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Telefonseelsorge bietet Hilfe, wenn der Familienalltag zu viel wird

Leserartikel Kerschbaummayr Bernadette, 08.10.2025 14:00

BEZIRK. Pandemie, Klimakrise, Inflation, Kriege, Digitalisierung und persönliche Herausforderungen im Leben von Eltern und Kindern stellen auch viele Familien im Bezirk auf den Kopf. Als Anlaufstelle kann man rund um die Uhr, kostenlos, die Telefonseelsorge unter 142 – und auch via Chat – kontaktieren. Warum dies ein wichtiges Angebot ist, weiß auch Familienministerin Claudia Plakolm aus Walding.

Die OÖ. Telefonseelsorge bietet in Notsituationen Hilfe rund um die Uhr und ist auch per Messengerdienst erreichbar. (Foto: Symbolfoto: sitthiphong/stock.adobe.com)

„Eine seelisch gesunde Familie als sicherer Hafen und fixer Ankerpunkt ist das Fundament für ein glückliches Leben“, so Plakolm in einer Videobotschaft anlässlich des Welttags für psychische Gesundheit. Sie zeigte sich erfreut darüber, dass psychische Probleme in den vergangenen Jahren zunehmend enttabuisiert werden:“Es ist ermutigend zu sehen, dass immer mehr Menschen offen über seelische Belastungen sprechen und sich aktiv Hilfe holen. Das zeigt, dass Bewusstsein und Akzeptanz wachsen – und genau das brauchen wir, um psychische Gesundheit langfristig zu stärken.“

Unterstützung und Prävention

Plakolm würdigte in diesem Zusammenhang die Arbeit der TelefonSeelsorge OÖ – Notruf 142 als wichtige Anlaufstelle für Menschen in Krisen. Besonders Jugendliche würden von raschen, niederschwelligen Hilfsangeboten profitieren. Auch die verbandliche Jugendarbeit leiste laut Plakolm einen wichtigen Beitrag: „Vereine geben Halt, schaffen Sinn und soziale Stabilität – und wirken damit auch präventiv für die psychische Gesundheit.“

Fachliche Einblicke in Linz

Fachleute wie Psychotherapeutin Barbara Lanzerstorfer-Holzner, Silvia Breitwieser von der TelefonSeelsorge und Primaria Ellen Auer-Welsbach vom Kepler Universitätsklinikum gaben bei einer Pressekonferenz Einblicke in ihre Arbeit und stellten Wege zu mehr seelischer Gesundheit im Familienalltag vor. Lanzerstorfer-Holzner betonte, dass Eltern oft unter großem Druck stehen: „Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung, Haushalt und Partnerschaft müssen unter einen Hut gebracht werden – das ist für viele schlichtweg überfordernd.“ Wichtig sei, im Gespräch zu bleiben, aufeinander zu hören und auch eigene Bedürfnisse ernst zu nehmen. Gemeinsame Familienzeit und bewusste Mediennutzung könnten zur Entlastung beitragen. Primaria Auer-Welsbach verwies darauf, dass psychische Gesundheit „in Beziehungen wächst“. Kinder und Jugendliche bräuchten keine perfekten Eltern, sondern Menschen, „die zuhören, verstehen und Halt geben“. Rituale und Struktur seien entscheidend – nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene.

Tipps der Telefonseelsorge OÖ für Familien, um psychisch gesund zu bleiben

  • Selbstfürsorge der Eltern: Geht“s den Eltern gut, geht“s auch den Kindern gut. Wer auf sich selbst achtet, sorgt indirekt für das Wohl der ganzen Familie. Regelmäßig innehalten und fragen: „Wie geht“s mir? Was brauche ich gerade?“ – das stärkt. Perfektion ist kein Maßstab; Fehler sind erlaubt. Ein liebevoller Umgang mit sich selbst wirkt entspannend – auf alle. Ausreichend Schlaf, Bewegung, gute Ernährung und bewusste Pausen sind keine Kür, sondern Grundlage für Familienbalance.
  • Beziehungsmomente schaffen: Gemeinsame Zeit ist Familien-Klebstoff. Ob beim Essen, Spielen oder Kuscheln – solche Momente verbinden. Wichtig ist echtes Zuhören, Interesse zeigen, ohne zu bewerten. Emotionale Präsenz zählt mehr als Perfektion – und manchmal bedeutet das: Handy weg, Blickkontakt an.
  • Medienkonsum reflektieren: Eltern prägen den Umgang mit Medien. Wer bewusst vorlebt, zeigt Kindern Orientierung. Handyfreie Zonen – etwa beim Essen oder im Schlafzimmer – schaffen Raum für echtes Miteinander. Auch feste Bildschirmpausen und das Löschen unnötiger Apps tun gut. Social Media darf dazugehören – aber bewusst und mit Maß.
  • Gefühle wahrnehmen und ansprechen: Gefühle sind erlaubt – bei Kindern wie bei Eltern. Wer eigene Sorgen und Ängste wahrnimmt und ruhig reguliert, bleibt handlungsfähig. Kinder dürfen sehen, dass auch Erwachsene mal traurig oder unsicher sind. Über Emotionen zu sprechen stärkt Vertrauen, Nähe und die Fähigkeit, mit Gefühlen umzugehen.
  • Konflikte und Brüche ansprechen: Streit gehört zum Leben. Wichtig ist, fair zu bleiben, zuzuhören und Konflikte nicht zu verdrängen. Eine ehrliche Entschuldigung wirkt oft Wunder. Besonders bei Trennung oder Krisen hilft Offenheit – Kinder brauchen Klarheit und Respekt zwischen den Erwachsenen, um sich sicher zu fühlen.
  • Psychische Gesundheit durch Beziehungen stärken: Kinder brauchen keine perfekten Eltern, sondern Menschen mit Herz, die da sind. Rituale, Routinen und liebevolle Strukturen geben Halt. Und: Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche – sondern von Stärke. Beziehungen sind das Fundament psychischer Gesundheit – für Kinder wie Erwachsene.

Hilfe rund um die Uhr

Hilfe annehmen ist kein Zeichen von Schwäche, das Elterntelefon und die TelefonSeelsorge OÖ sind unter dem Notruf 142 rund um die Uhr, anonym und kostenlos erreichbar. Kontaktaufnahme ist auch online unter www.onlineberatung-telefonseelsorge.at oder per Messenger (0660 / 142 0 142) möglich.

Das Elterntelefon und die TelefonSeelsorge OÖ sind unter dem Notruf 142 rund um die Uhr, anonym und kostenlos erreichbar. Kontaktaufnahme ist auch online unter www.onlineberatung-telefonseelsorge.at oder per Messenger unter 0660 / 142 0 142 möglich.

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