"Das nimmt sich niemand im Koffer nach Mallorca mit"
ASCHACH. Andreas Brandl ist Leiter der Öffentlichen Pfarrbücherei in Aschach. Im Interview erzählt er, wie die Digitalisierung Einzug hielt und was bei der Buchausstellung am 18. und 19. November geboten wird.

Lesen ist voll fad und Bücher interessieren niemanden mehr.
Andreas Brandl: Das ist zu differenzieren und so natürlich nicht richtig. Auf jeden Fall müssen mehr und mehr digitale Medien berücksichtigt werden, denn gerade im Sachbuchbereich ist mit Online-Formaten oftmalig eine bessere Aktualität gegeben. Andererseits sehen wir bei den Anfragen und Rückmeldungen unsere Kunden, den Bibliotheksnutzern und Lesern, dass es auch im Sachbuchbereich einen hohen Stellenwert hat, mit einem Buch etwas „in der Hand zu halten“ und Abbildungen oder Fotos gut gedruckt und großformatig ansehen zu können.
Und in der Belletristik ist die Nachfrage nach aktuellen Printexemplaren ebenfalls sehr hoch, selbst wenn die e-Book-Reader und Tablets inzwischen Einzug in das Lesevergnügen bieten. Und doch ist „Nimm und lies“ ein stehender Begriff, welcher kaum wo besser funktionieren würde als in einer Bibliothek.
Stichwort Aktualität.
Andreas Brandl: In unserer Bibliothek haben wir eine jährliche Erneuerungsrate von knapp zehn Prozent. Das heißt, von unseren sechs- bis siebentausend Medien, egal ob Bücher oder Spiele oder DVDs, wird jedes zehnte ausgeschieden und durch hochaktuelle Zugänge ersetzt. Auf diesem Weg können wir immer neu herausgekommene und nachgefragte Bücher anbieten.
Und die Digitalisierung?
Andreas Brandl: Das Lesen mittels eBook-Reader, Tablet oder auch am Handy ist Fakt. Gerade im Urlaub oder unterwegs hat diese Form ganz entschieden Vorteile. Dieser Tage haben wir den neuen Roman von Robert Galbraith, das ist das Pseudonym von J. K. Rowling, der Autorin der Harry Potter Romane, in den Bestand aufgenommen. Knapp 1.300 Seiten. Das nimmt sich niemand im Koffer nach Mallorca mit.
Wir unterstützen die digitalen Bibliotheken, indem wir unseren Lesern Zugang zu media2go, der online-Bücherei in Oberösterreich anbieten, in der weit über 30.000 Medien zur Entlehnung bereitstehen. Wir freuen uns aber noch mehr über jeden einzelnen Besucher, welcher persönlich zu uns in die Bücherei kommt.
Was wird sich in der nächsten Zeit in der Bücherei tun?
Andreas Brandl: Ganz herzlich einladen möchte ich zu unserer Buchausstellung, welche am 18. und 19. November gemeinsam mit der Buchhandlung Ennsthaler im Aschacher Martinshof stattfindet. Und vorher werden wir wie jedes Jahr zum Martinikirtag für die Kinder unseres Ortes wieder eine kleine Attraktion anbieten, dazu möchte ich aber noch nicht viel verraten.
Wie sieht es mit der langfristigen Entwicklung aus?
Andreas Brandl: Ich sehe die Bücherei ganz besonders als Vermittler von Printmedien und der Förderung von Lesekompetenz, wozu wir auch der Volksschule im Ort als verlässlicher Partner zur Verfügung stehen. Aber auch den älteren Kindern des Kindergartens möchten wir die Bücherei näherbringen, wozu wir zum Beispiel im Frühsommer zu einer Erlebnisveranstaltung rund um Dampfmaschinen eingeladen haben.
Längerfristig läuft gerade ein Projekt zur Umstellung auf eine zeitgemäße Büchereisoftware, welche nicht nur dem Team eine Erleichterung in der Bedienung, sondern auch unseren Lesern einen aktuelleren Zugang bieten wird. Der Wechsel dafür ist mit Jahreswechsel eingeplant.
Wie verbinden Sie Privates mit der Leidenschaft in der Bücherei?
Andreas Brandl: Generell wird Bibliothekaren eine Liebe zu Büchern eigen sein und zu Menschen auch, das trifft zumindest auf mich zu. Ich könnte aber den Bibliotheksbetrieb nicht unter einen Hut bringen, wenn ich nicht auf das Engagement des Teams zählen könnte. Herzlichen Dank an dieser Stelle an alle, welche in den Bibliotheken ihren ehrenamtlichen Dienst versehen. Und ganz privat: ich fahre gerne Motorrad und lade deshalb immer wieder zu Bücherei-Motorradwallfahrten ein. In diesem Rahmen waren wir schon in Mariazell, Admont oder Maria Taferl, was immer recht schöne Ausfahrten waren.
Was waren die letzten Highlights im Bibliotheksumfeld?
Andreas Brandl: Ganz besonders gefreut hat mich, dass heuer ein Kind aus unserem Ort als einer der Gewinner der landesweiten „Sommerferien-Leseinitiative“ ausgezeichnet wurde. Hier sieht man, dass der Blick über den Teller- und Ortsrand hinaus seinen Wert hat. Das zeigt sich auch auf Regionsebene, wo wir mit Kollegen aus anderen Büchereien regelmäßig zusammenkommen um uns austauschen oder bei bibliothekarischen Landes- oder Diözesanveranstaltungen.


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