„Wenn auch in Maske und Schild, wir wollen für Menschen da sein“
BEZIRK VÖCKLABRUCK. 1.400 Rotkreuz-Mitarbeiter im Bezirk leisteten im Vorjahr knapp 230.000 freiwillige Arbeitsstunden. Viele zusätzliche Aufgaben kamen durch den Kampf gegen die Covid-19-Pandemie hinzu.

Das Rote Kreuz hat neue Hygienekonzepte erarbeitet, nahezu alle Abläufe umstellen und entsprechende Maßnahmen ergreifen müssen. Überdies liegt der gesellige Teil des Vereinslebens seit mittlerweile mehr als einem Jahr quasi brach. Auch so manches Angebot für die Bevölkerung musste das Rote Kreuz aussetzen.
Beeindruckende Disziplin
„Die Bedeutung des Roten Kreuzes ist unbestritten. In der Pandemiezeit haben sich die Mitarbeiter als Rückgrat erwiesen“, so Bezirkshauptmann Johannes Beer, Bezirksstellenleiter des Roten Kreuzes. Das Aufkommen an Einsätzen sei massiv. Hinzu kommen noch viele Tätigkeiten wie Besuchsdienste oder Essen auf Rädern. Vöcklabruck war der erste Bezirk, der einen Drive-in für Testungen installiert hat. Auch die großangelegte Testaktion vor Weihnachten wurde kurzfristig auf die Beine gestellt. „Beeindruckend, wie diszipliniert alles mitgetragen wurde – auch die Schutz- und Hygienemaßnahmen.“
Trotz widriger Umstände leisteten die freiwilligen Mitarbeiter 2020 knapp 230.000 Stunden beim Roten Kreuz, an die 53.000 Stunden davon für Tätigkeiten im Rahmen der Coronavirus-Pandemie. „Ich bin sehr stolz auf die Kraft der Freiwilligkeit, auf die Hilfsbereitschaft und dieses starke Zeichen der Solidarität und Mitmenschlichkeit“, so Bezirksrettungskommandant und Bezirksgeschäftsleiter Gerald Schuster.
Andauernde Krisensituation
Vor Corona sei die Krise als vorübergehender, zeitlich begrenzter Ausnahmezustand definiert gewesen – beispielsweise ein Großereignis wie eine Massenkarambolage oder auch eine Hochwasserkatastrophe. Neu ist eine Krise, die die Einsatzorganisation über ein Jahr lang einem Stresstest aussetzt. Die Flexibilität und Menschlichkeit jedes Einzelnen mache die Schlagkraft aus. „Wenn auch in Maske und Schild, wir wollen für die Menschen da sein“, bringt es Schuster auf den Punkt.
Das Rote Kreuz wird künftig auch bei der Impfung der Bevölkerung federführend sein. Hauptstandort ist die Reva-Halle in Vöcklabruck. Derzeit werden dort (bei vier Terminen pro Woche) pro Tag 560 Impfungen durchgeführt.
„Einschneidendes und schmerzhaftes Jahr“
Von einem „einschneidenden und schmerzhaften Jahr“ berichtet Gabi Reither, Leiterin des Seniorenzentrums Regauer Lauben. Die ältere Generation habe den Lockdown und die Isolation besonders gespürt. Besuchsverbote in Seniorenheimen, nachlassende Mobilität, Ängste, Mutlosigkeit führen zu Vereinsamung. „Der Austausch fehlt, den ganzen Tag vor dem Fernseher zu sitzen, ist nicht sehr anregend“, so Reither. Mit dem weggefallenen Kontakt zu vielen Familienmitgliedern falle viel Lebensfreude weg. Auch die digitalen Medien könnten wegen meist fehlender Kenntnisse im Umgang keinen Ersatz bieten. Initiativen wie Brieffreundschaften, Einzelgespräche zum Austausch und 5er-Treffs (Motto „Hilfe für die Seele“) würden im Seniorenzentrum gerne und intensiv angenommen.
Das Rote Kreuz – mit Herzblut Solidarität und Humanität leben
Das Rote Kreuz ist da, um zu helfen. Geleitet vom inneren Antrieb, der Liebe zu den Mitmenschen, leistet es Hilfestellung in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen und Notlagen. Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität prägen dabei das Handeln des Roten Kreuzes.
Besuchsdienst
Der Besuchsdienst ist für Menschen da, die entweder allein und einsam sind oder deren pflegende Angehörige Entlastung brauchen: 281 freiwillige Mitarbeiter machten fast 1.800 Besuche bei rund 170 betreute Klienten.
Betreubares Wohnen
Das Rote Kreuz bietet in Kooperation mit einigen Gemeinden barrierefreie und behindertengerechte Wohnungen, Rufhilfe und Betreuung durch das Rote Kreuz inkludiert. Die Mieter können selbständig, selbstbestimmt und eigenverantwortlich wohnen so lange es ihnen möglich ist. Es gibt 58 Wohnungen an fünf Standorten.
Betreutes Reisen
Von Fachpersonal begleitet können interessierte Senioren ebenso Ausflüge unternehmen, wie auch international auf Reisen gehen. Jedes Jahr gibt es neue attraktive Angebote. 2020 war leider keine betreute Reise möglich.
Essen auf Rädern
Essen auf Rädern bringt einmal am Tag eine warme, gesunde Mahlzeit. Es gibt im Bezirk 63 Klienten, die im Vorjahr rund 5.400 Portionen Essen zugestellt bekommen haben.
