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MONDSEE. Ab 1. September wird Reinhard Bell neuer Pfarrer in der Marktgemeinde. Er folgt damit Ernst Wageneder nach, der sich nach Salzburg verabschiedet. Tips bat Bell zum Interview.

Pfarrer Reinhard Bell Foto: Pfarre St. Martin
Pfarrer Reinhard Bell Foto: Pfarre St. Martin

Tips:Was wird in Mondsee die neue Herausforderung für Sie werden?

Pfarrer Reinhard Bell: Alles und alle sind neu! Die Seelsorge der einheimischen Bevölkerung und Tourismus (Wallfahrts-Seelsorge) miteinander in Einklang zu bringen. Ein harmonisches Miteinander mit den Haupt- und den vielen Ehrenamtlichen, dass sie Anerkennung und Wertschätzung erfahren und spüren, dass sie mit den Anliegen zum Pfarrer kommen können und ernst genommen werden. Da es in Zukunft keinen Kaplan (hauptamtlichen 2. Priester) mehr gibt, wird die Pfarrbevölkerung noch mehr auf nicht priesterliche Gottesdienst-Formen vorzubereiten sein, die dann hoffentlich angenommen werden, da das überall in der österreichischen Kirche die Zukunft sein wird.

Zuerst zählt der Mensch 

Tips: Wie würden Sie sich selbst als Person und als Seelsorger beschreiben?

Bell: Ich bin einer, der die Menschen mag, für sie da sein will, ihre Sorgen und Nöte teilt. Für mich zählt zuerst der Mensch, gleichgültig, ob er in ein typisch kirchliches bzw. katholisches Schema passt.

Tips: Die Corona-Pandemie ist auch für die Kirche nicht einfach. Wie kann man trotzdem Christsein leben? Was würden Sie den Leuten gerne mit auf den Weg geben in diesen schweren Zeiten?

Bell: Zum Christsein gehören auch das Kreuz und das Leid – es annehmen und wirklich auf die Hilfe Gottes vertrauen, nicht zu resignieren. In der Krise kann und soll sich der Glaube bewähren. Wir dürfen keine Schönwetter-Christen sein, die die Zelte abbrechen, wenn es zu regnen beginnt. Das Gottvertrauen ist keine leere Floskel, sondern für die aus dem Glauben lebenden Christen eine Wahrheit, die, wenn sie gelebt wird, Halt gibt! So können wir einander beistehen.

Qualität vor Quantität

Tips: Sie haben selbst auch schon Erfahrung mit dem Corona-Virus gemacht. Wie ging es Ihnen dabei und welche Lehren haben Sie daraus gezogen?

Bell: In Oberösterreich war ich der erste Priester mit schwerem Corona-Verlauf. In dieser Zeit habe ich sehr viel Anteilnahme und Zuspruch erfahren. Vor meiner Erkrankung habe ich eine Grippe verschleppt und war daher schon sehr geschwächt, vielleicht auch durch zu viel Stress. Die Konsequenzen, die ich daraus ziehen will: Was ist für mein Leben wesentlich und auch für meine Arbeit als Priester? Manchmal ist weniger mehr! Qualität vor Quantität.

Vollkommen vorurteilsfrei

Tips:Kennen Sie Mondsee und warum wollten Sie von St. Martin ins Mondseeland wechseln?

Bell: Ich kenne Mondsee bisher kaum, habe in der Vergangenheit, wenn ich mich recht erinnere, zweimal eine Hochzeit gefeiert. Von da her ist, wie bereits erwähnt, alles neu! So komme ich vollkommen vorurteilsfrei, es ist für mich ein völliger Neubeginn. Schon seit längerer Zeit trage ich den Gedanken in mir, noch einmal die Pfarrstelle zu wechseln. Dass es letztendlich Mondsee geworden ist, ist mir im wahrsten Sinne des Wortes zugefallen. Ich freue mich umso mehr, in diese besondere Pfarre kommen zu dürfen, wenngleich mir bewusst ist, welch eine herausfordernde Aufgabe sich mir stellen wird. Von da her braucht es nicht nur meinen guten Willen, sondern auch das Annehmen vonseiten der Pfarrbevölkerung und besonders derer, die mit mir zusammenarbeiten werden.

Lebenslauf: geboren 1963 in Wels, aufgewachsen in Marchtrenk, 1978 bis 1981 Lehre als Elektrokaufmann mit Lehrabschlussprüfung zum Einzelhandels-Kaufmann, 1981 Eintritt als Novize in das Benediktinerstift Kremsmünster (Zugehörigkeit zum Kloster bis Sommer 1985), 1982 bis 1985 Absolvent der Rel. Päd. Akademie zum Religionslehrer für Volksschule und Hauptschule, 1985 bis 1986 Religionslehrer in der Sonderschule und Hauptschule Braunau, 1986 Eintritt ins Linzer Priesterseminar und Beginn des Theologie-Studiums an der heutigen KTU in Linz, 1988 Studienberechtigungsprüfung, 1988 bis 1989 Seelsorge-Praktikum in der Pfarre Linz-Kleinmünchen St. Quirinus, 1989 Eintritt in das Augustiner Chorherren Stift St. Florian, 1991 Sponsion zum Mag. der Theologie, 1991 bis 1992 Pastoral-Lehrgang in Linz, zugleich Diakonatsjahr in der Pfarre Ansfelden, 1992 Diakonatsweihe im Stift St. Florian, 1992 Ewige Profess im Stift St. Florian, 1992 Priesterweihe im Stift St. Florian, 1992 bis 2002 Kaplan in der Pfarre Linz-Kleinmünchen St. Quirinus, 2002 bis 2006 Pfarrer von Linz-Ebelsberg, 2006 bis August 2021 Pfarrer von St. Martin im Mühlkreis und Expositus von Lacken, 2007 bis 2015 Dechant vom Dekanat St. Johann am Wimberg, bis 2020 insgesamt 30 Jahre Religionslehrer an verschiedenen Schulen (z.B. auch Krankenpflegeschule der Barmherzigen Schwestern in Linz und vor allem in den Einsatz-Pfarren als Priester)


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