Eine Künstlerin aus Ottensheim, die ihre Bilder näht
OTTENSHEIM. Gerlinde Merl aus Ottensheim ist seit 30 Jahren als freischaffende Kunstpädagogin tätig. Was sie von vielen anderen Künstlern unterscheidet, ist die Tatsache, dass es sich bei ihren Werken um genähte Bilder handelt. „Ich male mit der Nähmaschine“, so die 66-Jährige. Zu sehen sind ihre Kreationen im Zuge einer Ausstellung in der Raiba Ottensheim ab 3. November bis 15. Jänner.

Womit sie sich künstlerisch genau beschäftigt? „Die Stoffe, mit denen ich arbeite, färbe ich händisch. Jedes Stück ist ein Unikat und aus der Region. Ich kaufe sie in Mühlviertler Webereien. Ich fertige Wandbilder aus meinen handgefärbten Stoffen“, erklärt die Ottensheimerin, die besonders viel Wert auf hochwertige Materialien legt. Sie ergänzt: „Mein Beruf ist für mich Berufung, deswegen werde ich auch nie in Pension gehen. Meine Arbeit, meine Kunst, meine Farben sind für mich eine wunderbare Möglichkeit mich auszudrücken“, so die Kunstpädagogin.
Und so wie Maler ihre Bilder malen, näht Merl ihre Werke. Sie habe schon als kleines Mädchen gern genäht, mit der Hand und mit der Nähmaschine. Dabei fertigte sie etwa Kleider für ihre Puppen an. Als Teenager folgten genähte Patchworkdecken. Genäht wird heute auch noch fleißig. Beispielsweise, wenn es um die eigene Kleidung geht oder eben um ihre Kunstwerke, wo Stoffe zu Bildern vernäht werden.
Ausstellung ab 3. November
Die Ausstellung unter dem Titel „Textile Kunst“ befindet sich ab Dienstag, 3. November, im Foyer der Raiba Ottensheim (Hostauerstraße 31) und ist jederzeit zu besichtigen. Mehr als 20 Werke werden präsentiert. Der Eintritt ist frei. Interessierte können auch direkt mit Merl einen Besichtigungstermin telefonisch unter der Nummer 0699 11184782 vereinbaren.
Künstlerische Nahversorgung
Merl studierte Kunsttherapie und Pädagogik. Hauptberuflich hat sie heute gleich mehrere künstlerische Standbeine. Als Referentin an den Pädagogischen Hochschulen bietet sie Seminare für Lehrer an, die Textile Werkerziehung unterrichten. Zudem leitet sie in verschiedenen Fortbildungseinrichtungen in Oberösterreich Seminare für jene, die sich für textile Techniken interessieren – etwa im Haus der Frau Linz oder im Bildungshaus St. Magdalena. „Meine Seminare sind für jedes Alter“, so Merl, die auch Kunstprojekte an Schulen erarbeitet. Kunsttherapieprojekte an der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Linz zählen genauso zu ihrem künstlerischen Tätigkeitsfeld wie die Arbeit als Referentin für Kunsttherapiestudenten. Sie engagiert sich auch dafür, Künstler in die Schulen und direkt in die Klassenzimmer zu holen, um Kinder für kreative Handarbeit zu begeistern.
Olympia-Feeling
Ihren größten künstlerischen Erfolg erzielte sie 2002 im Bundesstaat Utah in den Vereinigten Staaten: „In Salt Lake City waren damals die Olympischen Winterspiele. Als Rahmenveranstaltung wurde ein internationaler Patchwork- und Quiltingwettbewerb ausgeschrieben. Ich bewarb mich mit einem textilen Wandbild mit dem Gedanken ,Dabeisein ist alles' und wurde in der modernen Kategorie Dritte. Es war für mich das berufliche Sprungbrett und die wichtigste berufliche Station meines Lebens. Dies alles jährt sich im Februar 2027 zum 25. Mal“, berichtet Merl.








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