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Leserbrief: Warum des Kanzlers Argumente stichhaltig sind und er trotzdem falsch liegt

Robert Hofer, 10.03.2020 10:09

STEYR. Stefan Karkulik aus Steyr zum Thema Aufnahme von Flüchtlingen aus Griechenland.

In Österreich gibt es viel freie Plätze in Flüchtlingsheimen. Foto: vowe
In Österreich gibt es viel freie Plätze in Flüchtlingsheimen. Foto: vowe

Wer schaut schon weg, wenn der Alkoholiker im Nachbarhaus im Suff Frau und Kinder gegen die Wand wirft, weil man ja schließlich nicht die Probleme der ganzen Welt lösen kann?

Wer knausert schon mit einem Zwanziger bei der Sammlung für die Wintersportwoche des besten Freundes des eigenen Sohnes, weil man keine falschen Signale an die Eltern der restlichen Klassenkollegen aussenden will?

Welcher Mensch hilft einer Mutter mit Kinderwagen am Bahnhof nicht die Stiegen hinunter, weil die effizientere Lösung des Problems wäre, einen Lift einzubauen?

Wer lässt am Weg zur Arbeit ein Unfallopfer am Straßenrand verbluten, weil es ohne hässliche Bilder nicht gehen wird Autofahrer davon zu überzeugen, sich endlich an die Geschwindigkeitsbeschränkung zu halten?

Mehr als 22.000 Menschen leben im Flüchtlingscamp Moria in Griechenland im Elend. Darunter viele Kinder.

Der Bundeskanzler will nicht eine einzige Frau, nicht ein einziges Kind und schon gar keine Väter und Ehemänner in Österreich aufnehmen. Seine Gründe sind bestechend und seine Argumente mit Logik schwer zu entkräften. Und dennoch könnte Kurz nicht falscher liegen.

Kurz sollte bei seiner strikt analytischen Problemlösung nicht auf die örtliche und emotionale Nähe der Österreicherinnen und Österreicher zu diesem Leid und diesem Elend vergessen. Eine Nähe, wie die vorangehenden Beispiele anhand des Kanzlers eigener Argumente verdeutlichen, welche die Logik des ÖVP-Politikers nicht unbedingt entkräftet, ihn dafür aber zurecht als kaltherzig demaskiert.

Niemand erwartet von uns die Wintersportwoche der ganzen Klasse zu bezahlen, alle Obdachlosen Österreichs bei sich zuhause wohnen zu lassen oder als freiwilliger Sanitäter das aus der Kopfwunde eines Unfallopfers strömende Blut zu stoppen.

Genauso wenig erwartet niemand von Österreich alle Flüchtlinge dieser Welt aufzunehmen. Es mag logisch erscheinen, aber wer lässt schon im von uns Österreichern heiß geliebten und von STS bis Udo Jürgens besungenen Griechenland Neugeborene in Zelten, ohne Elektrizität und ohne anständige medizinische Versorgung über Jahre dahinvegetieren, wenn er auch nur eine Handvoll von ihnen samt ihren Familien aus der Hölle befreien könnte?


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