Theater am Fluss: Saison droht Totalausfall
STEYR. Die Kulturszene trifft das Coronavirus mit voller Wucht. Festivals und andere Großveranstaltungen sind bis 31. August untersagt. Auch kleinere Produktionen wie jene des Steyrer „Theater am Fluss“ bangen um den Sommer. Die Macher klagen über ungeklärte Fragen. Tips erkundigte sich, wie es ihnen derzeit geht.

„Sollte die Auflagen so bleiben, ist es uns nicht möglich, sie zu erfüllen“, sagt Produktionsleiter und Schauspieler Bernhard Oppl. Die aktuellen Erlässe der Regierung bis vorerst Ende August bedeuten für das Steyrer „Theater am Fluss“ den Totalausfall der Sommersaison 2020. Die Proben für „Das Wirtshaus im Spessart“ als sechste Inszenierung auf der Freiluftbühne an der Enns sollten bald beginnen.
„Vorschriften-Dschungel“
„Aus meiner Sicht ist es niemandem zumutbar, in einem derartigen gesetzlichen Vorschriften-Dschungel zu agieren“, klagt der künstlerische Leiter Herbert Walzl, der für heuer wieder eine eigene Bühnenfassung geschrieben hat. Weder der Mundschutz noch der geforderte Mindestabstand seien in den Zuschauerrängen und innerhalb des Ensembles realistisch. Ob der derzeitigen Sicherheitsauflagen könne auch kaum jemand Lust auf Kultur bekommen: „Wer geht schon gern mit verhülltem Gesicht in ein Theater, wo doch die Unterhaltung und soziale Kontakte im Vordergrund stehen.“
Stab wartet in Startlöchern
Neben 15 Theaterabenden stünden heuer auch ein Kabarett mit Monica Weinzettl und Gerold Rudle sowie ein Abschlusskonzert mit Andy Lee Lang am Programm. „Alles ist vorbereitet, der ganze Stab steht in den Startlöchern“, so Oppl: „Die Hinhaltetaktik der Regierung mit derzeit vagen Aussagen betreffend Kulturarbeit sorgt für Staunen und macht ratlos. Es braucht klare Richtlinien, mit konkreten Angaben für den Open-Air-Bereich.“
Stimmung gedrückt
Der riesige Erfolg der Sommersaison 2019 mit „Robin Hood“ hatte das Team eigentlich dazu ermuntert, 2020 erneut eine große Produktion anzugehen. Die Stimmung sei nun gedrückt. So hätten sich etwa Darsteller des Vorjahres bereits dazu entschlossen, der Theaterwelt den Rücken zu kehren, weil der Lebensunterhalt schlicht nicht mehr zu bestreiten sei oder es ungewiss ist, wie es überhaupt weitergeht, berichtet Oppl. „Im Falle einer Absage gibt es auch keine Chance unsere Produktion im Herbst nachzuholen. Einerseits wegen der Witterung, andererseits, weil die Mitglieder des Ensembles in anderen Projekten involviert sind“, so Oppl weiter.
Appell an Politik
Immerhin hielten sich die Ausgaben für 2020 bis jetzt noch in Grenzen. „Viele Vorbereitungen geschehen auf ehrenamtlicher Basis“, so der Produktionsleiter. An die Politik gehe aber der klare Apell, bereits vereinbarte Subventionsgelder zum Erhalt der Spielstätte abzudecken. „Zugleich erwarten wir uns ein richtungsweisendes Vorgehen für alle Kulturschaffenden im Land. Große Festspiele können nicht das Maß der Kulturarbeit sein, für die mit aller Macht versucht wird, ein Konstrukt zur Durchführung zu basteln.“
Entschlossen in die Zukunft
Unterkriegen lässt sich das Theater am Fluss jedenfalls nicht. Gefragt, ob Corona die Zukunft der Bühne gefährdet, sind sich Oppl und Walzl einig: „Wir haben mit nichts an Geldmittel begonnen und es binnen fünf Jahren geschafft, eine Spielstätte mit kompletter Infrastruktur aufzubauen. Das lassen wir uns auch von einem Virus nicht zerstören.“


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