Flugzeugabsturz im Attersee: Tieftaucher sollen in 160 Meter zum Wrack
STEINBACH. Die Bergung des abgestürzten Kleinflugzeugs im Attersee wird zu einem außergewöhnlichen Einsatz. Professionelle Tieftaucher sollen zum Wrack in rund 160 Metern Tiefe vordringen. Ein früherer Einsatz zeigt, wie extrem diese Bergung ist.

Rund 160 Meter Wasser liegen über dem Flugzeugwrack am Grund des Attersees. Nachdem es bisher nicht gelungen ist, mit einem Tauchroboter eine Bergeschlinge unter der Maschine anzubringen, sollen nun professionelle Tieftaucher mit Spezialausrüstung zum Einsatz kommen. Am Montag sollen die Bergungsarbeiten fortgesetzt werden.
Das Wrack liegt rund 300 Meter vom Ufer entfernt bei Steinbach an einer der tiefsten Stellen des Attersees. Im Flugzeug befinden sich noch die beiden tödlich verunglückten Insassen, eine 19-jährige Flugschülerin und ihr 24-jähriger Fluglehrer.
Einsatz in extremer Tiefe
Ein Tauchgang auf rund 160 Meter ist mit einem gewöhnlichen Tauchgang nicht vergleichbar. In dieser Tiefe herrscht ein Umgebungsdruck von etwa 17 bar. Solche Einsätze erfordern speziell ausgebildete Taucher, besondere Atemgasgemische und eine exakt geplante Dekompression beim Aufstieg.
Zusätzlich erschwert die Arbeit direkt am Seegrund den Einsatz. Die Taucher sollen dort unterstützen, wo der Tauchroboter bisher an seine Grenzen gestoßen ist. Das Flugzeug liegt teilweise im Schlamm. Um es bergen zu können, muss eine Schlinge möglichst sicher unter beziehungsweise am Wrack angebracht werden.
Wie lange die Taucher tatsächlich in dieser Tiefe arbeiten können und welches konkrete Verfahren eingesetzt wird, hängt von der Ausrüstung und dem Einsatzkonzept ab. Klar ist: Nach der Arbeit am Wrack ist ein langsamer und genau geplanter Aufstieg notwendig. Ein zu schneller Druckabfall kann schwere gesundheitliche Folgen haben.
Spezialtaucher waren 2024 bereits auf 130 Metern
Dass außergewöhnliche Tieftauchgänge im Attersee möglich sind, zeigte eine spektakuläre Bergung im August 2024. Damals sank das historische Segelboot „Bibelot II“ während einer Regatta auf den Grund des Sees – in rund 130 Metern Tiefe.
Nach der Ortung mit Sonar und einem Unterwasserroboter stiegen zwei Spezialtaucher zum Segelboot hinab und befestigten dort eine Bergleine. In 60 und 20 Metern Tiefe standen weitere Sicherungstaucher mit Reserveflaschen bereit.
Für die eigentliche Arbeit am Seegrund blieben den Spezialisten nur wenige Minuten. Einen erheblichen Teil des Tauchgangs nahm anschließend der langsame Aufstieg mit den notwendigen Dekompressionsstopps in Anspruch.
Das Segelboot wurde mit einer Spezialwinde zunächst bis auf rund 20 Meter angehoben und anschließend mithilfe von Hebeballons an die Oberfläche gebracht. Die „Bibelot II“ konnte sogar unbeschädigt an ihren Besitzer übergeben werden.
Der bevorstehende Einsatz am Flugzeugwrack führt die Taucher nun noch einmal rund 30 Meter tiefer.
Attersee-Tragödie von 1978
Dass Arbeiten in den großen Tiefen des Attersees auch tödliche Gefahren bergen können, zeigt ein tragisches Kapitel aus der Vergangenheit.
In der Nacht auf den 13. August 1978 kenterte zwischen Stockwinkl in Nußdorf und Steinbach am Attersee ein Ruderboot mit acht jungen Menschen. Drei Frauen konnten sich ans Ufer retten und Alarm schlagen. Drei Männer und zwei Frauen ertranken.
Doch die Tragödie war damit noch nicht beendet. Bei erfolglosen Bergungsversuchen in den darauffolgenden Tagen kamen auch zwei Taucher ums Leben. Insgesamt forderte das Unglück sieben Todesopfer.
Fast fünf Jahrzehnte später haben sich Tauchtechnik, Ausrüstung und Sicherheitsstandards grundlegend weiterentwickelt. Das Unglück von damals zeigt dennoch eindrücklich, welche Herausforderungen die enormen Tiefen des Attersees mit sich bringen.
Bergung bleibt Millimeterarbeit
Die bisherigen Versuche zeigen, wie schwierig die Situation am Seegrund ist. Der Tauchroboter konnte nicht weit genug unter die teilweise im Schlamm liegende Maschine gelangen, um die notwendige Bergeschlinge anzubringen. Zusätzlich können Wind, Wellen und Bewegungen anderer Boote die präzise Arbeit über der Wrackstelle erschweren.
Selbst wenn es gelingt, die Bergeseile sicher anzubringen, ist der schwierigste Teil noch nicht vollständig geschafft. Das Flugzeug muss langsam und kontrolliert angehoben werden. Dabei besteht die Gefahr, dass Teile des Wracks abbrechen und wieder in die Tiefe sinken.
Am Montag sollen die Arbeiten am Attersee fortgesetzt werden. Dann könnte mit dem Einsatz der professionellen Tieftaucher eine entscheidende Phase der schwierigen Bergung beginnen.








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