete vergangenen Samstag am Tor zum Landhaus eine Plakataktion gegen den geplanten Abriss des ehemaligen Arbeiterwohngebäudes am Kardinal König-Platz.

Gegründet wurde die Bürgerplattform Pro Sankt Pölten 1995 aus Protest gegen die geplante Errichtung einer Müllverbrennungsanlage der Glanzstoff AG. 8400 Unterschriften wurden im Laufe der folgenden vier Jahre gesammelt, womit das Vorhaben erfolgreich gestoppt werden konnte. Nach dem großen Brand am Glanzstoff-Werksgelände wurde auf Initiative der Plattform die Wiederinbetriebnahme der Produktionsanlagen angefochten.

Neubauten sind kein Tabu

Die wesentlichen Ziele der Bürgerplattform Pro Sankt Pölten heute sind die Gestaltung von Naherholungsflächen und Parks, der öffentliche Nahverkehr (Ausbau von Fuß- und Radwegnetzen), städtische Infrastruktur, Stadtleben und Kultur sowie Denkmalschutz und Stadtbildgestaltung. Die Plattform kämpft nicht zuletzt in Hinblick auf die Bewerbung St. Pöltens zur Kulturhauptstadt 2024 gegen den Abriss älterer Gebäude wie die Madernavilla oder das alte Pressehaus in der Linzer Straße. Dabei arbeitet sie eng mit der Initiative Denkmalschutz in Wien zusammen.

Vorbild Benelux-Staaten

Wer glaubt, dass die Plattform Altes auf Biegen und Brechen erhalten will, der irrt. „Wir wollen kein Museum aus der Innenstadt machen, sondern sind sehr wohl auch für Neubauten“, betont Obmann Stefan Lenk. Im Fall des ehemaligen Wohngebäudes am Kardinal König-Platz wäre die Plattform zum Beispiel auch mit einer Entkernung des Gebäudes zufrieden, solange schützenswerte Elemente wie primär die Fassade erhalten bleiben. Im Fall eines Abrisses sollte man allerdings stets darauf achten, dass die neuen Gebäude mit den alten harmonisieren, und nicht nur Gewinnmaximierung und geringe Baukosten im Auge haben. Ein Vorbild sieht die Plattform in anspruchsvollen Neubauten in den Benelux-Staaten.

Neuentwicklung des Areals

Vonseiten der Stadt heißt es dazu: Der Abriss und die Neuerrichtung von Gebäuden ist einerseits eine wirtschaftliche und andererseits auch eine Geschmackssache. Liegenschaftseigentümer können ihr Eigentum im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten entsprechend verwerten. In diesem Fall wurde die Abrissbewilligung vor der Einführung der Bausperre bewilligt. Das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz. Fest steht, in den letzten Jahren konnte keine nachhaltig positive Entwicklung des gesamten Areals (Kardinal-König-Platz, Neugebäudeplatz und Hypo-Gründe-Wohnbau) initiiert werden. Durch die Neugestaltung besteht hier die Möglichkeit, die Verkehrsentwicklung positiv zu beeinflussen und eine zukunftsorientierte Neuentwicklung des gesamten Areals anzustoßen.

Pendant zur NÖ Hypo-Zentrale

Außerdem bestehe höchstes Interesse an der Schaffung einer attraktiven Verbindungsachse zwischen Regierungsviertel und dem in Vorbereitung stehenden Wohnstandort in der Rennbahnstraße am Areal der NÖ Hypo. Hierfür sei die Schaffung der notwendigen öffentlichen Flächen notwendig, auch im Sinne der Umsetzung des städtischen Verkehrskonzeptes zwischen B 1 und Kerntangente Nord. Es gehe jedoch nicht allein um die Aufwertung der Verkehrsachse, sondern vielmehr um die Aufwertung der fußläufigen Verbindung durch die Schaffung attraktiver begrünter Geh- und Radwege. Die erforderliche Aufwertung dieses öffentlichen Raumes könne nur durch das Zulassen neuer baulicher Strukturen im Bereich der Rennbahnstraße erzielt werden. Der damit verbundene Abriss des von außen sicher ansehnlichen, jedoch in der inneren Struktur schwer nachnutzbaren Bestandsobjektes war von Anfang an Teil der unterschiedlichen Planungskonzepte. Gegenstand der Diskussion ist nunmehr die Errichtung eines städtebaulich als auch architektonisch hochwertigen Pendants zur gegenüber liegenden Zentrale der NÖ Hypo. Diese Planungsüberlegungen wurden letztlich auch durch die geführten Diskussionen mit dem Bundesdenkmalamt gestärkt, die festgestellt hätten, dass das ehemalige Wohngebäude als nicht schützenswert einzustufen ist.

Kritischer Stadtspaziergang

Seit einem Monat hat die Bürgerplattform Pro Sankt Pölten eine eigene Homepage. Diese verzeichnete in den ersten drei Wochen schon 500 Aufrufe. Jede Woche werden auf der Homepage zwei Kurzkommentare veröffentlicht. Die nächste Aktion der Bürgerplattform ist ein „kritischer Stadtspaziergang“ am Samstag, 20. Oktober. Treffpunkt ist um 10 Uhr am Hauptbahnhof St. Pölten. Bei dem Rundgang werden die Teilnehmer auf schützenswerte Gebäude in der Stadt aufmerksam gemacht sowie positive und negative Veränderungen des Stadtbilds besprochen.

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