Grenzgeschichten: Als es Johann Paul Löfler in das Mühlviertler Grenzland verschlug
Adalbert Stifter bezeichnete in der Erzählung „Der beschriebene Tännling“ seinen Geburtsort Oberplan als in Deutschböhmen gelegen. Zur Zeit der Monarchie trugen die auf tschechischer Seite gelegenen Böhmerwaldgebiete alle diesen Namen.

Sie waren aber nicht durch eine Staatsgrenze von Österreich getrennt, sondern besaßen die gleiche Währung und die gleichen Rechte und waren Österreicher. Der erste Bezirkshauptmann des Bezirkes Rohrbach, Franz Sama stammte aus Deutschböhmen, wie Adalbert Stifter. Daher gingen Mühlviertler zur Brautwerbung nach Böhmen und es kamen aus Deutschböhmen solche zu uns in die Mühlviertler Böhmerwaldgegend.
So ist es auch bei Johann Paul Löfler aus Friedberg im Böhmerwald zu verstehen, dass er eine reiche Braut im Weißenbachtal suchte und fand. Sie besaß ungefähr ein hundert Joch großes Bauerngut. Löfler als Bräutigam freute sich über diese glückliche Fügung. Die reiche Braut hatte bisher jede Werbung eines Einheimischen abgewiesen. Bald feierten die beiden ihre Hochzeit in Friedberg an der Moldau und bezogen hierauf den Hof im Weißenbachtal. Als erstes bauten sie ihren Wohnsitz aus, versahen die Frontseite mit einem Giebel, den sie mit einem Glockentürmchen krönten. Den beiden war das Glück stets hold, denn jedes Jahr schenkte die Gattin ihrem geliebten Gemahl ein Neugeborenes. Bei der vierten Geburt erlitt sie den Tod, wie es in dieser Zeit leider oft der Fall war. Johann Paul Löfler war untröstlich und weinte zehn Jahre lang um seine geliebte Gattin. In dieser langen Trauerzeit wuchsen die Halbwaisen bei seinen Eltern in Friedberg heran.
Als er sich nach zehn Jahren zu einer neuerlichen Verehelichung entschloss, holte er sich eine Frau aus der Familie Greipel und zwar die Schwester von Stifters Fanny, dessen einstmalige Geliebte. Adalbert Stifter, ein begeisterter Besucher des Böhmerwaldes, kehrte auf diesen Besuchsfahrten stets bei Löfler im Weißenbachtal zu, um mit Frau Löfler in den Erinnerungen an Fanny zu schwelgen.
Verfasser:Fritz Winkler


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden