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UNTERWEITERSDORF. Die Eigenverantwortung der Frau zu fördern und sie ermutigen, wieder mehr auf ihren Körper zu horchen, ist das Ziel von Flowbirthing und von Karin Denkmaier, erste Flowbirthing-Mentorin Österreichs.

Flowbirthing-Mentorin Karin DenkmaierFoto: Karin Mayr Photography
Flowbirthing-Mentorin Karin DenkmaierFoto: Karin Mayr Photography

Unter Flowbirthing versteht man kurz zusammengefasst die mentale Geburtsvorbereitung. „Wir schauen uns in den Kursen Glaubenssätze an, Ängste, Sorgen und Blockaden zum Thema Geburt und Muttersein und wenden vor allem Übungen aus dem Mentaltraining an. Ziel ist es, die Urweiblichkeit wieder zu verstehen“, erklärt die 32-jährige Unterweitersdorferin Karin Denkmaier.

Entstehung der Ängste

Wurden vor mehreren tausend Jahren die Frauen noch als Lebensspenderinnen verehrt, haben sich in der Zeit der Hexenverbrennung große Ängste in den Frauen entwickelt. „Seitdem ist in unseren Köpfen drinnen, dass eine Geburt gefährlich ist.“ Diesem Gedanken möchte Denkmaier entgegenwirken.“In unserer Zeit sehen wir die Geburt als mechanischen Vorgang. Die Interventionsrate liegt schätzungsweise zwischen 85 und 90 Prozent bei den Geburten in Österreich, das ist eigentlich ein Wahnsinn“, sagt Denkmaier. „Frauen müssen darin gestärkt werden, dass es auch anders geht.“ Dabei will die Flowbirthing-Mentorin aber nicht die Arbeit der Ärzte und Hebammen schlecht reden. „Wir Mentorinnen sehen uns als Unterstützung zu den Hebammen und dass ärztliches Eingreifen und Kaiserschnitte oft unumgänglich sind, ist auch klar. Aber es wird oft vergessen, dass bei einer Geburt vieles im Unterbewusstsein abläuft, deshalb ist es wichtig, das Urvertrauen der Frauen wieder zu stärken.“

Wohlfühlatmosphäre ist entscheidend

Menschen unterscheiden sich demnach nicht von vielen Tieren, die ihre Jungen nur zur Welt bringen können, wenn sie sich absolut sicher und wohl fühlen. Bei Störungen wird der Geburtsvorgang solange unterbrochen, bis sich das Muttertier wieder in Sicherheit fühlt.“In der Menschenwelt bedeutet das nichts anderes. Die Frau soll vollkommen entspannt sein und sich sicher fühlen, so kann die Geburt ganz natürlich verlaufen. Es kann vorkommen, dass äußere Umstände oder anwesende Personen – bewusst oder unbewusst – die Frau blockieren. Das ist oft der Fall, wenn der Geburtsvorgang stecken bleibt und nichts mehr weitergeht“, sagt Denkmaier. In so einem Fall werde dann häufig medizinisch eingegriffen, obwohl es in manchen Fällen nur etwas Zeit und Ruhe brauche. „Der Körper weiß, was zu tun ist, es funktioniert. Aber man vertraut zu wenig auf die Frau und den natürlichen Ablauf.“

Selbstbestimmung fördern

Als Flowbirthing-Mentorin möchte Karin Denkmaier die Selbstbestimmung der Frauen, vor allem in den Krankenhäusern, fördern. „Man darf ruhig was sagen, wenn etwas für einen selbst vom Gefühl her gar nicht passt.“ Aber wir haben verlernt, auf unser Bauchgefühl zu hören, auch schon in der Schwangerschaft. Wir verlassen uns lieber auf Ultraschalluntersuchungen, als auf unseren Körper“, kritisiert die junge Mutter. „Heute wird schon viel zu viel standardmäßig gemacht und vorausgesetzt. Manche Untersuchungen sind aber gar nicht verpflichtend, sondern ganz und gar freiwillig – und dass eigentlich in der ganzen Schwangerschaft nur drei Ultraschalluntersuchungen empfohlen werden, wissen auch viele schwangere Frauen nicht.“

„Eine schmerzarme Geburt ist möglich“

Karin Denkmaier selbst hat ihr erstes Kind im Krankenhaus entbunden und plant beim nächsten Kind eine Hausgeburt. „Ich möchte, dass alle Frauen so eine schöne Geburt erleben, wie ich. Dieses Gefühl kann man nicht beschreiben. Ich habe mich noch nie so stark und unbesiegbar gefühlt, als in diesem Moment. Niemand kann dir etwas anhaben und man ist sehr stolz auf sich selbst, was man alles schaffen kann“, versucht die Unterweitersdorferin zu beschreiben. „Eine schmerzfreie Geburt ist möglich, man muss sich aber darauf einlassen.“ Denkmaier hilft den Frauen in ihren Workshops, die vorwiegend in den Familienbundzentren der Region angeboten werden, bei dieser Herausforderung. „Schlechte Erfahrungen belasten die Frauen lange Zeit. Wir arbeiten in den Kursen viel mit den Gedanken und ich helfe den Frauen dabei, positiv zu denken. Wir beschäftigen uns auch mit Ängsten, lassen sie zu, arbeiten sie aber auf.“Dass man sich aber nicht völlig ahnungslos – vor allem in der ersten Schwangerschaft – auf die Geburt einlassen soll, betont die Flowbirthing-Mentorin schon. „Eine gute Vorbereitung ist nie schlecht, aber noch wichtiger ist es, auf das Gefühl zu hören. Gar keine Vorbereitung ist auch nicht gut, schließlich ist es wichtig zu wissen, welche Möglichkeiten man hat.“


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