Tips-Suche: Altes Handwerk lebendig erhalten

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Angelika Hollnbuchner Tips Redaktion Angelika Hollnbuchner, 26.01.2022 09:15 Uhr

STEYR-LAND. Viele traditionsreiche Berufe sind heute rar geworden – auch in Österreich. Zum Beispiel der des Pflasterers. Tips sprach mit einem Garstner, der sich in genau diesem Beruf selbstständig gemacht hat.

Im Jahr 2020 haben laut Wirtschaftskammer gerade einmal 88 Österreicher die Lehre zum Pflasterer gemacht, darunter drei Frauen. Das als nachhaltig beschriebene Handwerk gibt es seit Jahrhunderten – immer schon brauchte es die Kunst des Steinsetzens für Straßen, Terrassen, Plätze. Nicht zuletzt deshalb wurde der Beruf 2018 in die Liste des Immateriellen Kulturerbe Österreichs aufgenommen. Der 30-jährige Manuel Steinwendner aus Garsten hat in dem Handwerk seine große Leidenschaft gefunden.

Tips: Herr Steinwendner, wie kamen Sie mit dem Pflastern in Berührung?

Steinwendner: Durch meine Lehre als Tiefbauer bin ich immer wieder mit Pflasterungen in Verbindung gekommen. Meist machte das aber leider eine andere Firma.

Wie kam es dann zum Entschluss, daraus Ihren Beruf zumachen?

Ich lernte routinierte Pflasterer kennen, bei denen das so einfach aussah – das wollte ich unbedingt probieren. Nach ein paar Tagen mit diesen Leuten konnte ich davon nicht mehr genug bekommen, ich entschied mich für eine zweite Ausbildung zum Pflasterer.

War Ihnen da schon bewusst, wie selten dieser Beruf mittlerweile ist?

Nein, gar nicht. Man konnte schon sehen, dass es einfach keine jüngeren Leute dafür gibt. Aber da war es, glaube ich, noch niemandem bewusst, wie sich der Fachkräftemangel entwickelt. Zumindest bei mir war das so.

Was wissen Sie über die Geschichte das Pflasterns, das ja zum Unesco-Kulturerbe gehört?

Das Pflastern entstand schon vor der Römerzeit, einfach aus dem Bedürfnis, Straßen und Wege zu bauen. Bis heute werden große Plätze und Wege aus Stein geschaffen. Das wird auch in Zukunft so sein, da die ungebundene Bauweise Vorteile für die Wasserableitung hat. In unseren Städten können Steinpflaster im Vergleich zu Asphalt zur Verbesserung des Klimas beitragen.

Worin liegt die größte Herausforderung, ein wirklich gutes Pflaster zu legen?

Die liegt beim Überwinden althergebrachter Denkweisen. Als ich zu lernen begann, hieß es: „Des hom ma imma scho so gmocht, so ghert des“. Das ist meines Erachtens ein Fehler. Es stimmt, dass alte Römerpflaster die Zeit überdauert haben. Allerdings verändern sich einfach viele Dinge. Es gibt mittlerweile immer heißere Sommer, die Winter sind vielleicht nicht mehr so kalt, zugleich wird immer mehr Salz gestreut. Und auch die Baustoffe entwickeln sich weiter.

Auf welche Projekte sind Sie besonders stolz?

Auf jedes einzelne. Jedes Projekt ist ein Unikat.

Warum denken Sie, ist Ihr Beruf heute so selten?

Ich glaube nicht, dass es an der Bezahlung liegt. Ich habe seit meiner Lehre immer schon ein wenig mehr verdient als mein Umfeld. Es sind eher die Umstände wie z.B. Toiletten auf der Baustelle oder das Wetter, was abschreckend wirkt. Dazu kommt noch, dass die Industrie mit Schichtarbeit guten Lohn bezahlt und die Leute damit anzieht, obwohl es ihnen vielleicht keinen Spaß macht.

Sie haben sich selbstständig gemacht, was bieten Sie?

Mein Schwerpunkt sind Platten für Terrassen. Aber ich stürze mich nicht nur selbst auf Baustellen, sondern gehe auch verstärkt in Richtung „Selbermachen“. Jeder ist heute froh, den einen oder anderen Euro durch Eigenleistung sparen zu können. Ich schnüre Pakete mit allem Material, Geräten und Hilfe, damit nichts schieflaufen kann.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihres Berufsstandes?

Dass der Beruf Pflasterer an die Jugend weitergegeben wird, anstatt zu sagen: „Lern wos Gscheites, do ruinierst dir nur das Kreuz“. Heute ist man in der Technik so weit, dass ein großer Teil der Arbeiten maschinell gemacht werden kann. Es gibt kaum einen Beruf, wo man seine Kreativität so ausleben kann wie in meinem. Und das Gefühl, wenn man sein erstes Pflaster selbst erschaffen hat, ist unbeschreiblich.

Tips sucht ...

Menschen in Steyr/Steyr-Land ... die sehr selten gewordene Traditionsberufe ausüben ... aktuell eine Lehre in einem altehrwürdigen Beruf machen und diesem neues Leben einhauchen... sich mit einem geschichtsträchtigen, kaum noch zu findenden Gewerbe selbstständig gemacht haben ... in ihrem Betrieb eine Nachfolge oder einen Lehrling für ein historisches Handwerk suchen.

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Kontakt: redaktion-steyr@tips.at Tel. 07252/71145-1743

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