"Menschen sollen sich umsorgt fühlen"
GARSTEN. Das EU-geförderte Projekt „Community Nurse“ ist im April neben Steyr auch in Garsten losgestartet. Knapp 20 Prozent in der Marktgemeinde sind 75 Jahre alt oder älter. Elisabeth Kohlgruber und Karina Peyrl stehen ihnen kostenlos für eine möglichst lange Eigenständigkeit zur Seite.

Im Alter tauchen Fragen und Hürden auf, an die man in jungen Jahren nicht im Traum gedacht hatte. Wer kauft für mich ein, wenn mich meine Füße nicht tragen? Wer hört zu, wenn ich nicht weiter weiß? Aber auch Angehörige stehen oft ganz plötzlich vor Herausforderungen: Wer sieht nach meinen hochbetagten Eltern, wenn ich es nicht schaffe?
„Sich umsorgt fühlen“
Mit der Übersetzung „Gemeindeschwester“ identifizieren sich Elisabeth Kohlgruber und Karina Peyrl nicht ganz, zumal der Begriff historisch negativ besetzt sei. Ihre Aufgabe ist ohnehin eine andere. Im April haben die diplomierten Krankenschwestern ihr Büro im Garster Getreidegasserl bezogen, um ein völlig neuartiges Angebot aufzubauen. „Die Menschen in der Gemeinde sollen sich umsorgt fühlen. Die Bedürfnisse können ganz unterschiedlich aussehen“, so die beiden.
Vorbeugende Hilfeleistung
Gut 6.600 Einwohner hat Garsten. 19 Prozent davon bilden jene Zielgruppe, um die sich Kohlgruber und Peyrl kümmern. Jedoch nicht im klassisch-pflegerischen Sinne. „Wir schauen: Was braucht die ältere Generation, was können die Menschen für sich selbst tun oder wo gibt es Versorgungslücken bzw. wie kann man sie schließen.“
Ein Beispiel: Die Tochter eines älteren Paares lebt in einem anderen Bundesland. Bisher waren die Eltern selbstständig, nun ist für sie der Einkauf beim Nahversorger kaum noch zu bewältigen. „Wir haben in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Adeg einen Weg gefunden, diese Familie über einen Lieferservice zu entlasten“, erklären die Community Nurses.
Erste Stütze
Kohlgruber und Peyrl unterstützen dabei, möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben zu können. „Wir können zum Beispiel beim altersgerechten Umgestalten des Zuhauses beraten, machen auf Behelfe aufmerksam und wissen auch, wen man einbindet, wenn pflegende Angehörige an ihre Grenze kommen“, so Kohlgruber. Auch die Belastung im Umgang mit neuen Situationen können die Nurses ein Stück weit abfedern: „Wenn zum Beispiel jemand bei der Verwahrung von Medikamenten oder bei der Verabreichung von Injektionen unsicher ist, kommen wir und helfen“, ergänzt Peyrl.
Keine Hauskrankenhilfe
Nicht zu verwechseln sind die Community Nurses mit der Hauskrankenhilfe. „Regelmäßige pflegerische Aufgaben zu übernehmen, ist uns nicht möglich.“ Durch die heute größer werdenden Distanzen zwischen den Lebensmittelpunkten von Eltern und Kindern sei eine Anlaufstelle wie ihre dennoch zunehmend wichtig. „Alte Menschen wollen generell möglichst lange selbstständig sein“, erklärt Kohlgruber.
Entscheidend sei, dass die Menschen frühzeitig auf die Community Nurses zukommen. „Wenn zum Beispiel jemand merkt: Aha, ich werde müder. Was kann ich tun, um möglichst lange gehfähig zu bleiben“, so Kohlgruber.
Bewusstsein für Gesundheit schaffen
Neben der Gruppe 75plus wollen die „Schwestern“ künftig genauso auf die jüngere Generation schauen und hinhören. „Nicht zuletzt nehmen psychische Erkrankungen zu. Wir möchten aufzeigen, was alles die eigene Gesundheit beeinflusst“, so Peyrl.
Ob beim Arzt, im Geschäft, in der Pfarre - die Community Nurses freuen sich, empfohlen zu werden. Das Angebot ist völlig kostenlos und von Montag bis Freitag gut erreichbar. Jeder wird zurückgerufen.
Kontakt: Tel. 0664/2354686, cn@garsten.ooe.gv.at
Zu den Personen
Elisabeth Kohlgruber (45), Garstnerin wohnhaft in St. Ulrich, drei Kinder. Langjährige Krankenschwester mit Erfahrung in den Bereichen Krankenhaus, Altenheim, psychosoziale Reha etc. Was sie am Projekt Community Nurse schätzt: „Ich habe große Freude am Entstehen von Neuem. Die Gemeinde Garsten hat von sich aus gesagt: Ja, die Versorgung der älteren Generation ist uns wichtig, das hat mich sofort angesprochen.“
Karina Peyrl (40), seit 15 Jahren in Dambach zuhause, drei Kinder. Hat sich als Jugendliche aus familiären Gründen für den Gesundheitsberuf entschieden. Arbeitete 20 Jahre auf der Dialyse am PEK Steyr. Was sie am Community Nursing schätzt: „Im Vordergrund steht eine ganzheitliches Bild von Gesundheit, das Körper, Geist und Seele einbezieht. Als persönliche Ansprechpartner nehmen wir uns Zeit, die an anderen Anlaufstellen für Gesundheit vielleicht oft fehlt.“


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