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AMPFLWANG/H. Anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust gibt es im Brecher Buchleiten eine Gedenkveranstaltung für Oskar Grüner, der am 23. Jänner 1931 in Ampflwang geboren und im Oktober 1944 in Auschwitz ermordert wurde. Die Familie Grüner hatte in Ampflwang ein Kaufgeschäft betrieben.

Das ehemalige Kaufhaus Grüner in Ampflwang (Foto: Sammlung Hannes Koch Ampflwang und Ried/I.)
Das ehemalige Kaufhaus Grüner in Ampflwang (Foto: Sammlung Hannes Koch Ampflwang und Ried/I.)

Ende 1929 erwarb der aus Ottnang stammende Kaufmann Rudolf Grüner, geb. 1895 in Schörfling, mit seiner Frau Josefine, geb. Weiner das Haus Ampflwang Nr. 49, heute Vöcklabrucker Straße 9, um hier einen Gemischtwarenhandel zu eröffnen. Ampflwang war durch den Bergbau und ab 1926/27 speziell durch die Errichtung der modernen Kohlenaufbereitungsanlagen der Wolfsegg-Traunthaler Kohlenwerks AG enorm gewachsen. Rudolf und Josefine führten bis 1938 ihr Geschäft neben einigen alteingesessenen Kaufgeschäften recht erfolgreich. Rudolf war ein sozial eingestellter, anständiger Geschäftsmann, der Kunden auch anschreiben ließ.  Am 23. Januar 1931 wurde Sohn Oskar in Ampflwang geboren. Das Kindermädchen, das von 1933 bis 1938 Oskar Grüner betreute, beschrieb den Jungen als „lieben Buam“, der aufgrund des gutgehenden Geschäftes seiner Eltern auch mal ins Kino gehen durfte und Musikunterricht hatte. Auch seine Schulkollegen, die mit ihm im Schuljahr 1937/38 nur kurz in der 1. Klasse waren, beschrieben ihn als unauffälligen und netten Jungen.

Anschluss brachte unendliches Leid für die Familie Grüner

Der Anschluss Österreichs an das Dritte Reich änderte alles. Die 1935 erlassenen nationalsozialistischen Rassegesetze, die sog. „Nürnberger Gesetze“, die nun auch in Österreich galten, machten aus Oskar einen Volljuden, der aufgrund der Abstammung seiner Eltern nun nicht mehr zur sog. „Deutschen Volksgemeinschaft“ gehörte. Er musste die Schule umgehend verlassen und wurde gemeinsam mit seiner Familie aus Oberösterreich ausgewiesen. Das Haus wurde zu Gunsten des Landes enteignet und das Geschäft, das unter sog. Kommissarische Verwaltung gestellt wurde, musste an den durch Adolf Eichmann erdachten Auswanderungsfonds überschrieben werden. Rudolf Grüner, der umgehend ins Konzentrationslager gesteckt wurde, kam nur unter der Bedingung auszuwandern wieder frei. Beim Versuch die Auswanderung seiner Familie zu organisieren, haben ihn italienische Faschisten inhaftiert. In Wien war inzwischen die gesamte Familie Grüner in einer Sammelwohnung für Juden untergebracht, in der 1941 Josefine, erst 43 Jahre alt, verstarb. Ein ehemaliger Schulkollege Oskars erzählte, dass es rund um Ihren Todeszeitpunkt das Gerücht gab, Josefine sei erdrosselt worden.

Oskar, der dies miterleben musste und dessen Vater wie dargestellt in Italien festsaß, wurde von seiner Tante Ernestine Flieger, geb. Grüner, die ebenfalls mit ihrer kleinen Tochter Judis in der Sammelwohnung untergebracht war, betreut. Am ersten April 1943 erfolgte die Deportation von Oskar Grüner, gemeinsam mit seiner Cousine Judis und seiner Tante Ernestine sowie Onkel Siegmund in das Ghettolager Theresienstadt, von wo er mit seiner Tante und Cousine am 6. Oktober 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gebracht wurden, um sie dort durch Zyklon-B zu ersticken. Am jüdischen Friedhof in Linz erinnert eine Zusatzplatte am Grabstein seines Vaters an diesen zum Zeitpunkt seines Todes 13 Jahre alten Jungen, seine Tante und seine Cousine.

In Ampflwang erinnert nichts an ihn und seine Familie. Aus diesem Grund gibt es am 27. Januar 2023, 19 Uhr, am Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, im Brecher Buchleiten in Ampflwang erstmals eine Gedenkveranstaltung der Gemeinde unter der Beteiligung der Mittelschule Ampflwang und der Musikschule zur Erinnerung an deren Schicksal und das Unrecht, das ihnen angetan wurde.


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