Trotz Corona-Virus-Krise immer noch in Tansania

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Martina Ebner Martina Ebner, Tips Redaktion, 29.03.2020 12:15 Uhr

BEZIRK VÖCKLABRUCK/GMUNDEN. „Mir geht es gut“, schreibt Sandra Zeilinger. Sie brach Anfang des Jahres zu einer Weltreise auf, befindet sich – trotz der Corona-Virus-Krise - noch immer in Tansania (Afrika). Die ausgebildete Mechatronikerin aus Scharnstein hatte im vergangenen Jahr ihren Job in Timelkam gekündigt.

Zeilinger flog im Jänner nach Tansania, ist seither im Dorf Kibwigwa, wo sie in einer Schule mithilft. Diese Schule wurde vor einigen Tagen, nach einer Verlautbarung des Prime Ministers,  geschlossen. Mehr als 330 Studenten wurden mit Bussen zu ihren Familien heimgebracht. 

„Die große Herausforderung ist jetzt, das ganze gepflanzte Gemüse, um das man sich gemeinsam gekümmert hat, weiter zu pflegen, und zwar mit weniger als 30 Lehrern. Natürlich muss auch alles gegossen werden, denn die Trockenzeit steht an“, schreibt sie an Tips Vöcklabruck.

„Mein Immunsystem ist sehr stark“

Angst, krank zu werden, hat sie nicht, denn: „Mein Immunsystem ist sehr stark, würde ich behaupten.“ In Tansania werde eigentlich nur über das Corona-Virus gescherzt  und alles auf die leichte Schulter genommen. „Nachdem ich die Ausmaße von zuhause, wie Hamsterkäufe und Ausgangsbeschränkung, kenne, ist mir mehr bewusst, was da auf der anderen Halbkugel so läuft.“

Tips: Wie schaut die Lage bzgl. Corona vor Ort aus? Gibt es Panik? Genug Lebensmittel?

Sandra Zeilinger: Panik gibt es keine. Die meisten nehmen es auf die leichte Schulter. Das Ausmaß in anderen Regionen oder Ländern ist niemandem wirklich bewusst. Hier werden keine Hamsterkäufe gemacht, es gibt Märkte da stehen die Bauern der Umgebung und verkaufen das eigene Gemüse, Obst oder Fleisch. Es gibt keinen Kühlschrank, keine Gefriertruhe, keine Fertiggerichte.

Tips: Sie bleiben also mit den Lehrern gemeinsam in der Schule?

Zeilinger: Ja, alle Lehrer bleiben an der Schule und auch die Arbeiter, die sich um die Tiere kümmern, sowie die Köche. Und ich werde mit ihnen hier bleiben.

Keine großen Änderungen

Tips: Ist dort Kontaktverbot untereinander? Isolieren Sie sich selbst, oder wie muss man sich das vorstellen?

Zeilinger: Wir hatten ein vierstündiges Meeting, in dem alles besprochen wurde, wie die Aufgaben verteilt werden und so weiter. Nach der Frage von einem Lehrer (seine Familie kommt aus der Hauptstadt), ob wir vielleicht Handschuhe und Schutzmasken verwenden sollten, wurde nur gelacht und gescherzt. Kontaktverbot oder ähnliches gibt es nicht. Die meisten Lehrer kennen sich schon lange und verstehen sich gut. Somit besteht auch des Öfteren Körperkontakt, der nicht eingestellt wird. Ich lebe mein Leben ganz normal weiter. Versuche mich nicht verrückt zu machen. Wenn ich das nächste Monat alleine und isoliert in einem Zimmer abwarten würde, hätte ich Angst, durchzudrehen. Wir werden gemeinsam auf den Feldern arbeiten, gemeinsam kochen und keine großen Änderungen vornehmen, nur die Studenten sind nicht da.

Tips: Habt Ihr genug Wasser?

Zeilinger: Wasserknappheit besteht keine. Für die Farm müssen wir das Wasser vom Fluss holen. Und zum Trinken verwende ich abgefülltes Wasser in 20 Liter Gallonen.

„Ich kann hier bleiben für die nächste Zeit.“

Tips: Wollen Sie nach Österreich zurückkommen?

Zeilinger: Ich weiß nicht, ob es überhaupt möglich wäre, noch nach Hause zu kommen. Meiner Meinung ist es verantwortungslos, jetzt herumzureisen. Ich möchte nicht diejenige sein, die ein ganzes Bergdorf ohne Gesundheitssystem infiziert.  Ich kann hier bleiben für die nächste Zeit. Werde versuchen müssen, mein Visum zu verlängern, denn das läuft Anfang April aus.

Tips: Wo müssten Sie hinreisen, um Ihr Visum zu verlängern?

Zeilinger: Kibwigwa liegt in der Nähe von Burundi, Luftlinie zirka 2 Kilometer. Für das Verlängern meines Visums muss ich keine große Reise auf mich nehmen. Wenn es wirklich so einfach funktioniert, wie es mir gesagt wurde, dann ist es was auf zwei Stunden.

Tips: Sind Sie über die Lage in Österreich informiert? Haben Sie Kontakt zu Familie und Freunden?

Zeilinger: Freunde und Familie halten mich am Laufenden, wie der Zustand Zuhause ist. 

„Ich schaue positiv in die Zukunft.“

Tips: Wie halten Sie von den Maßnahmen in Österreich?

Zeilinger: Die Ausnahmesituation in Österreich habe ich auf Fotos gesehen. Die leeren Geschäfte machen mir Angst. 

Tips: Möchten Sie nicht zurück zur Familie in dieser Krise?

Zeilinger: Ich bin traurig, in dieser Zeit nicht mit meiner Familie zusammen zu sein. Ich weiß, dass es besser für mich und die Menschen in meiner Umgebung ist, nicht nach Hause zu reisen. Ich bin zuversichtlich, dass das ein saisonaler Virus ist und sich in einiger Zeit alles zu Guten wenden wird. Ich schaue positiv in die Zukunft.

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