Grenzgeschichten: Ein seltenes Fest im Böhmerwald
Aus Ulrichsberg am Böhmerwald ist bekannt, wie die erfolgreiche Jagd auf den letzten Bären dieser Gegend gefeiert wurde.

Der Reichtum an Wild im Böhmerwald war groß, darum war nicht jeder Erfolg eines Jägers wert, gefeiert zu werden. Diesmal war es ein erlegter Bär, der außerdem vom Pfarrer, einem Schlägler Chorherren, im Böhmerwald erlegt wurde. Dass es der letzte Bär sein sollte, wusste damals niemand. Aber allein der Pelz, der einem Klostermuseum zur Präparation verkauft werden sollte, und der Pfarrer als erfolgreicher Schütze sollten groß gefeiert zu werden.
Die letzten Bären des Böhmerwaldes wurden um das Jahr 1820 bis 1900 erlegt. Ihre Zahl war aber so klein, dass man zu Recht aus der Sensation ein Fest zu gestalten vermochte. Vom Tod des Bären soll allerdings eine große Traurigkeit entstanden sein. Als der aufrecht gut gehende Bär den Todesschuss erlitt, soll er unendlich gejammert haben, sodass selbst Jäger und Treiber gerührt waren. Die heftig blutende Todeswunde versuchte er mit Moos zu stillen. Vergebens. Erst als der Bär den letzten Zucker getan hatte, wagten sich die Jäger heran. Nun machte sich Jubel über das Jagdglück breit. Aus Ulrichsberg wurden Musikanten geholt. Diese spielten abwechselnd lustige Weisen. Dazwischen wurden Böller abgefeuert und gesungen. Als endlich sich die Jagdgesellschaft bei einem Wirt niederließ, feierten sie den erfolgreichen Schützen, ihren Pfarrer. Der Bär musste für ein Totenmahl herhalten, das nicht vor Mitternacht beendet werden durfte.
Bärenkräfte für die Jäger
Ein damals geübter Brauch war das Verspeisen der Zunge des Bären, die vom Gastwirt dem Tier entnommen und in heißem Butterschmalz geröstet wurde. Auf jeden anerkannten Jäger entfiel nur ein Bissen davon, Trotzdem glaubten die Verzehrer, dass dieses kleine Stücklein ihm zu Bärenkräften verhelfen könne.
Verfasser:Fritz Winkler


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