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MONDSEE. Am Mondsee wird ein sonst verborgenes Kapitel der österreichischen Geschichte zugänglich gemacht: Das Kuratorium Pfahlbauten lädt Mitglieder des Recreation Rehabilitation Tauchclub Wien (RRTC) zu einer geführten Tauchexkursion zur jungsteinzeitlichen Pfahlbausiedlung „See am Mondsee“ ein. Die rund 6.000 Jahre alte Fundstelle ist Teil des UNESCO-Welterbes „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“. 

Für die Taucher gibt es einen barrierefreien Einstieg ins Wasser. (Foto: privat)
  1 / 3   Für die Taucher gibt es einen barrierefreien Einstieg ins Wasser. (Foto: privat)

Ein besonderer Fokus liegt auf Barrierefreiheit und Teilhabe. Der RRTC ist ein Tauchsportverein, der sich der Verbreitung des Tauchsports unter behinderten und nicht-behinderten Menschen widmet. Das Grundprinzip des Vereins bringt Vereinsobmann Walter Stindl auf den Punkt: „Dabei ist es nicht so wesentlich, welche körperlichen Voraussetzungen die einzelne Taucherin oder der einzelne Taucher besitzt, sondern unser Grundprinzip lautet: Wir gehen miteinander tauchen – egal ob du im Rollstuhl sitzt, blind bist oder ein anderes Handicap hast.“

Zugänge ermöglichen

Unter Wasser können die Teilnehmer Reste der  Siedlung aus nächster Nähe erleben – darunter erhaltene Holzpfähle, die einst Teil von Häusern waren. Weil sich die archäologische Fundstelle in einer denkmalgeschützten Tauchverbotszone befindet, ist ein Besuch nur im Rahmen speziell begleiteter und behördlich abgestimmter Exkursionen möglich. Damit verbindet die Veranstaltung zwei zentrale Anliegen: den Schutz eines empfindlichen Kulturerbes und den Zugang der Bevölkerung zu ihrem Welterbe.

„Das UNESCO-Welterbe gehört nicht nur der Forschung, sondern der Gesellschaft. Unsere Aufgabe ist es, dieses Kulturerbe zu schützen und zugleich Zugänge zu schaffen – auch dann, wenn es unter Wasser liegt“, erklärt Cyril Dworsky, Geschäftsführer des Kuratorium Pfahlbauten. „Gerade bei Unterwasserfundstellen ist eine behutsame Vermittlung vor Ort besonders wichtig: Was über Jahrtausende im Seeboden erhalten geblieben ist, kann durch Unachtsamkeit sehr schnell beschädigt werden.“

Informationen zu Pfahlbauten unter Wasser auch am Ufer

Auch für Nicht-Tauchende wird die Fundstelle an diesem Tag erlebbar gemacht. Am Badegrundstück präsentiert das Kuratorium Pfahlbauten originale Funde und weiterführende Informationen zum UNESCO-Welterbe. So können auch Begleitpersonen und interessierte Besucher nachvollziehen, warum diese unscheinbaren Reste im Seeboden international von so großer Bedeutung sind.

Möglich wird die Veranstaltung durch die Unterstützung des ÖZIV-Landesverbands Salzburg, der sein Badegrundstück direkt gegenüber der Fundstelle am Mondsee für die Exkursion zur Verfügung stellt. „Der ÖZIV ist eine parteipolitisch unabhängige Interessenvertretung für Menschen mit Behinderungen und setzt sich für deren Rechte, Anliegen und gesellschaftliche Teilhabe ein.“, beschreibt Landespräsidentin Elisabeth Ausweger den Verband. „Das Badegrundstück ist für die Bedürfnisse seiner Mitglieder ausgestattet. Das Gelände ist barrierefrei zugänglich und ein Hebelift am Badesteg erleichtert Schwimmern mit Mobilitätseinschränkungen – wie auch unseren tauchenden Gästen – den Einstieg ins Wasser.“

Schutz der Fundstellen

Die Exkursion macht auf die Verletzlichkeit der prähistorischen Reste aufmerksam. Pfahlbausiedlungen in Flachwasserzonen sind durch natürliche Prozesse, aber auch durch Seenutzungen wie Ankerungen, Fischerei, Schifffahrt, Uferverbauung oder unachtsames Tauchen gefährdet. Der Schutz dieser Fundstellen ist eine zentrale Aufgabe des Kuratorium Pfahlbauten.

Neben der Station „See am Mondsee“ befinden sich in Österreich weitere Fundstellen dieser Art unter anderem im Attersee, Traunsee, Keutschacher See, Hafnersee und Wörther See. Viele Gewässer sind archäologisch noch wenig erforscht. Auch Sporttaucher können hier künftig eine wichtige Rolle spielen, indem sie auffällige Strukturen oder Funde melden. Im Forschungsprojekt „Aqua Cultural Heritage“ wird derzeit ein Fundmeldesystem für den Tauchsport getestet.

Auffälligkeiten erkennen

„Was man nicht kennt, erkennt man auch nicht“, betont Projektmitarbeiterin Helena Seidl da Fonseca. „Darum sind Vermittlungsformate wie diese Tauchexkursion so wichtig. Sie zeigen, den Teilnehmenden, wie diese Fundstellen unter Wasser aussehen und worauf sie achten müssen.“

Die Tauchexkursion veranschaulicht die Zusammenarbeit von Forschung, Denkmalschutz, Inklusion und Teilhabe. Pressevertreter:innen sind herzlich eingeladen, uns an diesem Tag zu besuchen.

Getaucht wird am Samstag, 27. Juni, zwischen 9.30 und 12.30 Uhr.

Ort: Seeache Brücke, Oberburgau 2


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