Gegen das Vergessen: von Märschen „nirgendwohin“
STEYR. Viele Gespräche mit Zeitzeugen, unzählige Stunden im Archiv: Ines Bernt-Koppensteiner und ihre Autorenkollegen haben dem nachgespürt, was ein weitgehend übergangener Teil auch der Steyrer Geschichte ist. Das Ergebnis in gebundener Form wird am Montag, 9. November, im Museum Arbeitswelt vorgestellt.

Die Todesmärsche durch Oberösterreich sind bisher kaum erforscht. Im März/April 1945 – wenige Wochen vor Kriegsende – wurden tausende ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter quer durch Österreich in das Konzentrationslager Mauthausen und seine Nebenlager getrieben. Sie kannten weder die Etappen noch das Endziel. Bewacht von Volkssturmmännern, bewaffneten Zivilisten und Gendarmen zwang man sie, bis zu vierzig Kilometer pro Tag zu bewältigen. Wer ans Ende seiner Kräfte gelangte, wurde oft an Ort und Stelle erschossen.
Die Autoren Ines Bernt-Koppensteiner, Alexander Schinko und Fritz Käferböck-Stelzer gingen für das Buch „nirgendwohin – Todesmärsche durch Oberösterreich 1945“ auf die Suche nach dem vorhandenen Wissen über diese gräulichen Begebenheiten. Der Inhalt beschäftigt sich mit den Tätern, den Opfern, den „Bystandern“, aber auch mit jenen, die Zivilcourage bewiesen und trotz massiver Gefahren halfen. Die Zeithistorikerin, Autorin und frühere BRG- Steyr-Gymnasialprofessorin Bernt-Koppensteiner rekonstruierte u. a. auf Basis von Interviews mit Zeitzeugen die Todesmärsche durch das Bundesland. Die weiteren Koautoren Waltraud Neuhauser-Pfeiffer (Mitkuratorin des Gedenk-
orts „Stollen der Erinnerung“) und Erwin Dorn stellen sich in ihrem Beitrag der Frage, wie im 21. Jahrhundert Erinnern und Gedenken gelingen kann, ohne bloßer Selbstzweck zu bleiben. Der Eintritt zur Präsentation mit Beginn um 19 Uhr ist frei, Anmeldung erbeten per E-Mail: anmeldung@museum-steyr.at oder unter Tel. 07252/77351
Tipp: Um 17 Uhr findet, organisiert vom Mauthausen Komitee Steyr, am Jüdischen Friedhof eine Gedenkveranstaltung für die Opfer der Novemberpogrome statt. Interessierte können um 16.30 Uhr nach Voranmeldung an einer kurzen einleitenden Führung teilnehmen.


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