„Wenn man älter wird, braucht man Termine mit jüngeren Menschen“
STEYR. Musik, Kirche, Rotes Kreuz, Caritas – das Engagement der pensionierten Apothekerin Gertrude Bernhauer (82) ist vielfältig.

Eigentlich wollte die gebürtige Wienerin Gertrude Bernhauer Jus studieren. „Weil das aber in meiner konservativen Familie für ein Mädchen nicht passend befunden wurde, habe ich Pharmazie gewählt“, erinnert sich die pensionierte Apothekerin. Nach dem Studium und einer kurzen Tätigkeit als Hochschulassistentin in Wien folgte ein mehrmonatiger Studienaufenthalt in Israel zu einer Zeit, in der Auslandssemester keineswegs selbstverständlich waren.
Liebe führte nach Steyr
Später heiratete sie ihren Berufskollegen, den Besitzer und Leiter der Steyrer Stadtapotheke, und hat dort gerne gearbeitet. Aber auch Lehrtätigkeit machte ihr Spaß. So unterrichtete sie ein Jahr lang Chemie für die Goldschmiedeklassen in der Steyrer HTL, als ihre beiden Kinder noch klein waren. Ihre Leidenschaft für das Reiten hat sie an ihre Tochter Angelika und ihre Enkelin Anna weitergegeben.
Kammermusik und Chor
Bernhauer ist auch sehr musikalisch. Sie spielt Klavier, Cembalo und Orgel. Eines ihrer Hobbys ist klassische Kammermusik. Früher organisierte sie als Liedbegleiterin Hauskonzerte mit Werken von Schubert und Brahms und sang im Kirchenchor der Pfarre Ennsleite bei Messen von Haydn und Mozart mit. Durch ihre katholischen Wurzeln sind ihr auch die Steyrer Kirchen vertraut. Die 82-jährige Witwe ist heute noch immer flexible Mesnerin und Aushilfsorganistin in der Pfarre Ennsleite.
Ehrenamtlich tätig
Weil die Menschen durch die moderne Medizin damit rechnen dürfen, viel älter zu werden als früher, hält sie sich mit viel Lesen geistig fit. Vor Corona besuchte sie einen Englischkurs im Dominikanerhaus. „Vokabeln lernen wird langsam mühsam“, stellt sie fest. Zu ihrer Freude findet der Powerzirkel im Fitnessstudio „Körperwerkstatt“ wieder statt. „Wenn man älter ist und allein lebt, braucht man Termine, besonders mit jüngeren Menschen“, unterstützt die engagierte Apothekerin Kinder aus Migrantenfamilien im Pflichtschulalter einmal pro Woche im Lerncafe der Caritas im Pfarrhaus am Tabor bei Schul- und Hausaufgaben. Im Steyrer Rot-Kreuz-Stüberl hilft sie beim Mittagstisch alle drei Wochen im ehrenamtlichen Dienstradl. „Mittagessen für 50 Cent für Hilfsbedürftige gibt‘s dort dreimal pro Woche“, berichtet sie. Den Aufruf zur Mithilfe im Lerncafe und beim Roten Kreuz hat sie in der Tips gelesen.
Appell an die Jugend
Auch ermuntert Bernhauer die Jugend: „Bewahrt euch das Interesse an eurer Umgebung. Alles auf dieser Welt ist interessant, wenn man sich nur ernsthaft damit beschäftigt. Geht mit Hoffnung und Mut in die Zukunft. Wie ich, denn mein Vater ist 99 Jahre alt geworden.“<


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