Forscher studieren Nationalpark-Wald im (Klima-)Wandel
STEYR-LAND. Forscher haben untersucht, wie sich die Klimaschutz-Funktion des Waldes im Nationalpark Kalkalpen seit 1900 entwickelt hat und womit man in Zukunft rechnen muss.

Wälder leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, indem sie viel mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnehmen als sie abgeben. Die heimischen Wälder binden jährlich ca. sechs Prozent der nationalen Treibhausgas-Emissionen und sind die bedeutendste Kohlenstoffsenke in Österreich.
Das Umweltbundesamt, die Universität für Bodenkultur Wien und das Bundesforschungszentrum für Wald haben untersucht, welchen Einfluss der Klimawandel, die Holzentnahme und Waldstörungen (z.B. Borkenkäfer) auf die Kohlenstoffsenke der Wälder im 20. Jahrhundert hatten und künftig haben werden.
Langzeitforschung
Als Untersuchungsgebiet diente der Nationalpark Kalkalpen – mit 20.000 Hektar (81 Prozent Wald) eines der bedeutendsten Waldschutzgebiete Österreichs. Das Umweltbundesamt betreibt hier seit über 25 Jahren Langzeitforschung. Vor Ort arbeitet man mit dem Nationalpark und den Bundesforsten zusammen. „In der ökologischen Langzeitforschung werden Veränderungen beobachtet und Zusammenhänge erforscht, die für Lösungen komplexer Probleme entscheidend sind“, erklärt Umweltbundesamt-Geschäftsführerin Monika Mörth.
Die intensive Holznutzung des Menschen und heftiges Borkenkäferaufkommen in den Fichtenwäldern des Reichraminger Hintergebirges Anfang des letzten Jahrhunderts führten zu einem Kohlenstoffverlust im Waldboden und zur großflächigen Waldverjüngung. In den folgenden Jahrzehnten hat sich der Wald im heutigen Nationalpark erholt und verstärkt Kohlenstoff gespeichert – nachwachsende Bäume binden viel Kohlenstoff. Dieser Effekt wirkt heute noch nach. In den nächsten Jahrzehnten werden die Wälder im Nationalpark mehr Kohlenstoff binden, als sie abgeben.
Folgen des Klimawandels
Jedoch beeinträchtigt der Klimawandel diese Wirkung wohl in Zukunft: Störungen und Borkenkäferbefall werden nämlich deutlich häufiger. Gleichzeitig dürfte sich die Zahl der Fichten, die dem Borkenkäfer als Wirtsbaum dienen, zugunsten robusterer Laubbaumarten verringern. In Summe wird der Wald im Nationalpark in den nächsten 200 Jahren voraussichtlich rund zehn Prozent seiner klimaschützenden Funktion verlieren. „Umso wichtiger, dass wir den Waldumbau vorantreiben. Stärker denn je werden wir zukünftig artenreiche, stabile Mischwälder brauchen, die mit den Veränderungen besser zurecht kommen“, sagt Bundesforste-Vorstand Rudolf Freidhager.


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