Der Herr der zwei Millionen Bienen
EIDENBERG. Für Bienen „schwärmt“ Manfred Pointner aus Eidenberg. „Mit diesen fleißigen Tieren blüht das Leben auf“, betont der Obmann des Imkervereins Neulichtenberg. Der 50-jährige Erwerbsimker ist selbst stolzer Besitzer von mehr als zwei Millionen Bienen und erklärt im Tips-Gespräch, wie er auf die nützlichen Insekten gekommen ist und warum diese so wertvoll sind.

Sein Elternhaus in der Gemeinde Eidenberg ist ein wahres Naturjuwel - nicht nur für Menschen, sondern auch für Bienen. Hier blühen unzählige Blumen, man setzt im Hause Pointner auf bestmögliche Selbstversorgung, vor allem in Hinblick auf Obst und Gemüse: „Genau deshalb hab ich vor vielen Jahren begonnen, hier auf der aufgelassenen Landwirtschaft einen Obstgarten anzulegen, es folgte ein Biotop (Teich), Wildhecken, viele Sträucher. Ich wollte, dass bei mir zuhause die Obstbäume schöne Früchte tragen - Äpfel, Birnen, Kirschen, Zwetschken, Pfirsiche - und wir als Familie das ganze Jahr über mit eigenem Obst versorgt sind. Das geht aber nur, wenn alles gut bestäubt wird - und hier kamen die Bienen ins Spiel“, blickt Manfred Pointner auf die letzten 16 Jahre zurück. Die Ausbildung zum Imker selbst hat er 2008 gemacht: „Für mich was das alles Neuland. Aller Anfang ist schwer, auch in der Imkerei. Ich musste ja erst lernen, wie so ein Bienenvolk tickt, wieviel Nahrung es braucht und wann kann man schon mit dem Schleudern beginnen kann.“
Der Imker von heute
Heute weiß der 50-Jährige das alles, ist er doch mittlerweile Erwerbsimker aus voller Überzeugung und bildet Interessierte auch gleich selbst zu Imkern aus: „Ich bin ein moderner Imker, nutze dazu auch das Internet, Youtube, besonders auch facebook. So kann man vor allem auch die Jungen erreichen.“ Viele Bienenfreunde und Imker schätzen das Hobby in der freien Natur, da sie hier handwerklich arbeiten können - zB. Holzkisten selber für die Bienen bauen. „Die Arbeit als Imker ist entschleunigend, sie entspannt, holt einen vom Alltagsstress runter. Ich bin da in einer eigenen Welt, weil ich mich voll konzentriere. Schnell schnell geht da mal gar nichts“, so Manfred Pointner.
„Ich beobachte die Bienen, sie faszinieren mich einfach“, gibt der 50-Jährige zu. Er selbst hat etwa 50 Stöcke zu je rund 40.000 Bienen - was ihn zum Halter von rund zwei Millionen Bienen macht. Die Bienen hat er teils zuhause, aber in erster Linie auch verteilt über das gesamte Gemeindegebiet von Eidenberg, etwa in Untergeng. Je nach Standort ist der Honigfluß sowie sein Geschmack auch ganz unterschiedlich. „Beim Honig ist das wie beim Wein, man schmeckt die Region heraus“, ist Pointner überzeugt. Auch seine Frau hat sechs eigene Stöcke und steht ihrem „Imkermeister“ unterstützend zur Seite.
Naturbegeisterte, Menschen mit einem eigenen Garten, von jung bis alt - Imkerei kennt heute eigentlich keine Grenzen mehr: „Viele meiner Kursteilnehmer wollen der Umwelt was Gutes tun, Bienen retten und sich selbst das Leben mit hochwertigem Honig versüßen“, spricht Pointner aus Erfahrung. Seine „Schüler“ sind momentan zwischen 25 und 62 Jahre alt, unterrichtet werden sie von ihm in Theorie und Praxis: „Voraussetzung ist, dass sie eine ca 20 - 25 kg schwere Honigzarge heben können und am besten auch keine Bienengiftallergie haben“, erklärt der Eidenberger und fügt bei: „Sollte wer allergisch reagieren, etwa mit einem Nesselausschlag, dann muss man sofort den Notruf wählen. Allerdings haben auch bei uns zwei bis drei Imker eine Bienengiftallergie, die wissen darüber Bescheid, haben dies im Griff.“
Vorbildhafte Biene
„Von Bienen kann der Mensch viel lernen. Sie geht sorgsam mit ihrer Arbeit um, sie sammelt fleißig, und alle Bienen helfen zusammen. Da gibt es keine Egoisten wie bei den Menschen, Bienen sind nur miteinander stark. Das Überleben des gesamten Volkes steht hier über allem“, ist der Imker beeindruckt. Prinzipiell sind Bienen harmlos, nur wenn sie sich bedroht fühlen, stechen sie zu - und opfern damit ihr eigenes Leben. „Bienen werden bei Geruch von menschlichem Schweiß oder einer Alkoholfahne aggressiv, da sollte man auf Abstand gehen und ja nicht herumfuchteln. Ein lauter Summ-Ton einer Biene gilt als Warnsignal“, so Pointner. Und was tun, wenn sie zusticht? „Stachel sofort raus ziehen, der gibt weiter Gift ab, auch wenn die Biene schon tot ist. Am besten dann gleich Spitzwegerich auflegen“, hat Pointner einen praktischen Tipp zur Hand, der selbst schon an einem Tag bis zu 50 Bienenstiche bei der Arbeit abbekommen hat. „Dann haben die Bienen keinen guten Tag und ich hör lieber auf“, sagt er schmunzelnd. Doch beim Tragen einer kompletten Imkerausrüstung muss man keine Sorgen haben: „Diese schützt wirklich gut, für den Imker ist sie nicht so heiß und die Farbe weiß wirkt auf Bienen neutral, während sie rot und schwarz gar nicht leiden können“, so Pointner, der den angehenden Imkern immer gute Kleidung empfiehlt: „Ein Mini-Rock ist hier auch bei ärgster Hitze nicht ratsam.“
Viele Vorteile
„Man bekommt die Jahreszeiten besser mit, man sieht wenn wo was blüht, sieht den Wetterverlauf und wie es der Natur allgemein geht“, so Pointner über die Vorteile seiner Leidenschaft und seines Berufes. „Und natürlich hat man ein tolles Endprodukt - man isst die Medizin aus dem Bienenstock“, berichtet der Imker. Die Luft aus dem Bienenstock ist voll mit Propolis, dies wirkt reinigend, antibakteriell auf die Atemwege: „Das ist ein natürliches Antibiotikum“, ist Pointner überzeugt. Auch dem Honig werden entzündungshemmende und antibakterielle Eigenschaften zugeschrieben, etwa bei kleinen Verletzungen, wie Abschürfungen, kann man ihn auch als natürliches Heilmittel direkt auf die Wunde auftragen. Selbst im Spital kommt ein eigener medizinischer Honig zum Einsatz. Und Oxymel, was man sich selbst zuhause richten kann, ist eine isotonische Arznei, bestehend aus hochwertigem Imkerhonig und naturtrübem Apfelessig. Es fördert die Verdauung und wirkt sich positiv auf den Magen aus“, so der Eidenberger, der noch viele weitere praktische Alltagstipps zum Einsatz und Verwendung von Honig weiß.
„Geht es der Biene gut, geht es der Natur gut“, bringt es Pointner abschließend auf den Point.


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