Als es im Ennstal Mautgebühren gab
BAD HALL. Seit Jahrzehnten ist Bad Hall Mitglied im Ring der Europäischen Schmiedestätte. Eine Delegation aus der Kurstadt reiste zu einem Treffen in die Toskana.

Heuer fand die alljährliche Generalversammlung dieser Vereinigung von 17 Städten aus ganz Europa in der Mitgliedsstadt Pratovecchio-Stia in der Toskana (Italien) statt. Neben dem traditionellen Erstellen eines gemeinsamen Schmiedeprojekts (einer Tür für das dortige Museum), wurde von den Bürgermeistern und Gemeindevertretern u.a. über die Zukunft des Schmiedestädterings, über die Konsequenzen des Ukraine-Kriegs und über die Bedrohungen des jeweiligen kulturellen Erbes beraten.
Gastgeber 2023
Im kommenden Jahr wird die Versammlung in Bad Hall stattfinden. „Wir freuen uns schon auf den internationalen Besuch in unserer Stadt. Schließlich sind diese intensiven Tage stets ein gelungenes Beispiel von gelebter Völkerverständigung und europäischer Einheit“, sagt Bürgermeister Bernhard Ruf. Der goldene Boden der Tradition ist die Wurzel für eine erfolgreiche und zeitgemäße Zukunft der Schmiedestädte. Mit Stolz auf die Tradition und mit dem Mut zur Moderne tauscht man sich international aus. Bewusst werden die jungen Gesellen gefördert, die auf der Walz diesen Austausch als alte Tradition leben - jede Schmiedestadt soll ihnen Heim und Arbeit bieten. Die Entwicklung touristischer Angebote und die Sicherung ihrer Vermarktung ist eines der Ziele, die sich der Verein „Ring der europäischen Schmiedestädte“ auf seine Fahnen geschrieben hat.
Transporte über Hall
In das Bild der Waffenschmiede in Hall fügt sich die Tatsache, dass Hall, ein bedeutendes Handwerks- und Handelszentrum im Mittelalter und Sitz von sieben redlichen Zünfte war und an den Straßen zwischen Steyr, Wels und Kirchdorf liegt. Bad Hall gehörte innerhalb der Eisenstraße zum Proviantbezirk der Eisenstadt Steyr. Eine Vielzahl von Mautgebühren im Ennstal waren der Grund dafür, dass viele Transporte über Hall, das Kremstal und den Pyhrnpass auswichen, womit auch die Frage nach den Transportwegen der Haller Hellebarden geklärt scheint.
Mitteleuropäische Schmiedekunst
Vor rund 400 Jahren war Bad Hall durch Pankraz Taller die bedeutendste Hellebardenschmiede Europas. Er schmiedete gemeinsam mit Peter Schreckseisen im Raume von Hall und Waldneukirchen Tausende von Hellebarden (Hieb- und Stichwaffen), die heute europaweit von Experten als bedeutende Zeugen mitteleuropäischer Schmiedekunst gelten. Die Steiermark rüstete um 1580 gegen die „mordenden und brennenden Türken“ auf. „Paradoxerweise gibt es in der gesamten Steiermark keinen einzigen Hellebardenschmied“. Das „Hellebardenzentrum“ befand sich zweifelsfrei im Haller Raum in den Werkstätten von Taller und Schreckseisen, die viele Großaufträge zu bewältigen hatten.
Ausstellungszentrum
Anlässlich der Landesausstellung 1998 „Land der Hämmer“ Heimat Eisenwurzen erhielt das Forum Hall einige Hellebarden von Pankraz Taller. Gleichzeitig fungierte Bad Hall als Ausstellungsort der internationalen Metallgestalterausstellung „Wetterhähne, Wetterfahnen“. Auf Grund der guten Lage im Städtedreieck Linz, Wels und Steyr wurde Bad Hall zum Ausstellungszentrum für Metallgestalter. Die Ausstellungen „Fantasien in Metall“ und „Tür und Tor“ waren Publikumsmagnete. Das Engagement der Kommune und die Fachkompetenz der Ausstellungen ermöglichte Bad Hall 2002 den Beitritt zum „Ring der europäischen Schmiedestätte“.


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