Austria Wiens Akademieleiter spricht über den heimischen Fußballnachwuchs
ST. VALENTIN. Ralf Muhr ist seit 23 Jahren für die Sportliche Leitung der Austria Wien-Akademie verantwortlich und hat dabei unter anderem David Alaba oder Aleksandar Dragovic auf dem Weg zur Spitze begleitet. Tips bat den gebürtigen St. Valentiner zum Gespräch.

Im Jahr 1994 wurde Muhr im Zuge seiner Trainerausbildung von Manfred Uhlig zur Austria eingeladen um sich dort um die U10 und die U12 zu kümmern. Vier Jahre später hat er die komplette Leitung übernommen. Sein Publizistik- und Theaterwissenschaftsstudium hat er abgebrochen, um sich ganz auf den Österreichischen Fußballnachwuchs zu konzentrieren.
Das Erkennen von Talenten
Gerade bei den Anfängern werde das Hauptaugenmerk nicht so sehr auf fußballerische Eigenschaften gelegt, wenn es darum geht, echte Talente zu erkennen. „Zuerst wird darauf geachtet, wie sich die Kinder bewegen, wie groß die Anstrengungsbereitschaft ist oder wie sie damit umgehen, wenn etwas nicht auf Anhieb gelingt“, erklärt Muhr. Bei den Elf-, bis Zwölfjährigen spiele dann vor allem das Spielverständnis und das Verhalten ohne Ball eine große Rolle.
Das Zeug zum Profi
Ob es jemand schafft, den Traum vom Profifußballer zu verwirklichen, kristallisiere sich beim Übergang vom Nachwuchs- zum Erwachsenen-Fußball heraus. „Die Umstellung vom Kleinfeld auf das große Feld ist bereits Richtungsweisend, weil der Größenunterschied vor allem in Sachen Übersicht nicht miteinander zu vergleichen ist. Dazu kommt, dass man nicht mehr nur mit Gleichaltrigen am Feld steht, wodurch einem schnell die eigenen Grenzen aufgezeigt werden. Wie man damit umgeht ist dann ein weiterer wichtiger Aspekt“, so Muhr.
Positive Auswirkung
Dass sich Sport im Kindesalter auch auf andere Lebensbereiche positiv auswirkt, davon ist Muhr überzeugt. „Kinder die schon früh Sport betreiben sind in der Regel belastbarer sowie Team- und Kritikfähiger. Sie sind es gewohnt, auf andere Rücksicht zu nehmen und lernen schon früh, mit anderen zusammenzuarbeiten.“
Eltern als Hindernis
„Mit den Eltern ist es manchmal nicht so ganz einfach“, verrät der Akademieleiter. Da die Eltern der Nachwuchs-Kicker nur einen sehr eingeschränkten Blickwinkel haben, weil sie sich natürlich nur auf das eigene Kind konzentrieren, könne die Elternschaft durchaus manchmal hinderlich sein. „Als Elternteil hat man natürlich nur das eigene Kind im Fokus. Da kommt es schon vor, dass zuviel Druck auf die Kinder ausgeübt wird, oder die Ansichten des Trainers nicht geteilt werden. Das kann mitunter auf Dauer schon sehr mühsam sein“, so der St. Valentiner.
Die Nachwuchsarbeit im Vergleich
Laut Muhr habe sich die Nachwuchsarbeit im Österreichischen Fußball über die Jahre extrem verändert. „Blickt man 20 Jahre zurück, so hat die heutige Ausbildung nicht mehr viel mit der damaligen zu tun. Mittlerweile orientiert sich die Nachwuchsarbeit am internationalen Fußball, wodurch sich die Ausbildung deutlich verbessert hat.“ Vor allem Inhaltlich habe sich einiges getan. „Ob das im taktischen, sozialen oder kognitiven Bereich ist – die Nachwuchsarbeit ist deutlich anspruchsvoller geworden.“
Bessere Ausbildung
Zwar schaffe nur einer pro Jahrgang den Sprung zum Profifußballer, die Qualität sei aber erheblich gestiegen, wodurch Österreichische Spieler heute auch vermehrt in ausländischen Klubs zum Einsatz kommen.


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