Rufhilfe
Mit der Rufhilfe am Handgelenk ist es vielen Menschen möglich, trotz körperlicher Einschränkungen noch lange selbstbestimmt und autonom zu leben. Im Falle eines Sturzes können sie über die installierte Rufhilfe sofort Kontakt aufnehmen mit dem Roten Kreuz und um Hilfe ansuchen. Derzeit gibt es 1.436 Klienten.
Rotkreuz-Markt
In Vöcklamarkt bietet das Rote Kreuz eine wichtige Einkaufsmöglichkeit für Menschen mit geringem Einkommen. 150 Klienten tätigten dort 3.600 Einkäufe.
Sozialbegleitung
Die Sozialbegleitung ist eine Unterstützung für Menschen in schwierigen sozialen Notlagen. Das Ziel dabei ist es, Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten, sodass die Selbsthilfefähigkeit der Personen gestärkt wird und diese Unterstützung nur temporär zum Einsatz kommt. Im Jahr 2020 bestand kein Bedarf an Sozialbegleitung. Vermutlich waren die existenziellen Probleme nicht zuletzt auch überlagert von der Sorge um die eigene Gesundheit.
Mobile Hilfe und Betreuung
Qualifizierte Mitarbeiter des Roten Kreuzes aus dem Bereich der Krankenpflege und Geriatrie unterstützen bei Körperpflege, beim Organisieren von Pflegebehelfen, beim An- und Auskleiden sowie Ordnung machen in den eigenen vier Wänden. 52 berufliche Mitarbeiter absolvierten fast 60.000 Hausbesuche und leisteten beinahe 36.000 freiwillige Stunden für 439 betreute Klienten.
Jugendrotkreuz
Das Jugendrotkreuz ist sehr vielseitig: Bereits im Kindergarten lernen die Kinder mit ROKO die wichtigsten Schritte der Ersten Hilfe, mit HELFI wird dieses Wissen in der Volksschule vertieft, und das Programm „social passion“ für NMS und Gymnasium dient dem intensiveren Kennenlernen des Roten Kreuzes. In den freizeitorientieren Jugendgruppen an allen Ortsstellen des Bezirkes entdecken Kinder und Jugendliche die Vielseitigkeit des Roten Kreuzes, machen sich mit den verschiedenen Möglichkeiten und Leistungen vertraut und lernen die Werte des Roten Kreuzes kennen.
Alpha. Meine Chance
Die 31 Alpha-Lesecoaches des Roten Kreuzes unterstützen einmal wöchentlich in 1:1-Betreuung leseschwache Kinder beim Lesen, um eine gute Grundlage für das weitere Lernen zu schaffen.
Katastrophenhilfsdienst
Großunfälle wie Massenkarambolagen, Zugunglücke, aber auch Naturkatastrophen sind Szenarien, an die keiner gern denkt – auf die man jedoch unverzüglich mit professioneller Organisation und geschultem Personal reagieren muss. Das Rote Kreuz hält für diese Fälle unter anderem einen geübten Einsatzstab, Material und Logistikwissen bereit. Schon 45 Minuten nach der Alarmierung stehen beispielsweise Feldküchen mit Verpflegung für große Bevölkerungsteile bereit, die Strahlenschutzeinheit ist bestens ausgerüstet, und die Suchhundestaffel kann im Katastrophenfall genauso zum Einsatz kommen wie bei der Suche nach vermissten Personen, bspw. Demenzkranken. Es gibt 20 Mitarbeiter der Suchhundestaffel, die 38 Einsätze absolvierten, sowie 37 Mitarbeiter der Strahlenschutz-Einheit.
Rettungsdienst
Unter der Notrufnummer 144 ist die Rettungsleitstelle rund um die Uhr ohne Vorwahl und Gesprächskosten erreichbar. An zehn verschiedenen Dienststellen im ganzen Bezirk sind insgesamt 25 Einsatzfahrzeuge stationiert und garantieren Sicherheit und schnelle Hilfe im Notfall. An den Ortsstellen Vöcklabruck und St. Georgen stehen außerdem Fahrzeuge des Hausärztlichen Notdienstes (HÄND) zur Verfügung, die zum Einsatz kommen, wenn die Ordinationen geschlossen oder Patienten nicht mobil sind. Es gab im Vorjahr rund 42.400 Patienten beim Rettungsdienst. Geleistet wurden etwa 370.000 Stunden des Rettungsdienstes insgesamt, 191.466 davon freiwillig und fast 1,5 Millionen Kilometer gefahren.
Krisenintervention
Um den Menschen in besonders schweren Stunden und plötzlich hereingebrochenen, persönlichen Krisen beizustehen, bieten die Kriseninterventionsteams des Roten Kreuzes innerhalb kürzester Zeit psychische Unterstützung direkt vor Ort. 21 Mitarbeite waren bei 133 Einsätzen.
Zivildiener beim Roten Kreuz
Jedes Jahr absolvieren rund 60 junge Menschen ihren Zivildienst beim Roten Kreuz im Bezirk Vöcklabruck. Die Zivildiener arbeiten je nach Bedarf beim Rettungsdienst oder auch im „Litz – Das Erlebnishaus am Attersee“.
Ausbildung beim Roten Kreuz
Angeboten werden an den Rot-Kreuz-Ortsstellen, aber auch in Schulen und Firmen, Erste-Hilfe-Kurse. Im Vorjahr gab es 82 Erste-Hilfe-Kurse mit mehr als 1.300 Teilnehmer.


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