41 Stunden lang gelaufen
UNTERWEISSENBACH. 167 Kilometer und 7000 Höhenmeter in 41 Stunden laufen – Sigrid Huber ist Trailrunner und wurde Zweite in der Österreichischen Meisterschaft beim Via Natura 100 Meilen in der Steiermark.

„Ich bin immer schon viel gelaufen, bin bei Triathlons gestartet und viel Mountainbike gefahren“, sagt Huber. Bereits beim ersten Lauf (68 Kilometer) war sie von der Trailrunning-Szene begeistert. „In der Ultra Gemeinschaft sind alle locker und helfen sich gegenseitig. Vor allem in der Nacht ist man froh, wenn man nicht alleine laufen muss. Hier geht es nicht nur um die Zeit wie bei einem Marathon oder einem Triathlon. Das wichtigste ist ins Ziel zu kommen.“
Wegsuche und Bauchfleck
Der Via Natura war bisher Hubers längster Lauf. Gemeinsam mit Helmut Kastl aus Lasberg ging sie in Sankt Lambrecht (Steiermark) an den Start. Pünktlich um 18 Uhr fiel der Startschuss. „Bereits der erste Anstieg aufs Scharfe Eck war extrem steil, aber da waren wir noch energiegeladen“, erzählt Huber. Bei einem Kontrollblick auf die Uhr mit GPS stellte sie fest, dass sie sich verlaufen hatten. „Wir sind einige Male umhergeirrt, da die Markierungen so schlecht waren. Das hat viel Zeit und Kilometer gekostet.“ Mit Stirnlampe und Ausrüstung im Rucksack (Erste Hilfe Set, Handy, Ersatzschuhe, Wechselkleidung, Trinken, Essen) haben Huber und Kastl die erste Nacht gut überstanden. „Was ich von der ersten Nacht noch weiß, ist eine andauernde Wegsuche, ein Bauchfleck am Weg abwärts und ein erleichterndes Gefühl als es um 5 Uhr morgens wieder hell wurde.“ Das Hauptziel von Huber war, den Lauf bis ins Ziel durchzuhalten. „Die ersten elf Stunden vergingen extrem schnell und wir blieben von gröberer Müdigkeit verschont.“ Bei den Labstationen konnten sich die Läufer bei Suppe und Tee erholen. „Es ist wichtig von Anfang an genug zu trinken und essen, sonst hält man nicht durch.“ Weiter ging es über die Forstalpe, die Saualpe und einige Bergrücken.
15 Läufer kamen ins Ziel
„Nach 85 Kilometer hatte ich den ersten schweren Einbruch. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren und meine Augen wollten sich nicht mehr scharf stellen.“ Gegen 22.30 Uhr stiegen einige aus dem Rennen aus. Zu groß war die Erschöpfung und die schmerzenden Blasen und Muskeln. Von den 37 Startern erreichten nur 15 das Ziel. „Um 1 Uhr früh wurde mir eiskalt. Meinem Körper fehlte die Energie, um sich warm zu halten.“ Mit zwei T-Shirts, zwei Langarm-Thermo-Shirts, einer ärmellosen Windstopper-Jacke und zwei weiteren Windstopper-Regenjacken am Körper ging der Lauf weiter. „Beim letzten Stück hatten Heli und ich bereits Halluzinationen. Ich sah in jeder Wurzel und jedem Ast ein Tier und Heli hörte Musik, die gar nicht da war.“ Nach 41 Stunden laufen die beiden Hand in Hand ins Ziel ein.
300 Kilometer laufen
Huber trainiert zirka fünf bis sechs Mal in der Woche. „Das Wichtigste ist, dass es Spaß macht.“ Das Training versucht sie in ihren Alltag einzubauen. „Wenn wir zu zweit nach Freistadt gefahren sind, dann laufe ich nach Unterweißenbach heim. Auch den Johannesweg sind Huber und Kastl bereits gelaufen. Im August wollen die beiden beim PTL um das Mont Blanc Massiv (300 Kilometer und 28000 Höhenmeter) teilnehmen.
Trailrunning:
Trailrunning ist Laufen im Gelände, auf Forststraßen und Waldwegen. Aspahltstrecken kommen dabei so wenige wie möglich vor und dürfen nicht mehr als 20 Prozent der Strecke ausmachen. Verschiedene Distanzen zwischen zehn und 300 Kilometer werden gelaufen. Je mehr Höhenmeter gelaufen werden, desto anspruchsvoller sind die Strecken.


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